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„Das Boot“: Lesbische Widerstandskämpferinnen statt schwitzender U-Boot-Besatzung

Die Serien-Fortsetzung des Spielfilmklassikers „Das Boot“ überrascht mit zwei lesbischen Hauptfiguren, die das männerschweißige Geschehen in und ums U-Boot durch eine spannende politischen Note ergänzen. Jetzt in der ZDF-Mediathek und auf DVD.

Sky Die einzige Liebesaffäre in der ersten Staffel: Carla (Lizzy Kaplan, l.) und Simone (Vicky Krieps)

Von Manuela Kay

16.1.2020 - Im Laufe eines Fernsehzuschauerinnenlebens hat wohl jede von uns schon den Film Das Boot mehrfach freiwillig oder unfreiwillig in seiner quälenden Länge gesehen. Nun gibt es im ZDF die gleichnamige Serie, in der ebenfalls eine deutsche U-Boot-Besatzung im Zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt steht. Doch anders als im Über-Film des deutschen Regisseurs Wolfgang Petersen von 1981 gibt es in der Serie (die bereits Ende 2018 auf Sky lief) auch weibliche Figuren.

Denn zum U-Boot-Kriegsdrama im Atlantik spielt eine Parallelhandlung in der von Nazis besetzen französischen Hafenstadt La Rochelle. Hier steht die Elsässerin Simone Strasser (Vicky Krieps) im Mittelpunkt, die zunächst nazitreu bei der Gestapo einen Job als Übersetzerin annimmt. Durch ihren Bruder, der heimlich Kind und Liebesbeziehung mit einer jüdischen Frau hat, kommt Simone in Kontakt mit Widerstandskämpfern und deren Anführerin, der US-Amerikanerin Carla (Lizzy Caplan, Masters of Sex).

Und plötzlich beginnen sie zu knutschen

Schnell zweifelt Simone an den Zielen der Nazis und beginnt heimlich die Résistance zu unterstützen, sichtlich dazu angetrieben von der charismatischen Carla. Und dann – auch für die ausgefuchsteste Kritikerin völlig unerwartet – fangen Simone und Carla mitten in der Story, irgendwo zwischen Folge 3 und 4, an zu knutschen.

Und mehr noch: sie beginnen eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, und es kommt heraus, dass beide Frauen tatsächlich lesbisch sind! Carla ist dabei die coole, morphiumsüchtige Anführerin der Widerstandsgruppe, während sich aber auch Simone vom dummen Blondchen hin zur raffinierten Spionin entwickelt.

Sehr unerwartet in einer Serie, in der man wie in seinem Filmvorbild eigentlich nur männliche Heldensagen erwartet. Klar gibt es viele Szenen in und ums U-Boot, in denen man den Männerschweiß und das Testosteron geradezu riechen kann. Aber durch die Parallelhandlung in La Rochelle gelingt es, der Serie eine spannende politische Note zu geben, die im Ur-Das Boot fehlte. Auch wenn weniger Intensität als in Petersens Film zu spüren ist, hat die Serie einen vielschichtigeren Ansatz und zeigt nicht nur unrasierte Seeleute in Todesangst.

Lebensgefährliches, politisches Engagement

Leider wurden viele sehr unnötige und brutale Vergewaltigungsszenen in die Handlung eingebaut – das Machtgefälle zwischen Männern und Frauen hätten wir sicher auch anders kapiert. Dennoch bietet die Serie zwei wirklich interessante lesbische Figuren, deren Hauptaugenmerk ausnahmsweise mal nicht auf einer Coming-Out-Problematik liegt, sondern auf ihrem lebensgefährlichen, politischen Engagement.

Und da uns eine 2. Staffel ins Haus steht (2020 auf Sky), dürfen wir uns mit Simone Strasser auf eine zentrale lesbische Figur freuen. Leider wird es kein lesbisches U-Boot geben – das enge, klaustrophobische Miteinander nur unter Frauen wäre sicherlich auch eine interessante Variante.

Das Boot (D 2018), Staffel 1: 8 Folgen, in der ZDF-Mediathek (kostenlos, noch bis 5.4.2020), bei Sky Ticket/ Sky Go und auf DVD/ Blu-ray

 

 

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