Der Skandalfilm, der neue Maßstäbe setzt
Wunderbare Coming-out-Geschichte: Im Kino läuft jetzt der seit Monaten heiß diskutierte Film „Blau ist eine warme Farbe“
l-mag.de 21.12. – Was kann man mehr wollen, als so einen richtigen „Skandal-Film“, der heftig diskutiert wird und in dessen Mittelpunkt auch noch eine lesbische Geschichte steht? „Blau ist eine warme Farbe“ lief am Donnerstag in den deutschen Kinos an und sein Ruf eilt ihm bereits seit Monaten voraus. Doch um es gleich vorweg zu sagen, vieles, was über den Cannes-Gewinnerfilm gesagt wird, stimmt schlicht nicht. Als da wären: „es ist eine universelle Liebesgeschichte und kein Lesbenfilm“, er ist „pornografisch“, „eine voyeuristische Männerfantasie“ und eine „pure Aneinanderreihung von Sexszenen und Nahaufnahmen“. Blödsinn.
Vielmehr ist es eine gelungene und wunderbare Coming-out-Geschichte, die weder mit einem Hetero-Paar noch mit einem Schwulenpaar funktioniert hätte. Der ausgiebige Sex ist einfühlsam und authentisch und ja, auch intensiv. Aber so ist Sex mitunter. Für eine voyeuristische Männerfantasie bleibt da gar kein Platz, denn genau wie bei „echtem" Lesbensex sind sich die Frauen mehr als genug und vögeln auf eine Art miteinander, dass Männer eigentlich nur Beklemmungen und Minderwertigkeitskomplexe bekommen können. So viel lesbische Lust können viele eben nicht aushalten – nicht mal Lesben selbst, die sich auch schon über den Film beschwerten.
Schade, dass auch Julie Maroh, die geniale französische Comiczeichnerin, auf deren Vorlage der Film basiert, auch nicht zufrieden mit dem Ergebnis ist. Dabei ist es eigentlich eine sehr gelungene und einfühlsame Umsetzung ihres tollen und sogar noch traurigeren Stoffs. „Blau ist eine warme Farbe“ tut nichts geringeres als neue Maßstäbe für das lesbische Kino zu setzen. Und wer nicht aushalten kann, dass dies nunmal ein Mann und etwas zickige heterosexuelle Schauspielerinnen zustande gebracht haben, muss eben weiter „The L Word“ gucken. Manuela Kay
Regie: Abdellatif Kechiche, mit: Adèle Exarchopoulos, Léa Seydoux u. a., Frankreich 2012, 179 Min., dt. Fassung, Kinostart: 19. Dezember
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