L-Mag

Die gefährlichsten und sichersten Reiseziele der Welt

44 Länder sind für LGBTIQ*-Reisende extrem gefährlich, darunter auch beliebte Urlaubsziele und der Fußball-WM-Gastgeber 2022 Katar. Das queerfreundlichste Land ist Schweden. Deutschland schneidet gut ab, erhält aber keine Bestnote.

Erik Odiin/ Unsplash

Von Anette Stührmann

25.11.2019 - Nigeria ist das gefährlichste Land für LGBTIQ*-Reisende - eigentlich keine so große Überraschung, war das westafrikanische Land doch nie für Queerfreundlichkeit berühmt, und ein überragend beliebtes Reiseziel ist es auch nicht. In Nigeria wird gleichgeschlechtlicher Sex mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bis hin zur Todesstrafe geahndet. Sogar die Diskussion über die rechtliche Lage von LGBTIQ* ist dort verboten, und in einigen Regionen werden die Scharia-Gesetze angewendet.

In der Top 5 des Rankings der 150 gefährlichsten Urlaubsländer, das vom Reiseportal Asher & Lyric Fergusson veröffentlicht wurde, landen auch Katar, Jemen, Saudi-Arabien und Tansania. Vor allem Platz 2 für Katar macht stutzig, wird hier doch 2022 die Fußball-WM der Männer ausgetragen. Dort gelten, wie auch in Saudi-Arabien und Malaysia (Platz 9) die Scharia-Gesetze. Jemen sieht für verheiratete Männer, die sich homosexuell betätigen, Tod durch Steinigen vor. Weitere Länder mit Todesstrafenvollzug sind Iran und Sudan (Platz 6 und 7).

In 44 Ländern herrscht die höchste Alarmstufe für LGBTIQ*

Alle 44 Länder, die mit mit der höchsten Gefährlichkeit (Note F) benotet wurden, gewährleisten überhaupt keinen Schutz für LGBTIQ*. Gemeinsam ist den meisten, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen verboten sind (wobei Lesben bzw. sexuelle Aktivitäten zwischen Frauen meist nicht erwähnt werden) und gegen Homosexuelle und Transpersonen häufig mit expliziten Moralgesetzen vorgegangen wird. Es gibt dort kein allgemeines Diskriminierungsverbot, keine strafrechtliche Verfolgung von homophober Gewalt, keinen Schutz vor Benachteiligung am Arbeitsplatz geschweige denn die Ehe oder Adoptionsrechte für gleichgeschlechtlichen Partner*Innen. Typisch ist hier auch, dass jeweils höchstens ein Viertel der EinwohnerInnen ihr Land für lebenswert für Schwule und Lesben halten.

Viele der am schlechtesten benoteten Länder kriminalisieren zudem Formen der „gender expression“, also Crossdressing, Drag, nicht-geschlechtskonforme Kleidung, Accessoires und Schminke. Und dann gibt es noch diejenigen, die Organisationen verbieten, die sich für LGBTIQ* einsetzen, etwa Malawi, Uganda, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE).

Das trifft allerdings auch auf einige wenige Länder zu, die besser abschneiden, was die Sicherheit für LGBTIQ* angeht, wie zum Beispiel Mozambique (Platz 77), wo Homosexualität vor einigen Jahren entkriminalisiert wurde. Eine Besonderheit stellen Russland (Platz 42) und China (Platz 44) dar: Sie verbieten zwar Homosexualität und LGBTQ*-Initiativen nicht grundsätzlich, jedoch können sie in Russland, wo das Werben für nichttraditionelle sexuelle Verbindungen zwischen Minderjährigen untersagt ist, gerichtlich belangt und in China mit Bußgeldern belegt werden.

Auch beliebte Urlaubsländer stehen auf der Negativliste

Für einige beliebte Reiseländer überraschen die Benotungen: So erhielten etwa Jamaika, Ägypten, Tunesien und Namibia allesamt die schlechteste Note F und gelten damit als höchst unsicher für LGBTIQ*-Reisende.

Bessere Ergebnisse hätte man auch von Urlaubsziele wie Bahamas, Türkei, Japan, Thailand, Dominikanische Republik und Hongkong erwaret: Sie wurden nur mit einem „Ausreichend“ (Note D) bewertet. Und auch unser Nachbarland Polen landete auf einem Platz jenseits des Mittelfelds (Platz 87).

Glücklicherweise gibt es auch queer-touristische Urlaubsländer, die als weniger bedenklich einzuschätzen sind. So wurden mit der Note C (also ungefähr der Schulnote 3) die Länder bewertet, die die eine oder andere LGBTIQ*-Schutzmaßnahme in ihre Gesetzeskataloge integrierten (Bosnien-Herzegowina, Peru, Georgien, Rumänien), von denen einige zumindest die eingetragene Partnerschaft erlauben (Italien, Griechenland, Schweiz, Zypern, Chile), oder zumindest im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen anerkennen (Bulgarien und Israel).

Deutschland nicht in den Top 20 der sichersten Länder

Die Bestnoten A und B (also „sehr gut“ und „gut“) entfielen insgesamt auf nur 30 der 150 Länder. Auf den Plätzen, die mit der Note „B“ bewertet wurden, finden sich Deutschland (Platz 130) und Österreich (Platz 131) hinter Australien, Dänemark, Südafrika und den Niederlanden wieder.

Auch Irland schneidet besser ab als Deutschland, weil hierzulande die strafrechtliche Verfolgung von Hasskriminalität gegen LGBTIQ*-Personen immer noch nicht gesetzlich geregelt hat, während Irland klar Position bezieht und mit der Marriage-Equality-Debatte vor einigen Jahren die Mehrheit der Bevölkerung für Gerechtigkeit gegenüber Lesben und Schwule gewinnen konnte. Und auch die irische Bevölkerungszufriedenheit, was queere Belange angeht, ist höher als die deutsche.

Das LGBTIQ*-freundlichste Land ist Schweden

Auf dem Spitzenplatz als LGBTIQ*-freundliches Land liegt Schweden, gefolgt von Kanada, Norwegen, Portugal, Belgien und Großbritannien. In den Top 10 außerdem: Finnland, Frankreich, Island und Spanien. All diese Staaten heben sich vor allem dadurch hervor, dass sie eine besonders hohe Zufriedenheits- und Zustimmungsspanne in ihren Communities erreichen.

Hier steht das komplette Ranking „The Worst (and Safest) Countries for LGBTIQ+ Travel in 2019“.

 

Weiterlesen: Deutschlands LGBT-Freundlichkeit lässt nach (zwei neue Rankings der LGBT-freundlichsten Länder)

Wenn der Bodyscan am Flughafen zum Problem wird - Tipps für gender-nonkonforme Reisende

 

Die aktuelle L-MAG: jetzt an jedem Bahnhofskiosk, bei Readly, im Abo oder als e-Paper-Abo.

Finde deinen Weg zum Heft…

L-MAG.de finde ich gut!

Wir wollen, dass möglichst viele K-Word, unsere News, Filmtipps und internationalen Berichte lesen können.
Die Sichtbarkeit von lesbischen News im Netz ist uns sehr wichtig.
Deshalb werden L-MAG.de und mobil.l-mag.de weiterhin kostenlos bleiben!

Aber guter Online-Journalismus kostet genauso wie guter Print-Journalismus. Allein durch Werbebanner kommt nicht genug Geld rein. Wenn du L-MAG.de und unsere Service-Seiten (wie L-Dating) gut findest und lesbische Online-Inhalte unterstützen willst, kannst du das ganz einfach tun: Spende einmalig 1 Euro oder gleich 10 Euro fürs ganze Jahr.

Vielen Dank! Dein L-MAG-Team

L-MAG.de finde ich gut!

Diese Website verwendet Cookies, Google Analytics und den Adserver Google DFP. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, stimmen Sie dem zu.
Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK

L-MAG.de finde ich gut!

Wir wollen, dass möglichst viele K-Word, unsere News, Filmtipps und internationalen Berichte lesen können.
Die Sichtbarkeit von lesbischen News im Netz ist uns sehr wichtig.
Deshalb werden L-MAG.de und mobil.l-mag.de weiterhin kostenlos bleiben!

Aber guter Online-Journalismus kostet genauso wie guter Print-Journalismus. Allein durch Werbebanner kommt nicht genug Geld rein. Wenn du L-MAG.de und unsere Service-Seiten (wie L-Dating) gut findest und lesbische Online-Inhalte unterstützen willst, kannst du das ganz einfach tun: Spende einmalig 1 Euro oder gleich 10 Euro fürs ganze Jahr.

Vielen Dank! Dein L-MAG-Team

Nein Danke, möchte ich nicht | Hab schon!

L-MAG.de finde ich gut!
x