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Die Simpsons: Die Kultserie aus lesbischer Sicht

Erwin In het Panhuis analysiert im Buch „Hinter den schwulen Lachern“, wie Homer, Marge & Co. zu queeren Fragen stehen

l-mag.de 1.7. - Seit mehr als 20 Jahren gibt es die US-Zeichentrickfilmserie „Die Simpsons“. Der Autor Erwin In het Panhuis hat sich die ersten 500 Folgen noch einmal ganz genau angesehen und sich dabei gefragt: Wie stehen Homer, Marge und Co zu Lesben und Schwulen? Das Ergebnis ist jetzt in dem Buch „Hinter den schwulen Lachern“ veröffentlicht worden.

Auf l-mag.de zeigen wir vier beispielhafte Analysen aus dem Buch. Dieses kann bis zum 7. Juli zum Vorzugspreis von 20 Euro beim Verlag bestellt werden, anschließend kostet es 28 Euro. nam

Lesbischer Gaststar – Ellen DeGeneres

Die Simpsons führen den Weltrekord mit den meisten Gaststars in einer Serie, wobei die meisten davon vor allem in den USA bekannt sind. Bei den schwulen und lesbischen Gaststars gibt es unterschiedliche Formen der Darstellung: Gaststars, die eine fremde (Harvey Fierstein), ähnliche (John Waters) oder eine ihnen direkt nachempfundene Figur (Ellen DeGeneres, Elton John) verkörpern.

Ellen DeGeneres ist in den USA eine der bedeutendsten offen lesbischen Persönlichkeiten, die sich in ihrer eigenen Sitcom Ellen 1997 als lesbisch outete. Zu diesem Zeitpunkt war sie mit der Schauspielerin Anne Heche liiert. In einer Folge von 1999 kommen die Simpsons an dem Haus von Ellen DeGeneres und Anne Heche vorbei. Beide Frauen sitzen vor ihrem Haus, halten Händchen und rufen gemeinsam: Wir sind lesbisch!. Das wirkt banal, ist jedoch vor dem Hintergrund ihres bedeutenden Coming-outs von 1997 als Rückenstärkung in einem emanzipatorischen Sinn zu beurteilen.

In einer späteren Folge sagt Ellen DeGeneres als Jurorin einer Casting-Show zur Rockmusik: Ich steh nicht auf rockig – obwohl ich auf Röcke stehe, vor allem Miniröcke. Damit wird recht aktuell auf ihre Tätigkeit als Jurorin der Casting-Show American Idol (in Deutschland als Deutschland sucht den Superstar adaptiert) eingegangen, die sie seit 2010 ausübte.

Lisa – das gute Gewissen der Familie

Lisa Simpsons ist acht Jahre alt und als intelligentes und integres Mädchen die wichtigste moralische Instanz der Familie. So initiierte sie zum Beispiel eine gemeinsame Teilnahme am Springfielder CSD und schlug erfolgreich die Einführung der Homo-Ehe in Springfield vor. Auch als Lisa aus Spaß von Bart unterstellt wird, lesbisch zu sein, ist sie schlagfertig: Ich würd’s nie verbergen lesbisch zu sein wie meine Heldinnen: Billy Jean King, Susan Sontag, Sappho aus Lesbos und – wie ich vermute – Peppermint Patty. Bei verbalen homophoben Anfeindungen von Gleichaltrigen wehrt sie sich erfolgreich.

Einmal träumt Lisa sogar von lesbischen Frauen, die sich küssen. Dieser Traum ist inspiriert von ihrem Wunsch nach einem Studium und man merkt dem Aufbau der Szene deutlich an, dass hier keine Aussage über Lisa, sondern eine satirische Aussage über die näher behandelten Hochschulen gemacht wird. Auf dem DVD-Kommentar hat sich Yeardly Smith – die Synchron-Stimme von Lisa – bereits darüber gewundert, dass sich Lisa immer nur in Jungen verliebt. Das fällt auf, weil zumindest die sexuelle Orientierung der männlichen Bevölkerung in Springfield als sehr flexibel erscheint.

Auf zwei (in der Zukunft spielenden) Familienfotos sieht es übrigens so aus, als habe Lisa mit drei anderen Frauen Verhältnisse, auf dem zweiten Foto sogar mit zwei Frauen gleichzeitig. Als Gruppenfoto wirkt es so, als würden die Freundinnen mit zur Familie gehören. Während die anderen Familienmitglieder unbeteiligt wirken, erscheint ihr Bruder Bart zunächst verwundert und (auf dem zweiten Foto) ablehnend zu reagieren. Die Simpsons und die Figur Lisa haben noch viel Potenzial.

Patty – die lesbische Schwester von Marge

In den ersten Staffeln deutet vieles auf eine Heterosexualität von Patty hin, auch wenn auf ihre Männlichkeit als Running Gag schon seit den ersten Staffeln eingegangen wird. Vermutlich war den Produzenten zunächst noch selber unklar, wie sich die Figur entwickeln soll. In der vierten Staffel wird es interessant: Als Patty sieht, wie Homer nackt durch die Wohnung läuft, ruft sie laut aus: Der seidene Faden ist zerrissen, an dem meine Heterosexualität hing.

Auch ein Kommentar von Patty in der 13. Staffel über ihre Arbeitskollegin lässt einen aufhorchen lässt: Es ist mir egal, mit wem sie schläft, aber dieser Parkplatz gehört mir. Erst in der 16. Staffel – in einer Folge, die ausschließlich die Homo-Ehe behandelt – outet sich Patty als lesbisch, als sie ihre Freundin heiraten möchte. Allerdings stellt sich heraus, dass Veronica in Wirklichkeit ein Mann ist, und die Hochzeit daher ausfällt. Später wird mit der verheirateten Verity Heathbar eine weitere Liebschaft eingeführt und die Zuschauerin erfährt, dass Patty in ihrer Phantasie von der Lehrerin Edna Krabappel schwärmt.

Insgesamt ist Patty ist eine freche, derbe und laute Lesbe. Ihr Auftreten ist aber nicht nur roh, sondern auch Ausdruck ihrer direkten und ehrlichen Art. Sie bildet einen lebendigen Gegensatz zu den unauffälligen und zum Teil farblosen lesbischen Nebenfiguren. Weil sich ihre (heterosexuelle) Zwillingsschwester Selma ebenso männlich gibt, wird die Gleichsetzung von Männlichkeit und Lesbischsein gleichermaßen bestätigt und geschickt gebrochen. Mit dem offen lesbischen Auftreten ab der 16. Staffel ist Patty die wichtigste lesbische Figur der Serie.

Die Darstellung von Lesben

In 500 Folgen Simpsons sind rund 50-60 Lesben zu sehen. Da gibt es zum Beispiel zwei Bibliothekarinnen, die miteinander rumgeknutscht haben, Verity als neue Lebenspartnerin von Patty, kräftige Gladiatorinnen und sogar drei Mütter, die sich plötzlich unmotiviert anfangen zu küssen. Auch wenn nur wenige Lesben ausführlicher dargestellt werden, kann ein Rückgriff auf Klischees festgestellt werden. In mehreren Fällen wird zum Beispiel – wenn auch indirekt und humorvoll – ein Zusammenhang zwischen Antipathie gegenüber Männern und lesbischer Orientierung hergestellt. So sagt zum Beispiel eine Lesbe beim Anblick des halbnackten Homer: Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber wenn ich ihn sehe, werde ich noch lesbischer.

Lesbische Gruppen sind unter anderem in Discos und bei Demonstrationen präsent. In der Lesbenbar She She Lounge fällt vor allem die Unauffälligkeit der Frauen auf. Insgesamt wird eine entspannte und freundliche Atmosphäre vermittelt. Mit einer Homo-Demo vor dem Rathaus und beim CSD werden viele Lesben als politisch engagiert dargestellt. Auf einem CSD-Wagen sind sechs Frauen zu sehen, die als Lesben der Karibik indirekt den Film Fluch der Karibik parodieren. Auf diesem Wagen laufen jeweils drei Frauen (in Hosen und kurzen Haaren) aus Spaß drei Frauen (in kurzen Röcken) hinterher. In unauffälliger Form ist damit eine Einteilung in Butch und Femme erkennbar. Am Straßenrand steht der achtjährige Milhouse von Houten und findet sie einfach nur cool. Anlass zu Kritik bietet bei Lesben weniger ihre Darstellung, sondern ihre fehlende Präsenz.

Alle Bilder aus: Erwin In het Panhuis: Hinter den schwulen Lachern. Homosexualität bei den Simpsons. (Archiv der Jugendkulturen, 2013)

Der Autor: Erwin In het Panhuis

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