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Die wichtigsten Infos zum IDAHOBIT-Tag 2020

Der heutige Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) findet vor allem im Netz statt. Hier stehen alle Infos zum großen Online-Event #WirFürQueer und weiteren (auch nicht-virtuellen) Veranstaltungen. Kritik daran gibt's auch.

Guillaume Paumier/ CC-BY

Von Andreas Scholz/ Redaktion

17.5.2020 - Seit 2005 wird jährlich am 17. Mai der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) begangen. Das Datum erinnert an den 17. Mai 1990 als die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten strich. 2020 jährt sich dieser bedeutende Tag zum 30. Mal.

Mit verschiedenen Aktionen wird am IDAHOBIT auf die Diskriminierung der LGBTI*-Community aufmerksam gemacht. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Denn die zentralen Aktionen finden nicht auf der Straße, sondern aufgrund der Corona-Pandemie vor allem im digitalen Raum statt.

#WirFürQueer: Online-Event für die gesamte Community

Das wohl größte deutsche Online-Event zum IDAHOBIT, #WirFürQueer, startet die schwule Präventionskampagne „Ich weiß was ich tu“ (IWWIT) der Deutschen Aidshilfe, unterstützt u. a. vom CSD Deutschland e. V. und unserer Schwesterzeitschrift Siegessäule. Live aus dem Berliner SchwuZ gibt es ein auf gut drei Stunden angelegtes Programm aus Performances, Interviews, Grußbotschaften und mehr – moderiert von Annie Heger und Jurassica Parka.

Inhaltlich wird es um Safer Sex in Zeiten von Corona gehen, um sexuelle und geschlechtliche Identitäten und die Frage, welche Auswirkungen die Pandemie auf die unterschiedlichen Gruppen innerhalb der LGBTI*-Community hat. Performances sind u. a. von Kabarett-Chansonniere Irmgard Knef, Dragqueen Bambi Mercury und dem Berliner GRIPS Theater geplant. Alle Infos zum Line-up findet ihr auf Facebook, hier geht es direkt zum Live-Video (ab 19 Uhr).

IWWIT hatte bereits am Anfang der Corona-Krise den Hashtag #Wirfürqueer ins Leben gerufen, um auf Soliaktionen und Hilfsangebote für die queere Community hinzuweisen. „Corona begann, uns alle zu betreffen“, sagt Tim Schohmann, Kampagnenleiter von IWWIT. „Mit diesem Event wollen wir ganz bewusst auch über unseren eigenen Tellerrand schauen. Unsere Aufgabe bei IWWIT ist ja Präventionsarbeit für Männer, die Sex mit Männern Sex haben. Hier geht es jetzt aber darum, queere Strukturen abzubilden.“

Solidarität mit Polen, Ungarn und Uganda

Daneben gibt es noch weitere virtuelle Veranstaltungen zum IDAHOBIT: So plant der LSVD-Bundesverband heute eine Online-Konferenz (ab 18 Uhr auf der Facebook-Seite des LSVD), bei der Alfonso Pantisano aus dem Vorstand mit LGBTI*-Aktivist*innen u. a. aus Polen, Ungarn und Uganda reden wird.

In den genannten Ländern hat die Homophobie und die Hetze gegen LGBTI* traurige Höhepunkte erreicht: In Polen hatten sich in den letzten Monaten um die 100 Städte und Gemeinden zu „LGBTI-freien“-Zonen ausgerufen (wir berichteten), in Ungarn soll ein Gesetz verabschiedet werden, dass es trans* und inter* Personen unmöglich macht, ihren Geschlechtseintrag und ihren Vornamen zu ändern, und in Uganda wird immer wieder über die Einführung der Todesstrafe für Homosexuelle diskutiert.

„Haltet zusammen! Haltet durch! Füreinander! Miteinander“

Zudem ruft der LSVD dazu auf, ein Foto von sich mit eigener Botschaft zum IDAHOBIT unter dem Hashtag #MutigGegenHass in den sozialen Netzwerken zu posten. Hier gibt es eine Vorlage für ein Schild!

Eine Aktion mit Foto-Botschaften hat auch der CSD Augsburg ausgerufen (Infos), in Stuttgart wird ab 17 Uhr live und online zur Lage von LGBTQ-Menschen weltweit und zum gesellschaftlichen Klimawandel diskutiert (Infos). Der LSVD Sachsen ruft zu einer Solidaritätsaktion gegen LSBTI-Feindlichkeit in Polen auf. Konkret werden die über 300 deutsche Städte und Gemeinden, die eine Partnerschaft zu Polen pflegen, um Solidarität mit polnischen Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen aufgefordert.

„Haltet zusammen! Haltet durch! Füreinander. Miteinander. Am IDAHOBIT* und darüber hinaus!“, heißt es in einer Grußbotschaft, die der queere Verein vielbunt e.V. in Darmstadt heute veröffentlichte:

Einen virtuellen Rainbowflash mit zuvor eingesammelten Videobotschaften veranstaltet der LSVD Niedersachsen, regionale und nicht virtuelle (!) Veranstaltungen gibt es in Saarbrücken und (11 Uhr, St. Johanner Markt) und Schwerin (15 Uhr, Alter Garten).

Weitere Aktionen listet die Webseite des LSVD.

Bleiben Online-Events in der „Facebook-Filterblase“ hängen?

Allerdings regt sich in der Szene mittlerweile Kritik daran (u. a. im Nollendorfblog von Johannes Kram), dass zentrale Community-Events wie der CSD und der IDAHOBIT vor allem online stattfinden sollen. Denn es sei davon auszugehen, dass diese digitalen Events weitgehend in der „Facebook-Filterblase“ hängenbleiben und „nur“ von einigen Szeneleuten wahrgenommen werden.

Doch die Idee hinter dem IDAHOBIT und den Pride-Veranstaltungen sei es eben gerade, Community weithin sichtbar zu machen, zu demonstrieren und gesamtgesellschaftlich auf die Diskriminierung von LGBTI* hinzuweisen. Insofern stellt sich die Frage, ob ein solches Event, wenn es nur im digitalen Raum stattfindet, überhaupt Sinn macht.

„Ich hoffe, dass der Community-Gedanke erhalten bleibt"

Tim Schomann von IWWIT kann die Kritik nachvollziehen, gibt aber zu bedenken: „Fragen nach Akzeptanz und Diskriminierung sind ja auch innerhalb unserer Szene ein Thema. Natürlich kann ein Online-CSD nicht den CSD auf der Straße ersetzen, der auch von Leuten wahrgenommen wird, die nicht zur Community gehören. Aber was wäre die Alternative gewesen? Mir fehlen bei der Kritik oft die konkreten Lösungsvorschläge, wie es anders möglich sein soll.“

Von der CSD-Saison wünscht sich Schomann, dass es, neben den Online-Streams, auch Möglichkeiten geben wird, um sich real zu begegnen. „Vor allem hoffe ich, dass wir aus der Krise etwas lernen können und der aufkommende Community-Gdanke erhalten bleibt. Denn wir merken wieder, dass wir aufeinander angewiesen sind.“

 

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