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Ehe für alle: Ein klares Ja in der Schweiz

Mit großer Mehrheit entschied sich die Schweiz in einer Volksabstimmung für die Öffnung der Ehe und die Samenspende für lesbische Ehepaare. Unsere Schweizer Autorin freut sich riesig, dass selbst die konservativen Kantone mit „Ja“ stimmten. Ein Kommentar.

Von Sarah Stutte

28.9.2021 - Endlich. Nach einem jahrzehntelangem Ringen um gleiche Rechte (1995 wurde erstmals eine Petition mit dieser Intention eingereicht), gab es am 25. September endlich den historischen Durchbruch: Die Schweiz stimmte für die „Ehe für alle“ und erlaubte damit auch die Samenspende für lesbische Ehepaare. Ferner werden künftig homosexuelle Paare auch bei der Einbürgerung, der gemeinsamen Adoption und bei der Witwenrente gleich behandelt wie heterosexuelle Paare.

National- und Ständerat hatten im letzten Jahr die Vorlage mit großer Mehrheit angenommen, doch dagegen wurde von konservativen Initiativen das Referendum ergriffen (wir berichteten), was bedeutete: Das Volk hatte das letzte Wort. Dieses bestätigte nun haushoch mit 64,1% der Stimmen die Meinung des Parlaments. Ausnahmslos alle Kantone sagten Ja, selbst die konservativ-katholisch geprägten Kantone wie Schwyz, Uri und Appenzell, das Tessin und das Wallis.

„Zeigt den Wandel in den Köpfen und Herzen“

Dass gerade in diesem letztgenannten Kanton, in dem ich aufgewachsen bin und dabei nur selten das Gefühl hatte, in diesem Umfeld zu mir selbst zu finden, die kleine Gemeinde Oberems mit sagenhaften 85,7 % die Initiative annahm, mag nur eine Randnotiz sein, bedeutet mir persönlich aber sehr viel.

Denn es zeigt den Wandel, der sich in den Köpfen und Herzen mit den Jahren vollzogen hat, seit 2005 über die eingetragene Partnerschaft abgestimmt wurde. Zeigt, dass die Schweiz an Toleranz und liberaler Haltung gewachsen ist und zu der Einsicht gelangte, dass eine Ungleichbehandlung von Schwulen und Lesben in der heutigen Zeit keinen Platz mehr haben darf. Und das überall, in der Stadt genauso wie auf dem Land, im französischsprachigen Teil genauso wie im italienischen oder deutschen. Die Gräben scheinen für einmal zugeschüttet.

Die Schweiz hat gemächlich begonnen und prescht jetzt nach vorne

Das Abstimmungsresultat knüpft damit an den 9. Februar 2020 an, als sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger fast genauso klar für eine Strafnorm gegen Hassreden aufgrund der sexuellen Orientierung ausgesprochen haben. Fast scheint es sogar, als würde die Schweiz nun das Feld von hinten aufräumen. Jahrelang galt sie als eines der letzten europäischen Länder, das die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare noch nicht eingeführt hatte. Nun prescht sie, durch die zwar gewagte Verknüpfung mit der Samenspende, die aber zum Erfolg führte, immens nach vorne. Denn die Samenspende haben bisher nur wenige Länder gutgeheißen.

Man mag den Schweizern Gemächlichkeit vorwerfen, wenn es um Grundsatzentscheidungen geht und es stimmt – manche Dinge benötigen hier mehr Zeit. Doch ich fühle mich in einem Land, in dem das Volk einen solchen Entscheidung gefällt hat und nicht eine Regierung, grundsätzlich akzeptierter. Trotzdem kann ich immer noch nicht so recht glauben, was hier gerade passiert ist. Doch ich freue mich ungemein darüber.

 

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