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Ein feministisches Wunder

Nach furiosem Start in den USA kommt „Wonder Woman“ am 15. Juni in die deutschen Kinos - ein in jeder Hinsicht gelungener Film, auch für Kinogängerinnen, die sonst gar nichts mit dem Superhelden-Genre am Hut haben!

Warner Bros. Amazonen unseres Vertrauens (v.r.n.l.): General Antiope (Robin Wright), Königin Hippolyta (Connie Nielsen), Diana/ Wonder Woman (Gal Galot) und Menalippe (Lisa Loven Kongsli), die in den Comics lesbisch und im Film offensichtlich - aber nicht offiziell - mit Antiope liiert ist

Von Manuela Kay

l-mag.de, 14.6.2017 - Superheldinnen an sich sind ja schon eine tolle Sache. Aber was dieser Film bietet, ist nicht weniger als ein feministisches Manifest. Die Comic-Figur Wonder Woman, die vor 75 Jahren vom US-Amerikaner William Moulton Marston erschaffen wurde, taugt in dieser Verfilmung als Idol, Lesbenschwarm und vor allem als feministische Vorbild-Kämpferin.

Schon der Ursprung der Story ist spannend: denn Wonder Woman-Erfinder Marston, der auch Psychologe war und unter dem Namen Charles Moulton Comics veröffentlichte, lebte mit den beiden Frauen Elizabeth Holloway Marston und Olive Byrne in einer Dreierbeziehung. Für ihn war es also normal, dass Frauen nicht unbedingt ausschließlich heterosexuell sein müssen.

Regie führte eine Frau, das Drehbuch schrieb ein Schwuler

Nun nahm sich der offen schwule Autor Allan Heinberg des Stoffs an und schrieb das Drehbuch für den Film, der ungewöhnlicherweise von einer Frau, nämlich Patty Jenkins (Monster, 2003), verfilmt wurde. Beste Voraussetzungen also für einen Genre-Film der ungewöhnlichen Art.

Dennoch hätte bei so einer aufwändigen und teuren Hollywood-Produktion mit Blick auf Gewinn und Massengeschmack auch viel schiefgehen können.Umso besser, dass Wonder Woman wirklich in jeder, selbst aus lesbisch-feministischer Sicht, gelungen ist.

Auch wenn Gut und Böse relativ simpel angelegt sind – in der zweiten Hälfte spielt der Film während des Ersten Weltkriegs - werden sonst nur wenige Stereotype bemüht. Vor allem die erste Hälfte des langen Epos ist eine lesbische Offenbarung und der Stoff, aus dem Träume sind.

Eine Amazonen-Insel, auf der man gerne leben würde

Auf einer Insel in irgendeinem Ozean außerhalb der realen Welt, leben gescheite, reizende Amazonen unter sich und vertreiben sich die Zeit mit Sport, Kampftraining und... das sieht man leider nicht… Als Zuschauerin möchte man sofort hierher ziehen und wird betrübt, wenn der Film in die harsche Kriegsrealität wechselt. Aber auch hier geht es, wenn auch brutal, ohne viel spritzendes Blut zur Sache und mit einer Heldin, die hitzig, leidenschaftlich und immer erfolgreich das Gute in der Welt verteidigt.

Trailer Die lesbische Schauspielerin Elena Anaya ("Room in Rome", "Die Haut, in der ich wohne") als Superschurkin Dr. Maru

Ok, ihr wird ein britischer Spion, dargestellt von Chris Pine, als Love Interest zur Seite gestellt. Doch der sieht sich brav an, wie Wonder Woman, die überragend von der Israelin Gal Gadot verkörpert wird, alle Feinde aus der Jacke haut und in jeder Hinsicht übernatürlich ist.

Auch für Kinogängerinnen, die so gar nichts mit Superhelden wie Superman, Spiderman und Co am Hut haben, lohnt sich dieser Film, denn man kann in wunderbar animierten und bestens choreografierten Kampfszenen schwelgen und weibliche Muskel- und Geisteskraft genießen, die Lust macht, sofort eine Ausbildung als Amazone anzufangen.

Wonder Woman (USA 2017), Regie: Patty Jenkins, Buch: Allan Heinberg, mit Gal Gadot, Robin Wright, Connie Nielsen, Elena Anaya, Chris Pine u.a., 141 min. - ab 15. Juni im Kino

Ab 14. Juni, 11 Uhr: Gewinnt 5x2 Freitickets für Wonder Woman (bundesweit einlösbar) auf unserer Verlosungsseite!

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