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„Einfach nur eine Lesbe in den Vorstand zu wählen, verändert die Strukturen nicht“

Um für mehr Sichtbarkeit und Teilhabe von Lesben zu sorgen, wurde in Berlin das neue, senatsgeförderte Projekt „Lesbisch*. Sichtbar. Berlin“ gegründet. Wir sprachen mit Projektleiterin Stephanie Kuhnen.

Stephanie Kuhnen

Von Hannah Geiger

28.2.19 - Nach einem ereignisreichen Jahr für lesbische Sichtbarkeit in Berlin hat sich im Oktober 2018 ein neues, senatsgefördertes Projekt zum Thema gegründet. „Lesbisch*.Sichtbar. Berlin“ ist ein Projekt der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS) unter der Trägerschaft der lesbischen Initiative Rad und Tat (RuT).

Ziel: Das Problem der strukturellen Benachteiligung von Lesben* in der Hauptstadt zu untersuchen und konkret anzugehen. Die Projektleitung hat die Journalistin Stephanie Kuhnen übernommen, die 2017 das viel diskutierte Buch „Lesben raus! Für mehr lesbische Sichtbarkeit“ veröffentlichte (und bis 2014 Chefredakteurin der L-MAG war).

Stephanie, was genau ist Lesbisch*.Sichtbar.Berlin? Es ist ein Strukturprojekt, das aus dem Preis für lesbische Sichtbarkeit entstanden ist, genauer aus Fragestellungen, die der Preis hervorgebracht hat. Es geht vor allem darum, wie Maßnahmen entwickelt und Strukturen verändert werden können, um aus lesbischer Sichtbarkeit lesbische Teilhabe zu machen. Einfach nur eine Lesbe in den Vorstand zu wählen, verändert die Strukturen nicht. Ein weiteres Ziel ist die Vernetzung von lesbischen Initiativen und verschiedenen L-Communitys in Berlin sowie das Schaffen von Allianzen insbesondere mit den schwulen und trans* Communitys in der Stadt.

Was genau habt ihr für dieses Jahr geplant? Wir gründen einen Fachbeirat, organisieren Veranstaltungen und führen Gespräche mit unterschiedlichen Akteur*innen der Communitys und aktivistischen Zusammenhängen. Das Ergebnis ist eine beratende Handreichung an den Senat mit Vorschlägen zur Verbesserung lesbischer* Sichtbarkeiten in Berlin.

Wie wollt ihr Intersektionalität in dieses Projekt einbringen? Durch die Vielzahl der angesprochenen Personen werden verschiedene Expertisen miteinbezogen. Unterschiedliche Positionierungen bedeuten auch diverse Bedarfe. Zum Beispiel von Projekten mit unterschiedlichen Peer-Gruppen, wie der Lesbenberatung, LesMigras, LesLeFam und RuT. Jedes Projekt hat eine eigene Perspektive auf das Thema lesbische* Sichtbarkeiten, denn Lesben sind ja keine homogene Gruppe. Lesbisch ist ein dynamischer Begriff und eine sehr vielfältige Identität. Wir sprechen eher von einer Lebensform. Auch der Fachbeirat ist sehr divers aufgestellt. Bei dem Träger, also dem RuT, gibt es Inklusionsprojekte und ein Disability-Projekt und durch das Jugendprojekt Lambda wird die Kategorie Alter berücksichtigt.

Seit einiger Zeit tut sich viel zu lesbischer Sichtbarkeit in Berlin. Wie kommt das? Das ist meiner Meinung nach das Ergebnis jahrelange Vorarbeit und hat auch damit zu tun, dass es nach wie vor ein großes Begehren nach Community gibt, obwohl wir in einer Gesellschaft leben, die sich immer weiter in Richtung Individualisierung entwickelt. Außerdem haben wir heute mehrere Generationen von Lesben* mit unterschiedlichen Selbstbezeichnungen, die offen leben. Es gibt ganz andere Bewegungen und auch eine Form von Erneuerung und Innovationsgeist.

Mehr Infos auf lesbisch-sichtbar.berlin (Webseite im Aufbau)

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