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Endlich: Der DFB interessiert sich für Frauenfußball

Gestern wurde Steffi Jones als Bundestrainerin entlassen. Das kann eine Chance für die überfällige Professionalisierung des Frauenfußballs sein, meint L-MAG-Fußballexpertin Uta Zorn. Ein Kommentar.

Uta Zorn

Von Uta Zorn

14.3.18 - Jahrelang war der Frauenfußball für den DFB ein Selbstläufer, man musste nicht viel tun, konnte sich aber mit den Erfolgen der weiblichen Seite des Fußballs imageförderlich schmücken. Erst als im letzten Jahr nicht nur der Erfolg bei EM ausblieb, sondern auch durch die historische Niederlage im Qualifikationsspiel gegen Island die WM-Teilnahme in Gefahr geriet, wurden die Verantwortlichen des Verbandes aufmerksam. Jetzt erst wurden Beobachter losgeschickt, um die Arbeit der Frauennationalmannschaft zu beurteilen. Im Männerbereich ist das schon in der Jugend selbstverständlich.

Nach dem unterirdischen Auftreten beim SheBelieves-Cup in den USA und der intensiven Beobachtung und Analyse durch Experten wurde die Reißleine gezogen und Steffi Jones rausgeschmissen.

Auf die Probleme war der DFB offenbar nicht vorbereitet

Mittlerweile hat der DFB festgestellt, dass auch die Besetzung der Stelle einer Bundestrainerin im Frauenfußball sorgfältig erfolgen sollte. Um den Nachwuchs an der Seitenlinie musste man sich ja auch Jahrzehnte keine Gedanken machen, es gab ja immer eine Co-Trainerin, die ganz selbstverständlich das Amt des Vorgängers übernahm. Oder eben eine verdiente Steffi Jones, das Gesicht des deutschen Frauenfußballs - sie wird das schon machen.

Nun wird mit dem langjährigen Juniorentrainer Horst Hrubesch erst mal eine Übergangslösung installiert, um Zeit zu haben, eine geeignete Person zu finden. Anscheinend war man beim DFB nicht darauf vorbereitet, dass es in der Vorzeigeabteilung Frauenfußball schon seit längerem Probleme gibt.

Vorsprung vor anderen Nationen schon länger geschrumpft

Der Europameistertitel 2013 und auch der Olympiasieg von 2016 täuschten darüber hinweg, dass sich Deutschlands Vorsprung vor anderen Nationen von Turnier zu Turnier verkleinerte. Technisch waren schon bei der Heim-WM 2011 die Japanerinnen weit überlegen, und taktisch war die Zeit unter Silvia Neid nicht von Varianz geprägt. Die Leistungen bei den letzten Titelgewinnen waren fußballerisch auch kein Leckerbissen.

Steffi Jones trat an, um genau das zu ändern. Ihre Versuche der taktischen Neuausrichtung scheiterten, nicht zuletzt auch an den ständigen, nicht nachvollziehbaren Personalwechseln. Das mag an ihrer fehlenden Erfahrung als Trainerin gelegen haben, aber wer sie für die immer deutlicher werdenden Mängel im deutschen Frauenfußball verantwortlich machen will, greift daneben.

Wenn der Rausschmiss von Jones ein Zeichen dafür ist, dass der DFB jetzt bereit ist, sich ernsthaft mit dem Frauenfußball auseinander zu setzen, also die Strukturen zu verbessern und von der Jugendarbeit bis zur Trainerausbildung professionelles Arbeiten zu ermöglichen, dann hat Steffi Jones mit ihrem Scheitern vielleicht viel mehr für den Frauenfußball getan, als ein paar Titel einzusammeln.

Mehr Informationen und Analysen zum Frauenfußball findet ihr auf Uta Zorns Webseite Cornerkick.

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