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Energisch und engagiert: Bogotá hat eine lesbische Bürgermeisterin

In Kolumbiens Hauptstadt wurde eine lesbische Politikerin zur Bürgermeisterin gewählt. Für Claudia López, die mit ihrer Lebensgefährtin gegen Korruption und für LGBTQ-Rechte kämpft, nur der nächste Schritt zu ihrem Ziel: Sie will Präsidentin werden.

Von Karin Schupp

31.10.2019 - Sie ist eine Frau, links und lesbisch: Dass Claudia López zur Bürgermeisterin der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá gewählt wurde, ist eine kleine Sensation und ein großer Schritt für Frauen und die LGBTQ-Community in dem südamerikanischen Staat. Zumal der Posten als zweitwichtigstes politisches Amt Kolumbiens und Durchlauferhitzer für künftige Präsent:innen gilt – und das ist auch López‘ erklärtes Ziel.

Am letzten Sonntag setzte sie sich mit ihrem Versprechen, gegen Korruption, Gewalt und die Luftverschmutzung in der Stadt vorzugehen und für eine Verbesserung des Bildungssystems, des öffentlichen Nahverkehrs und der Rechte von Minderheiten zu sorgen, mit rund 35 Prozent der Stimmen durch.

„Heute ist der Tag der Frauen“

„Heute ist der Tag der Frauen. Wir wussten, das wir nur gewinnen können, wenn wir uns zusammenschließen. Das haben wir getan, haben gewonnen und Geschichte geschrieben!“, rief die energische 49-Jährige, die bisher Abgeordnete im kolumbianischen Parlament war, ihren Fans zu und schenkte ihrer Lebensgefährtin Angélica Lozano einen innigen Kuss.

Renata Segura/ TwitterClaudia López (r.) und Angélica Lozano nach dem Wahlsieg

Die studierte Politikwissenschaftlerin engagiert sich schon lange gegen Korruption und war als investigative Journalistin an der Aufdeckung von Verbindungen diverser Politiker mit der rechten paramilitärischen Terrorgruppe AUC beteiligt – ein Skandal, der für einige Beteiligte im Gefängnis endete. Alle Gerichtsverfahren, die damals gegen sie angestrengt wurden, gewann sie, aber 2013 verließ sie aus Sicherheitsgründen für einige Zeit das Land, bis heute hat sie Personenschutz.

Erst vor fünf Jahren ging López in die Politik, wurde Abgeordnete für die gemäßigt linke Partei Alianza Verde (= Grüne Allianz) und wollte schon zur Präsidentschaftswahl 2018 als Kandidatin antreten, nominiert wurde sie von ihrer Partei aber nur als Vize (der Kandidat landete auf Platz 3).

Auch López' Lebensgefährtin sitzt im Parlament

An ihrer Seite kämpft López‘ Lebensgefährtin Angélica Lozano, eine Anwältin und LGBTQ-Aktivistin, die ebenfalls für die Alianz Verde im Parlament sitzt, was einen homophoben evangelikalen Abgeordneten 2014 zu einer Klage veranlasste: Eine (vermutlich zuvor selten angewandte) Klausel der kolumbianischen Verfassung verbietet es nämlich, dass ein Paar gemeinsam einer Fraktion angehört.

Der Vorwurf wurde allerdings fallen gelassen, nachdem Lozano und López ironischerweise die rückschrittliche Politik ihres Landes nutzten: Sie machten geltend, dass der Paragraf nicht für gleichgeschlechtliche Paare gelte, solange das Land die gleichgeschlechtlichen Ehe verbietet (erst 2016 wurde die Ehe geöffnet).

López ist zwar nicht die erste offen lesbische Bürgermeisterin der Welt – zurzeit gibt es sie etwa auch in den US-Großstädten Chicago, Salt Lake City, Seattle und Tampa -, aber keine regiert so eine große Metropole wie sie: Bogotá hat 7,86 Mio. Einwohner:innen.

 

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