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Erst jubeln, dann mäkeln

Zu spät? Zu wenig schwul? Freut Euch lieber über das Coming-Out von Hitzlsperger! Ein Kommentar von Malte Göbel

Thomas Hitzlsperger bei der Meisterschaftsfeier 2007 mit dem VfB Stuttgart c: Stefan Baudy / flickr.com

l-mag.de 12.1. - Die ersten 24 Stunden nach seinem Coming-Out scheint ganz Deutschland Thomas Hitzlsperger zuzujubeln. Dann wird es verlogen. Anstatt sich zu freuen, mäkeln alle herum.

Hitzlsperger habe zu lang gewartet mit seinem Coming-Out: Das bemängelten Heterosexuelle wie der Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds, Michael Vesper, und der Autor eines Kommentars auf stern.de, aber auch viele Kritiker aus der Homo-Community: Wenn sich Hitzlsperger früher geoutet hätte, wäre der Effekt größer gewesen.

Stimmt ja auch: Ein aktiver Fußballer, der sein Coming-Out hat, macht mehr Eindruck als ein Ehemaliger. Aber ist das Hitzlsperger anzulasten? Da sollte man sich eher freuen, dass er überhaupt das Eis gebrochen hat. Genau so jemanden hat man sich ja jahrelang gewünscht: Prominent (Ex-Nationalspieler), bekannt, klug, offen, sympathisch. Und es ist klar, dass die Öffnung des Männer-Fußballs für die Akzeptanz schwuler Spieler schrittweise gehen muss. Das war ein großer erster Schritt.

Hitzlsperger sei zu wenig schwul: Gerade aus der Homo-Community wird gemäkelt, dass Hitzlsperger immer wieder „homosexuell“ sagt, verschwurbelt „mit einem Mann zusammenleben“ möchte, anstatt die einfachen Worte zu sagen „Ich bin schwul“. Ist nicht so schlimm. Das hat dann die Bild-Zeitung für ihn übernommen.

Wegen Hitzlsperger muss das Adoptionsrecht eingeführt werden. Das forderten auch viele: Wenn sich die Bundesregierung schon verklausuliert freut (Regierungssprecher Seibert), sollte sie doch auch endlich die Homo-Partnerschaft der Ehe gleichstellen. Stimmt zwar, das ist überfällig. Aber der Kausalzusammenhang zu Hitzlsperger fehlt. Ihm persönlich ging es um größere Zusammenhänge: die Verfolgung von Homosexuellen in Russland etwa.

Und die Frauen? Nationalspielerin Steffi Jones verpartnert sich mit ihrer Freundin. Den meisten Zeitungen ist das eine Mini-Nachricht wert, ähnlich wie bei den Hochzeiten von Philipp Lahm oder Thomas Müller. Damit lebt der Frauenfußball eine Normalität vor, die man dem Männerfußball auch wünschen würde. 

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