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„Father Mother Sister Brother“: Familienaufstellung in drei Episoden

In Jim Jarmuschs Episodenfilm „Father Mother Sister Brother“ sind mit Cate Blanchett, Vicky Krieps, Charlotte Rampling und trans Schauspielerin Indya Moore vier Stars mit queerer Fangemeinde zu sehen (Kinostart: 26. Feb.).

Weltkino Vicky Krieps, Cate Blanchett und Charlotte Rampling (v.l.n.r.) in der Episode „Mother“

Von Frank Hermann

25.2.2026 - Vom Meister der Lakonie, Jim Jarmusch, kommt eine Art Familienaufstellung in drei Episoden: Father Mother Sister Brother. Beim Filmfestival in Venedig gab es dafür im letzten Jahr den Goldenen Löwen.

In drei Episoden, die allesamt hochkarätig besetzt sind, zeigt Jarmusch Einblicke in mehr oder minder dyfunktionale Familien. Die Dialoge sind teils schleppend, aber offenbaren gerade durch das Ungesagte die tiefer liegenden Konflikte. New Jersey, Dublin und Paris sind die Schauplätze der drei Storys.

In FATHER mit Tom Waits (großartig!) in der Titelrolle kommen seine Kinder Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) zu einem Verlegenheitsbesuch. Irgendwo in the Middle of Nowhere haust der Alte, etwas verlottert und scheinbar nicht gut betucht. Schön die ungelenke Begrüßung der Kinder mit überzogenen Komplimenten offenbart die eigentliche Sprachlosigkeit, die in der Familie herrscht. Beim Tee schließlich wird auf Jeffs Scheidung und Emilys Kinder angestoßen und dann sind Vaters Kinder auch schon wieder weg, erleichtert, dass es vorbei ist. Und der Alte kehrt zur Routine zurück, die gar nicht mittellos und verlottert ist...

Die unangepasste Lilith führt ein ungeoutetes lesbisches Leben

In einer gesichtslosen Gegend von Dublin spielt MUTTER. Zu ihr, von Charlotte Rampling unterkühlt und extra dry verkörpert, kommen ihre Töchter zu Besuch. Dieser findet nur einmal jährlich statt, man ahnt bald, warum. Timothea (Carol-Star Cate Blanchett in ungewöhnlich graumausiger Aufmachung, aber sichtlich spielfreudig) und Lilith (Vicky Krieps, energetisch zurückgenommen, aber effektiv) sind beide nicht sonderlich erfolgreich, während ihre Mutter Bücher in Serie veröffentlicht.

Die drei Frauen liefern sich Wortgefechte mit gebremsten Schaum, bei denen manch gezückte Klinge durchscheint. Lilith, die Unangepasstere, führt bei aller rebellischen Grundgesinnung ein ungeoutetes lesbisches Leben. Ihre Freundin jedenfalls muss sie in einiger Entfernung vom mütterlichen Wohnsitz als quasi Uber-Taxlerin auf den Rücksitz wechseln lassen. Ein ungewöhnliches Rollenbild für Vicky Krieps, die in Hot Milk (L-MAG-Filmkritik) und Love Me Tender (Kinostart: 7. Mai) sehr munter und offen queer auftritt.

Weltkino Indya Moore in der Episode „Sister Brother“

Die Geschwister entdecken Geheimnisse ihrer verstorbenen Eltern

In der dritten Episode SISTER BROTHER geht es um die Zwillingsgeschwister Skye, gespielt von der trans Schauspielerin Indya Moore (Pose), und Billy (Luka Sabbat). Sie haben den Unfalltod ihrer Eltern zu verkraften und entdecken in der geräumter Pariser Wohnung bei der Sichtung alter Unterlagen neue Informationen über das Leben der Verstorbenen.

Die Kinder verstehen sich sehr gut und vertrauen sich blindlings, diese Geheimnisse bringen sie nicht aus dem Takt. Dieser Teil des Films ist auch der versöhnlichste und emotionalste.

Nach Jarmusch-Style sind ein paar in allen Episoden wiederkehrende Motive eingebaut. Drei Skater gleiten jedes Mal durchs Bild, Wasser, eine Rolex, rote Farbakzente in der Kleidung der Protagonist:innen... Den Rest mag die Kinobesucherin selbst herausfinden.

Father Mother Sister Brother, USA 2025, Regie/Buch: Jim Jarmusch, 110 min., Kinostart: 26. Feb. 2026

 

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