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Das Leben ist nichts für Feiglinge

Die improvisierte Tragikomödie „Das Floß!“ von Julia C. Kaiser zeichnet das Bild eines lesbischen Paares mit Kinderwunsch kurz vor der Hochzeit. Das ist dramatisch und zugleich hoch amüsant. Jetzt auf DVD und bei Streamingdiensten.

Salzgeber Katha (Julia Becker, l.) und Jana (Anna König)

Von Isabel Lerch

l-mag.de, 14.8.2016 - Jana (Anna König) und Katha (Julia Becker) sind glücklich liiert – sie stehen kurz davor zu heiraten, und auch der Samenspender für ihr geplantes Kind ist bereits gefunden. Um ihr einen unvergesslichen Junggesellinnenabschied zu bescheren, hat sich Kathas bester Freund Charly (Till Butterbach) etwas Besonderes ausgedacht: Zusammen mit ihrem Bruder Tobi (Chrisitian Natter) und ihrem Arbeitskollegen Ken (Rhon Diels) soll es Katha in feucht-fröhlicher Männerrunde noch einmal so richtig krachen lassen – auf einem gemütlichen Floß!

Doch anstatt die lesbische Braut entspannt auf ihre Hochzeit einzustimmen, wirbelt der Wochenendausflug auf dem Wasser alles kräftig durcheinander: Denn auch Momo (Jakob Renger), der künftige Samenspender des Paares, wurde von Charly auf die Floß-Tour eingeladen.

Ein Junggesellinnenabschied auf dem Wasser

Das Floß! ist vor allem ein Dialog-Film, der viel zum Nachdenken anregen wird. Statt bildgewaltiger Szenen und cinematografischer Spannung lauscht man hier den Gesprächen einer kleinen intimen Runde von Individuen, die alle ein ganz bestimmtes Verhältnis zueinander haben.

Doch diese Konstellation ist dynamisch und wandelt sich ständig: Da stichelt Kathas bester Freund auf einmal mit spöttischen Kommentaren, der Samenspender mutiert vom Fremden zum netten Kumpel, und eine vergessen geglaubte Leidenschaft lodert wieder auf. Mit diesem Beziehungs-Wirrwarr erinnert der Film zwischenzeitlich an den amerikanischen Streifen The Kids Are All Right, der die Turbulenzen einer bereits bestehenden Regenbogenfamilie thematisiert.

Große Fragen - aber keine belehrenden Antworten

Das Bezaubernde an Das Floß! sind die vielen thematischen Aspekte: Vordergründig geht es zwar um das lesbische Paar und dessen Kinderwunsch. Doch schnell mischen sich darunter Fragen zu gesellschaftlichen Rollenbildern, Beziehungskonventionen und Lebenswegen. An einer Stelle sagt Charly zu Katha: „Ich weiß schon, was du willst. Du willst einfach nur glücklich sein und ein schönes Leben haben.“ Hier ist der Film ganz bei sich: Das Floß! thematisiert nicht weniger als das große Ganze - das Leben. Dummerweise gibt es dafür keine Anleitung. Und im Film auch keine belehrenden Antworten. Genau das macht ihn so sympathisch.

Authentisches Schauspiel, ehrliche Dialoge

Fazit: Das Langfilmdebut von Regisseurin Julia C. Kaiser ist einfühlsames und unterhaltsames Kino zugleich. Das Floß! besticht durch sein authentisches Schauspiel, einen unverstellten Blick und ehrliche, zum Nachdenken anregende Dialoge. Oben drauf gibt es wunderschöne Naturaufnahmen, die die Leichtigkeit des Sommers einfangen. Absolut sehenswert!

Das Floß!, D 2015, Regie: Julia C. Kaiser, Buch: Julia C. Kaiser/ Julia Becker, mit Julia Becker, Anna König u.a., 86 min.

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