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Bloß nicht erwachsen werden!

Jetzt im Kino und in der Queerfilmnacht: In "Ein Date für Mad Mary" sucht die störrische Titelheldin eine Begleitung zu einer Hochzeit - und landet bei einer Frau. Eine berührende Dramödie über Freundschaft, Loyalität und jugendliche Zerrissenheit.

Salzgeber Mary (Seána Kerslake, r.) und Jess (Tara Lee)

Von Hannah Geiger

13.12.2017 - Die Vorgeschichte von „Mad“ Mary McArdle (Seána Kerslake) ist hart. Weil sie einem jungen Mädchen eine Narbe mitten im Gesicht verpasst hat, verbringt sie sechs Monate hinter Gittern. Und nach der Entlassung ist nichts mehr, wie es war. Ihre Mutter hat ihr Zimmer als Abstellkammer genutzt, und ihre besten Freundin Charlene (Charleigh Bailey) steckt mitten in den Hochzeitsvorbereitungen.

In das Spießermilieu, das Charlene sich aufgebaut hat, passt Mary nicht rein. Sie ist rotzig und hat keine Lust auf Angepasstheit. Ihr Motto lautet Dosenbier und Kinnhaken, und noch am Abend ihrer Entlassung fängt sie fast eine Schlägerei an.

Aus Freundschaft wird in einer ausgelassenen Nacht mehr

Um eine stressfreie Hochzeit zu haben, verwehrt die leicht narzisstische Charlene Mary, ein Date zu ihrer Hochzeit mitzubringen. Dem will Mary sich nicht kampflos hingeben und macht sich auf die Suche nach der passenden Begleitung. Bei der Partnersuche werden die Enge der irischen Kleinstadt Drogheda, in der der Film spielt, und das abgelebte Arbeitermilieu, in dem Mary groß geworden ist, deutlich. Ein Kandidat nach dem anderen scheidet aus, und nur durch Zufall lernt Mary die Musikerin Jess (Tara Lee) kennen.

Was erst den Anschein einer Freundschaft hat, wird in einer ausgelassenen Nacht im Hotelzimmer mehr. Die sonst so störrische Mary blüht auf und fühlt sich von der einzelgängerischen Jess verstanden.

Doch auch hier greifen bald wieder alte Muster, und Mary vergrault die selbstbewusste Jess. Der innere Kampf, den Mary sich mit ihren Gefühlen leistet, steht ihr ins Gesicht geschrieben. Seána Kerslake mimt eine so authentische, krisengerüttelte, unerwachsene Mary so überzeugend, dass sie bei den Dublin Film Critics Circle Awards 2016 als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet wurde.

Zwist zwischen Trotz und Angepasstheit

Die Figur Mary steht einerseits für jugendliche Rebellion und andererseits für die Weigerung, Verantwortung für sich selbst und sein Handeln zu übernehmen. Der Zwist zwischen Mary und Charlene ist zugleich ein Zwist zwischen Trotz und Angepasstheit, zwischen Jugend und Erwachsensein, zwischen Veränderung und Stillstand und letztendlich auch zwischen zwei Klassen, denn Charlene will sich durch die Ablehnung von Mary auch von ihrem Herkunftsmilieu absetzen.

Man schwankt zwischen Mitgefühl für Mary und Wut über ihre unverschämte Art, mit der sie die Menschen in ihrem Leben immer wieder verprellt. Je mehr sie etwas will, desto mehr tut sie dafür, dass es sich von ihr entfernt. Obwohl es scheint, als sei Jess der perfekte Ausweg aus Marys selbstzerstörerischen Verhalten, kommt die Liebesgeschichte zwischen den zwei Frauen etwas zu kurz.

Der Film von Darren Thornton gibt einen glaubwürdigen Einblick in das heutige Irland, und wer den Film auf Englisch schaut, kann den weichen irischen Akzent genießen. Ein Date für Mad Mary ist eine berührende Dramödie über die Wichtigkeit von Freundschaft, Loyalität und jugendlicher Zerrissenheit und endet mit einer schönen Moral: Wer sich selbst ernst nimmt, kann lernen, sanft zu sich selbst zu sein.

Ein Date für Mad Mary, IRL 2016, Regie: Darren Thornton, mit Seána Kerslake, Charleigh Bailey, Tara Lee u.a., 82 min., OmU, in der Queerfilmnacht  (bis Ende Dezember noch in 19 Städten), ab 14. Dez. im Kino (Termine)

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