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Film „Zwischen Sommer und Herbst“: Eine holprige Liebesgeschichte

In „Zwischen Sommer und Herbst“ verliebt sich eine 17-Jährige in die Freundin ihres Bruders – kein Coming Out-Drama, sondern eine Liebe über mehrere Etappen, in der sich beide Frauen ständig selbst im Weg stehen. Jetzt bundesweit in der Queerfilmnacht.

Edition Salzgeber Lena (Linn Reuse) und Eva (Isabel Thierauch)

Von Karin Schupp

09.07.2018 - Alle mögen Eva – nicht nur Jonas, der sich auf einer Uni-Party in sie verliebt hat, sondern auch sein Vater und vor allem seine jüngere Schwester Lena (Linn Reuse). Schon bald geht die Studentin (Isabel Thierauch) im gemütlichen Haus der Familie ein und aus und befreundet sich immer enger mit der 17-Jährigen, während Jonas (Hannes Sell) nach und nach aus dem Bild rückt. Als aber Eva plötzlich Lena küsst, wird alles anders…

Ihrem Glück stehen nur zwei Dinge im Weg

Zwischen Sommer und Herbst, der in Bielefeld und Umgebung gedreht wurde, ist kein Coming Out-Drama (das Thema sexuelle Identität spielt sogar überhaupt keine Rolle), und auch von außen droht kein Ungemach. Nein, ihrem Glück stehen nur zwei Dinge im Weg: Evas destruktives Beziehungsverhalten und Lenas hilflose Passivität.

Und so erzählt der Film nicht etwa – wie es der Titel suggeriert - eine kurze Romanze über zwei Jahreszeiten, sondern eine holprige Liebesgeschichte, die sich über zwei Jahre und mehrere Etappen erstreckt, in denen sich die beiden anziehen und wegstoßen, bis sie endlich beide zur selben Zeit wissen, was sie wirklich wollen.

Keine schmalzige Lovestory, aber auch wenig emotionale Tiefe

Regisseur David Manns, der auch das Drehbuch schrieb, erzählt keine schmalzige Lovestory, auch wenn er nicht ohne einige gut abgehangene Klischees wie die weggepustete Wimper („Du hast da was…“) auskommt - aber auch in realen Liebesgeschichten gibt’s ja nun mal solche Kitsch-Momente. Leider fehlt es stattdessen an emotionaler Tiefe, weil es schwer fällt, an den beiden Hauptfiguren wirklich anzudocken.

Dass Eva mit ihrem irritierendem Verhalten nicht nur Lena, sondern auch das Publikum auf Distanz hält, wurde ihr ja so ins Drehbuch geschrieben. Aber was in ihr vorgeht, lässt sich zumindest erahnen, während einem die eigentliche Hauptfigur Lena merkwürdig fremd bleibt. Zu still und introvertiert ist sie, man erfährt nur wenig über sie - dass sie ein Sprachgenie ist und offenbar noch nie eine Beziehung hatte - und ihre Gefühle für Eva bleiben bis zu einem Gespräch mit dem allzu verständnisvollen Vater (Thomas Wolff) im zweiten Drittel des Films völlig unklar.

Während die Story also ein wenig blutleer daherkommt, sieht man dem Low Budget-Film, der zum Teil per Crowdfunding finanziert wurde (damals – 2013 - sollten noch Liv Lisa Fries und Jördis Richter, die inzwischen als Schauspielerinnen durchstarteten, die Hauptrollen spielen), sein schmales Budget nicht an.

Zwischen Sommer und Herbst könnte durchaus montags im ZDF oder mittwochs im Ersten laufen, aber das tut er nun mal nicht, weil die TV-Sender sich nach wie vor nicht an homosexuelle Stoffe trauen. Einen Ersatz – zumal in kleineren Städten – bietet zumindest einmal im Monat die Queerfilmnacht. Hier läuft Zwischen Sommer und Herbst im Juli noch in knapp 30 Städten.

Zwischen Sommer und Herbst (D, 2017), Buch/ Regie: Daniel Manns, mit Linn Reusse, Isabel Thierauch u.a., 96 min., alle Orte/ Termine im Juli

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