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Filmtipp „I, Olga“: Lesbische Außenseiterin, Mörderin ohne Hoffnung

Das tschechische Drama „I, Olga“ erzählt die wahre Geschichte von Olga Hepnarová, einer jungen Lesbe, für die es keinen Platz auf der Welt gab und die nur im Töten einen Ausweg fand. Ein Film, der Gänsehaut macht.

Filmokratie Seltene Minuten des Glücks für Olga (Michalina Olszańska, l.)

Von Manuela Kay

30.10.2018 - Kein Film für schwache Nerven ist das intensive und düstere Drama Ich, Olga, das auf einer wahren Geschichte basiert.

Am 10. Juli 1973 fährt in Prag die junge Kraftwagenfahrerin Olga Hepnarová mit ihrem LKW in eine Gruppe Passantinnen und Passanten an einer Straßenbahnhaltestelle. Acht von ihnen sterben bei diesem Vorfall.

Im Anschluss lässt sich die Fahrerin anstandslos festnehmen und bekennt sich zur Tat. Und: Sie fordert für sich die Todesstrafe. Die Schuld an allem gibt sie einer feindseligen, gefühlskalten Gesellschaft, in der sie erniedrigt und gedemütigt und somit zu dieser Tat gebracht wurde. Bereits vorher erklärt sie: „Ich weiß, dass ich eine Psychopathin bin. Aber eines Tages werdet ihr für euer Gelächter und meine Tränen bezahlen.“ Was ist geschehen?

Als Olga ihre Liebe für Frauen entdeckt, wird es noch schwieriger

Olga ist ein spezielles, sehr introvertiertes und beinahe autistisches Mädchen. Ihre dominante und verständnislose Mutter schikaniert sie und agiert komplett gefühllos ihrer Tochter gegenüber, auch nach deren Selbstmordversuchen.

Als Olga ihre Liebe für Frauen und ihren Spaß am Sex mit ihnen entdeckt, wird die Lage noch schwieriger. Olga, der man heutzutage wahrscheinlich Schizophrenie attestieren würde, geht langsam, aber sicher unter in ihrem unbewältigbar scheinenden Gefühlschaos. Sie ist unangepasst und ein Sonderling, der in der miefigen sozialistischen Gesellschaft der damals tristen und unfreien Tschechoslowakei keinen Platz findet.

Die letzte Frau, die in der Tschechoslowakei hingerichtet wurde

Dabei ist die kettenrauchende Olga auch eine toughe Frau und auf ihre spezielle Art witzig. Nur gibt es für sie keinen Platz auf der Welt. Nach der Mordattacke endet das Leben der Olga Hepnarová dramatisch: Sie wurde am 12. März 1975 erhängt und war die letzte Frau, bei der in der CSSR die Todesstrafe vollzogen wurde.

Dies alles wird in passenden, kargen Schwarz-Weiß-Bildern ohne Musik erzählt. Die Darstellung der Olga durch Michalina Olszańska (sie spielte Pola Negri in der ARD-Serie Krieg der Träume) lässt geradezu Gänsehaut entstehen in ihrer Intensität und dem so einprägsam verkörperten Außenseitertum dieser jungen, hoffnungslosen Frau.

Absolut kein Feelgood-Film, aber einer, den man nicht so schnell vergisst. Eine Frau wie Olga Hepnarová hätte es auch heute schwer, dennoch wäre ihre Lage nicht so aussichtslos wie noch in 70er Jahren, was einem ja fast wieder Hoffnung macht.

I, Olga (Tschechien 2016), Buch/ Regie: Tomáš Weinreb/ Petr Kazda, mit Michalina Olszańska, Martin Pechlát, Klára Melíšková, u. a., 106 Min., Tschechisch mit engl. UT

Im Kino: Ab 1. Nov. in Berlin (Brotfabrik), ab 22. Nov. in Leipzig, weitere Termine auf der Facebook-Seite des Films

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