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Filmtipp „Little Trouble Girls“: Verträumter Coming-of-Age-Film mit Lesbenfaktor

In „Little Trouble Girls“ (Kinostart: 29. Jan.) entdeckt die 16-jährige Lucia ihren Körper und ihre Sexualität – ausgerechnet in einem Kloster. Das Probenwochenende mit ihrem Schulchor nimmt mehr als nur eine ungeahnte Wendung.

Grandfilm

Von Saskia Balser

26.2.2026 - Als Little Trouble Girls im Rahmen der 75. Berlinale im vergangenen Jahr seine Weltpremiere feierte, hatte der Film bereits einen Preis im Gepäck: den TitraFilm Award für das beste in Arbeit befindliche Projekt. In Berlin folgte der FIPRESCI-Preis in der Kategorie „Perspectives“. Im März ging der queere Coming-of-Age-Film zudem als slowenischer Kandidat in der Kategorie „Bester internationaler Film“ bei den Oscars ins Rennen (wurde aber nicht nominiert). Doch was macht ihn gleichermaßen zum Kritiker:innen- wie zum Publikumsliebling?

Nach einer Reihe von Kurzfilmen ist Little Trouble Girls der erste Spielfilm der Regisseurin Urška Djukić. Die Slowenin erzählt die Geschichte der 16-jährigen Lucija (Jara Sofija Ostan), die mit ihrem Schulchor ein Probenwochenende in einem Kloster verbringt – und ihrer Mitschülerin Ana-Marija (Mina Švajger) trotz innerer Widerstände immer näherkommt.

Rote Lippen und erste Blicke

Schon zu Beginn des Films deutet sich eine besondere Verbindung zwischen den beiden Mädchen an. Lucija ist völlig fasziniert, als sie Ana-Marija zum ersten Mal singen hört, und kann kaum den Blick von ihren roten Lippen abwenden. Liegt es am Lippenstift – den ihre Mutter ihr streng verboten hat, in der Schule zu tragen –, an ihrer eindrucksvollen Stimme oder vielleicht doch an der Art, wie sich ihre Lippen beim Singen bewegen?

Diesen Gedanken will Lucija zunächst nicht zulassen. Kein Wunder: Sie ist streng katholisch erzogen worden. Als sie nachts mit ihrer Mutter gemeinsam einen Film schaut und eine Sexszene beginnt, schaltet diese wortlos zu einem anderen Sender.

Doch im echten Leben lässt sich nichts einfach ausblenden. Ihr langsam aufkeimendes Begehren kann Lucija nicht unterdrücken. Auch während des Probenwochenendes bleibt ihr Blick immer wieder an Körpern hängen – an dem eines unbekannten Mannes, der nackt im Fluss badet, an einem Bauarbeiter, der bei den Renovierungsarbeiten am Kloster ins Schwitzen gerät, oder an Ana-Marijas Körper, die nachts unter ihr im Etagenbett liegt.

Tagträume im Kloster

Lucija verliert sich immer wieder in Tagträumen. Der slowenische Originaltitel „Kaj ti je deklica“ lässt sich mit „Was ist mit dir, Mädchen?“ übersetzen – eine Frage, die sich nicht nur Lucijas Klassenkameradinnen stellen, sondern auch die Zuschauer:innen. Denn wenn Lucija träumt, hört sie nichts und niemanden mehr um sich herum. Sie taucht ab in ihre eigene Welt. Dieses Träumerische übersetzt der Film in Detailaufnahmen, feines Hintergrundrauschen und eine sanft anschwellende Tonspur.

Die Entdeckung der eigenen Sexualität kann verwirrend sein – besonders in einem Umfeld, das von Verboten und Gehorsam geprägt ist. Als sich Lucija und Ana-Marija küssen, fragt Lucija deshalb sofort, ob das, was sie getan haben, eine Sünde gewesen sei. Um sich zu „reinigen“, isst sie hastig eine saure Traube, die sie angeblich von ihrer Schuld befreit.

Der Film nimmt sich Zeit, Lucijas widersprüchliche Gefühle und inneren Ambivalenzen auszuloten. Auch wenn der Plot eher schlicht ist – die Mädchen verbringen ein Wochenende im Kloster, reden über Jungs, schwärmen für Bauarbeiter und füreinander –, fehlt es Little Trouble Girls nicht an Tiefe. Er ist ein stilles und zugleich kraftvolles Porträt eines jungen Mädchens auf dem Weg zur sexuellen Selbsterkenntnis. Und nicht zuletzt machen die Gesangseinlagen des slowenischen Mädchenchors den Film auch auf akustischer Ebene zu einem Highlight.

Little Trouble Girls, Regie: Urška Djukić, Drehbuch: Urška Djukić, Marina Gumzi, mit Besetzung: Jara Sofija Ostan, Mina Švajger u.a, 90 min., Kinostart: 29. Januar 2026

 

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