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Filmtipp „Mom + Mom“: Regenbogenfamilie auf Italienisch

Lesben mit Kinderwunsch haben es im konservativen Italien schwer. Karole Di Tommaso verarbeitet in ihrem Spielfilm „Mom + Mom“ ihre eigenen Erlebnisse und zeigt ein Paar, das sich trotz allem nicht unterkriegen lässt. Jetzt im Kino und bald auf DVD.

Pro-Fun Media Ali (Maria Roveran) und Karole (Linda Caridi)

Von Paula Lochte

4.3.2020 - Rom, Altbauwohnung, Küsse unter dem Bettlaken. Es könnte ein schöner Morgen für die beiden Frauen werden. Wäre da nicht die schrille Türklingel und das Klappbett in der Ecke, auf dem ihr Mitbewohner schnarcht. Die drei teilen sich das Schlafzimmer, um den anderen Raum an Airbnb-Touristen zu vermieten. Nun klingeln die ersten Gäste. Kein Morgensex also. Dafür Geld für den guten Zweck.

Das lesbische Pärchen wünscht sich ein Kind; und das ist teuer. In Italien dürfen nur Heteropaare Kinder adoptieren und sich künstlich befruchten lassen. Deshalb reisen Karole (Linda Caridi) und ihre Freundin Ali (Maria Roveran) nach Barcelona. Über tausend Euro kostet die Behandlung, die immer wieder scheitert. Erst nehmen die beiden das Flugzeug, später die Fähre und den billigen Nachtbus.

„Ich will eine Familie mit dir, weil du bist, wer du bist“

Jeder Versuch strapaziert Konto und Nerven. „Warum willst du mit mir ein Kind?“, fragt Karole weinend, nachdem Ali wieder ihre Periode bekommen hat. „Mit mir ist alles schwieriger.“ Ali hebt das Kinn ihrer Freundin und küsst ihre Stirn. „Ich will eine Familie mit dir, weil du bist, wer du bist.“

Der Film zeigt ein Paar, das sich trotz allem nicht unterkriegen lässt – weder von homofeindlichen Sitznachbarn im Bus, noch von reaktionären Priestern oder der horrenden Kreditkartenrechnung. Das Scheitern und Hoffen treibt die beiden Frauen nicht auseinander, sondern zusammen. Darin unterscheidet sich Mom + Mom von seinem deutschen Pendant Zwei Mütter (2013).

Warme Farben, Slapstick, surreale Szenen – und einige Längen

Auch ist der italienische Film viel fröhlicher: gedreht in leuchtend warmen Farben, voller Slapstick und surrealer Sequenzen, in denen die Träume und Alpträume der Hauptfigur Karole zu sehen sind. Eine ausgetrocknete Landschaft zum Beispiel, in der Karole von zwei Omis die Handynummer der heiligen Mutter Gottes ergattert.

Im Kino und auf DVD hat der Film deutsche Untertitel!

 

Spätestens beim dritten Traum wünscht man sich jedoch, die eigentliche Handlung würde weitergehen. Das liegt auch daran, dass der Film ermüdend langsam erzählt ist. Auf Situationskomik und berührend zärtliche Szenen zwischen den beiden Frauen (oder auch zwischen Karole und ihrer Mutter) folgen immer wieder Landschaftsaufnahmen, Bilder eines süditalienischen Dorfes und noch mehr Landschaftsaufnahmen.

Endlich ein Film-Frauenpaar, das nicht am Kinderwunsch zerbricht

Gleichzeitig macht Mom + Mom vieles richtig. Endlich sehen wir ein Film-Frauenpaar, das nicht am Kinderwunsch zerbricht oder auf einmal unbedingt Sex mit einem Mann haben muss, um an Sperma zu kommen. Der Film zeigt zwei sich liebende Frauen, die liebende Eltern werden wollen, und kämpft dadurch gegen gesellschaftliche Vorurteile.

Dass das immer noch nötig ist, zeigt die Kontroverse, die der Film in Italien ausgelöst hat. Unter anderem das Kulturministerium hatte den Film gefördert, wogegen die rechte Zeitung La Verità Stimmung machte. Regisseurin Karole Di Tommaso entgegnete: „Wegen des Themas keinen Zugang zu öffentlicher Förderung zu haben, wäre diskriminierend.“

Di Tommaso, die auch das Drehbuch schrieb, trägt denselben Vornamen wie ihre Hauptfigur. Kein Zufall, denn die Geschichte ist von ihren eigenen Erlebnissen inspiriert. Der Film ist eine Liebeserklärung. Er beginnt mit einer Widmung: „Für meinen Sohn Leon und natürlich meine Frau Alessia.“

Mom + Mom, Italien 2018, Regie: Karole Di Tommaso; Drehbuch: Karole Di Tommaso & Chiara Ridolfi; mit Linda Caridi, Maria Roveran u.a.; 81 Minuten; Italienisch mit deutschen Untertiteln; ab 27. Februar im Kino, ab 27. März auf DVD/ Video on Demand

 

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