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Filmtipp „Rafiki“ – Gegen alle Widerstände: Eine zarte, lesbische Liebe in Kenia

Knallbunte Bilder, eine erste große Liebe und zwei Teenagerinnen in Nairobi, die keinen Bock auf Konventionen haben. In Kenia ist der Film „Rafiki“ verboten – jetzt läuft er in der Queerfilmnacht und Ende Januar bei uns im Kino.

Edition Salzgeber

Von Paula Lochte

9.1.2019 - „Dieser Film soll dort schreien, wo andere Stimmen zum Schweigen gebracht worden sind“, so beschreibt die kenianische Regisseurin und Drehbuchautorin Wanuri Kahiu ihren Film Rafiki. Es geht ihr um das Recht auf Liebe für alle. Und um das Recht, „die eigenen Geschichten zu erschaffen und erzählen.“

Erzählt wird eine klassische Coming Out-Story. Der schüchterne Tomboy Kena (Samantha Mugatsia) ist vom ersten Augenblick an fasziniert von der extrovertierten Schönheit Ziki (Sheila Munyiva). Die Skaterin und die Street Dancerin begegnen sich, wie könnte es anders sein, auf der Straße. Sie wohnen in einem quirligen Mittelschichts-Viertel in Kenias Hauptstadt Nairobi, mit Essensständen, Motorradtaxis und pastellfarbenen Wohnblocks, von denen der Putz abblättert.

Ihre Väter sind Konkurrenten, die Töchter lieben sich

An Mauern und Geschäften hängen die Plakate der anstehenden Kommunalwahl – ausgerechnet die Väter von Kena und Ziki treten gegeneinander an. Dennoch entspinnt sich in den Wochen, in denen sie auf die Ergebnisse ihrer Abschlussprüfungen warten, eine zarte und intensive Liebesbeziehung zwischen den beiden jungen Frauen.

Sie zeigen einander ihre Lieblingsorte: Für Ziki die Clubs und Promenaden der Innenstadt, wo sie Kena zum ersten Mal küsst. Und eine Dachterrasse, auf der sich die beiden schwören, nie „typische Kenianerinnen“ zu werden, sondern ihr eigenes Ding durchzuziehen. Kein einfacher Schwur in einem Stadtviertel, das zwar in einer Großstadt liegt, in Sachen sozialer Kontrolle jedoch wie ein winziges Dorf funktioniert. Jeder kennt hier jeden oder zumindest die Kioskbesitzerin, die so gern tratscht und wie der lokale Priester gegen Homosexuelle hetzt.

Kenas Lieblingsort ist der Bolzplatz, wo sie als einzige Frau mit den Jungs kicken darf, und ein mit Blumen bewachsener Camper auf dem Hügel dahinter, in dem sie und Ziki zum ersten Mal miteinander schlafen.

Zensurbehörde:  Der Film rechtfertigt "Lesbianismus"

Rafiki ist die Geschichte einer ersten großen, einer lesbischen Liebe. Für die kenianischen Behörden eine ungeheure Provokation: Das Kenya Film Classification Board, das der Regierung unterstellt ist, verbot die Aufführung des Films, der beim Filmfestival in Cannes 2018 seine Weltpremiere feierte, weil er „ungesetzliche“ homosexuelle Handlungen zeige, die der kenianischen Kultur widersprächen. Außerdem rechtfertige der Film „Lesbianismus“.

Der Filmtitel Rafiki bedeutet in der ostafrikanischen Sprache Suaheli so viel wie „guter Freund“ oder „Freundin“: Statt von Liebe sprechen gleichgeschlechtliche Paare in Kenia lieber von Freundschaft, das ist sicherer. Denn Hassverbrechen sind eine allgegenwärtige Bedrohung und auf homosexuelle Handlungen stehen bis zu 14 Jahre Gefängnis. Die entsprechenden Paragrafen im Strafgesetzbuch stammen noch aus der Kolonialzeit. Kenia war zunächst deutsche, dann britische Kolonie.

Leicht hölzerne Dialoge, aber schöne, bonbonbunte Bilder

Bis heute ist neben Suaheli auch Englisch Amtssprache. Auf kenianischen Straßen wird ein Mischmasch gesprochen. So auch in Rafiki, der in der Queerfilmnacht in Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt wird.

Die Dialoge klingen dabei häufig etwas hölzern. Auch verliert sich der Film manchmal etwas in seinen experimentellen Kameraeinstellungen: Weniger Licht- und Schattenspiele hätten Rafiki gutgetan. Dafür sind die bonbonbunten Bilder, in denen die Geschichte erzählt wird, wunderschön anzusehen und die Figuren überzeugen mit teils überraschenden Wendungen.

Um ihren Film bei den Oscars einreichen zu können, hat Regisseurin Kahiu vor Gericht eine temporäre Aufhebung des Aufführungsverbots erstritten: Im September lief Rafiki eine Woche lang in ausverkauften Kinosälen in Kenia – und fuhr trotz des kleinen Zeitfensters ein Einspielergebnis in Rekordhöhe ein. Rafiki ist ein Film und eine Liebesgeschichte gegen alle Widerstände.

Rafiki (Kenia 2018), Regie & Drehbuch: Wanuri Kahiu, mit Samantha Mugatsia, Sheila Munyiva u.a., 83 Min., OmU

Im Januar in der Queerfilmnacht in verschiedenen deutschen Städten (Orte und Termine), Kinostart: 31. Januar

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