Flirten, feiern, tanzen und ein Heiratsantrag
Bei uns hält der Herbst Einzug, während auf Mallorca gerade zum dritten Mal das Ella-Festival stattfindet. L-MAG war vor Ort und testete die Partybegeisterung deutscher Lesben bei Palmen, Strand und Meer.
Foto: Ella International Lesbian Festival MallorcaVon Dana Müller
l-mag.de, 6.9.2015 - Sonne, Sand und Meer und hunderte Lesben tanzend am Strand. Dazu ein paar leichtbekleidete Gogo-Tänzerinnen, Cocktails und elektronische Beats – das ist die Grund-Idee vom Ella-Festival (1.-9. Sept.). Mallorca ist ja bekanntermaßen eines der Lieblingsreiseziele der Deutschen. Warum also nicht auch mehr lesbische Touristinnen auf die spanische Insel locken? Das dachte sich zumindest Festival-Veranstalterin Kristin Hansen. Sie lebt seit 10 Jahren dort. Ihr Ziel: Mallorca soll das Reiseziel Nummer Eins für Lesben aus aller Welt werden.
Talk und eine rührende Lovestory aus Island
Erstes Highlight war der „Ella-Talk“ am Mittwoch, der den inhaltlichen Auftakt vor dem eigentlichen Partygetümmel gab. Unter anderem sprach L-MAG-Verlegerin Gudrun Fertig über Herausforderungen des lesbischen Journalismus (L-MAG ist Medienpartnerin des Festivals). Mit dabei waren auch Claudia Brind-Woody, Vizepräsidentin von IBM, und die erste offene lesbische Regierungschefin Jóhanna Sigurdardóttir aus Island (sie regierte von 2009-2013), die eine berührende Rede hielt und sagte: „Ich bereue es, so lange mit meinem Coming-out gewartet zu haben.“ Ihre Frau, Autorin und Journalistin Jónína Leósdóttir, ließ daraufhin noch einmal tief in ihr Privatleben blicken, als sie ihr Buch „Jóhanna und ich“ präsentierte, eine herzzerreißende Liebesgeschichte zweier Frauen, die nach 15 Jahren heimlicher Liebe ihre Beziehung öffentlich machten, als sie 2002 heirateten.
Foto: Dana MüllerKontakte sind schnell geknüpft
Weniger inhaltlich, dafür umso relaxter ging es die folgenden Tage zu. Tagsüber entspannen am Strand, abends tanzen und flirten. Da sowohl der Strand als auch die nächtlichen Clubs überschaubar sind, ist Kontakt vorprogrammiert, alles wirkt familiär und vertraut. Und nach spätestens drei Festival-Tagen hieß es mit neuen Bekanntschaften gemeinsam feiern - meist ohne sprachliche Barrieren, denn der Großteil der Festival-Besucherinnen kommt aus Deutschland.
Zum Grand Opening am Donnerstagabend mischten sich dann auch örtliche Politiker, darunter der Bürgermeister von Palma, unter das in Highheels und Abendkleid aufgestylte Volk. Im zentral gelegenen El Devino sorgte die australische Band Stellar Addiction für eine Rockeinlage im schicken Ambiente, dazu gab es Tangotänzerinnen und Synchronschwimmerinnen im erleuchteten Pool.
Mallorca wirbt um lesbische Urlauberinnen
Das Festival wurde in Kooperation mit der Stadt auf die Beine gestellt, denn auch Palma hat den LGBT-Tourismus mittlerweile für sich entdeckt. „Wir arbeiten hart daran, dass Palma eine LGBT-friendly Stadt wird, denn diese Art von Tourismus ist sehr wichtig für uns“, erzählt Joanna Maria Adrobert, Angestellte im Tourismusbereich, und wünscht sich für das nächste Jahr doppelt so viele Besucherinnen.
Auch Martin Schneck, Besitzer des Hotel Lis und Kooperationspartner von Ella, glaubt: „Ich denke, dass Mallorca sich dafür sehr eignet, da es hier ja sehr viel Zuwanderung aus Nordeuropa gibt, wie Deutschland, England, Skandinavien. Und das sind alles Leute, die relativ offen sind.“
Heiratsantrag auf der Bühne
In seinem Club N°1 fand die Freitagsparty statt, bei der Caró mit ihrer Gitarre die Mädels zum Träumen anregte. Die große Party stieg schließlich am Samstag, bei der wiederum Stellar Addiction einen großartigen Auftritt hinlegte. Gitarristin Tanya ergriff die Chance, Sängerin Stacey auf der Bühne einen Heiratsantrag zu machen, die anschließend unter Tränen weitersang.
Sonnenschein (wenn auch nicht immer), gemütliche Partys, aufgeschlossene Lesben - ob Mallorca dadurch zum lesbischen Top-Reiseziel wird, bleibt weiter abzuwarten. Fakt ist jedenfalls: verstecken muss sich hier keine, und die Freundlichkeit der Einheimischen überträgt sich auch auf die Besucherinnen, auch wenn der eine oder andere Ballermann-Junge in Anbetracht der lesbischen Horde am Strand große Augen macht.
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