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Fußball: Junge Wilde stürmen auf die EM 2021 zu

Nach dem frühen WM-Aus im Sommer läuft die EM-Qualifikation fürs DFB-Team bisher einwandfrei. Wie ist die Lage im Team, und wie behauptet sich der Nachwuchs nach dem Rücktritt einiger Stars, darunter Simone Laudehr, die am Samstag verabschiedet wurde?

Uta Zorn Torjubel: Lina Magull, Feli Rauch und Klara Bühl (v.l.n.r.) im Spiel gegen die Ukraine am letzten Samstag

Von Uta Zorn

9.10.2019 – Mit einem 5:0 gegen Griechenland hat das deutsche Frauenfußball-Nationalteam gestern auch das vierte von vier Qualifikationsspielen für die EM 2021 in gewonnen. Mit 31:0 Toren und der maximalen Punkteausbeute führt die DFB-Elf die Tabelle in ihrer Gruppe an und kann die Teilnahme fest einplanen.

Die Spiele der EM-Quali waren bisher für die DFB-Frauen lockere Trainingseinheiten. Mit 10:0 und 8:0 wurden die Gegnerinnen aus Mazedonien und der Ukraine vom Platz gefegt. Die Griechinnen verteidigten bislang am besten und machten der DFB-Elf das Toreschießen nicht leicht. Alex Popp traf erst in der 33. Minute zum 1:0, Lena Oberdorf und die eingewechselten Sandra Starke und Pauline Bremer erhöhten. Den Schlusspunkt setze Klara Bühl mit ihrem bereits sechsten Treffer in der Qualifikation.

Bundestrainerin hat jetzt zwei Jahre Zeit für die Weiterentwicklung

Das hört sich alles gut an, doch wie ist die Lage im Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (MVT) nach dem frühen Viertelfinal-Aus bei der WM? Selbstkritisch analysierte MVT auf einer Pressekonferenz im August, dass die ständigen Veränderungen und gewünschte Flexibilität wohl noch etwas zu viel waren, forderte aber auch: „Wir brauchen größere Widerstandsfähigkeit, müssen Hierarchien stärken und Haltungsfragen stellen.“

MVT hat mit ihrem Amtsantritt Ende 2018 einen Prozess eingeleitet, auf dem die WM nur eine Station war. Der Umbruch geht weiter, und da die Olympiateilnahme 2020 bei der WM verspielt wurde, hat die Bundestrainerin jetzt bis zur EM 2021 Zeit für die geplante Entwicklung.

Uta Zorn Die jungen Wilden zeigen sich selbstbewusst: Klara Bühl, Lena Oberdorf und Giulia Gwinn (v.l.n.r.)

Der Auftritt der jungen Spielerinnen macht Lust auf mehr

Zur Standortbestimmung geben die vier Spiele nach der WM gegen zweitklassige Nationalteams wenig Aufschluss. Torfrau und Abwehr hatten wenig bis nichts zu tun, es gab Platz für Kombinationen und auf das Tor konnte ungehindert geschossen werden.

Kapitänin Alex Popp geht voran, zeigt sich oft auch als Torvorbereiterin, die arrivierten Spielerinnen wie Dzsenifer Marozsan oder Sara Däbritz spulen eher ihr Programm ab, aber der Auftritt der jungen Spielerinnen macht Lust auf mehr: Lena Oberdorf hat mit ihren 17 Jahren schon bei der WM zeigen können, was für ein Talent sie ist, und wird von MVT jetzt behutsam als Abwehrchefin aufgebaut. Giulia Gwinn (20) bringt rechts, wie links schwungvoll ihre Leistung und Klara Bühl (18) schießt selbstbewusst schöne Tore.

Uta Zorn Danke, Simone, für 103 Spiele im Trikot des Nationalteams: DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg (l.) und Ex-Bundestrainerin Silvia Neid verabschieden Simone Laudehr

Abschied von Simone Laudehr

Die Verjüngung des Nationalteams bringt natürlich auch Abschiede mit sich. Vor dem Spiel gegen die Ukraine in Aachen am 5. Oktober sollten die zurückgetretenen Spielerinnen Lena Gößling, Babett Peter und Simone Laudehr offiziell verabschiedet werden.

Gößling war krank, Peter in Spanien bei ihrem neuen Club (noch CD Tacon, in Kürze - nach Fusionierung - Real Madrid) unabkömmlich, doch Simone Laudehr kam und verabschiedete sich unter großem Applaus von ihren Fans.

Härtetest gegen England - 80.000 Tickets sind bereits verkauft

Wie weit das DFB-Team inzwischen wirklich ist, könnte sich am 9. November zeigen. Im Londoner Wembley-Stadion bittet der WM-Vierte England zum Freundschaftsspiel. Das wird der erste Härtetest nach der WM, endlich auch für die Defensivabteilung.

Wie der Frauenfußball sich medial in anderen Ländern entwickelt und wie der Aufschwung nach der WM genutzt werden kann, zeigen uns wieder einmal die Engländer. Während in Deutschland die Spiele der Frauen gern in die Mittagszeit gelegt werden, damit die TV-Sender nicht aufwändig ihren Sendeplan ändern müssen, wird das Spiel selbstverständlich fußballgemäß um 18.30 Uhr angepfiffen.

Ob und wo das Spiel in Deutschland läuft, steht noch nicht fest - vermutlich haben ARD und ZDF das „Schwarze-Peter-Spiel“ noch nicht abgeschlossen. Wer überlegt, sich das Spiel live anzuschauen, sollte sich beeilen: 80.000 (!) Tickets sind bereits verkauft. Von solchen Rekordzahlen werden wir wohl noch lange träumen.

Die EM-Qualifikation geht erst am 11. April 2020 gegen Irland weiter.

Alle Infos zur EM-Quali auf Uta Zorns Webseite Cornerkick.de

 

Weiterlesen: Das sind die lesbischen Stars der Fußball-WM 2019

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