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Gute Noten für Weltoffenheit und Toleranz

Aufatmen in Baden-Württemberg: Die homophobe Allianz "Demo für alle" konnte sich mit ihrer Angst-Kampagne gegen eine angebliche "Frühsexualisierung" in Schulen nicht durchsetzen. Die Akzeptanz von LGBT steht ab dem nächsten Schuljahr in den Lehrplänen.

Ist doch auch wirklich kinderleicht! - Foto: Jenny Scott, CC-BY-NC

Von Kerstin Fritzsche

l-mag.de, 5.4.2016 – Es ist vermutlich Andreas Stochs (SPD) letzte Amtshandlung, bevor im Ländle wohl bald Grün-Schwarz regiert: Der Noch-Kultusminister hat den neuen Bildungsplan unterschrieben. Er tritt zum neuen Schuljahr am 1. August in Kraft.

Seitdem ein Arbeitspapier für den Bildungsplan im Herbst 2013 geleakt wurde, wurde darum gekämpft. Denn der Plan sah vor, dass das Thema „sexuelle Vielfalt“ in möglichst vielen Fächern auf vielfältige Weise vermittelt wird. Nicht nur konservative CDUler behaupteten, dass hier einer Minderheit Privilegien eingeräumt würden. Ein Realschullehrer aus dem Schwarzwald machte mit einer Online-Petition den Protest gegen das Thema erfolgreich öffentlich. Er sprach von einer „Frühsexualisierung“ von Kindern und schürte Ängste. 

Protest vor allem aus evangelikalen und AfD-nahen Kreisen

Das AfD-nahe Bündnis „Demo für alle“ brachte den Protest dann auf die Straße. Bis Februar 2016 fanden neun Demonstrationen in Stuttgart statt (wir berichteten hier und hier).

Dabei war das Ringen um den Bildungsplan immer transparent, und noch nie konnte sich die Bevölkerung in einem solchem Umfang beteiligen: Der Entwurf wurde zur „Anhörung“ ins Internet gestellt. Rund 2600 Rückmeldungen gab es, 650 wurden eingearbeitet.

„Bei den Eingaben zu 'Vielfalt' hatten wir 400“, so Christine Sattler, Pressesprecherin im Kultusministerium, im Gespräch mit L-MAG. „Die waren aber fast alle identisch, daher ist davon auszugehen, dass aus evangelikalen Kreisen mobilisiert wurde.“ Sattler zeigt sich immer noch fassungslos, dass so ein geringer Teil des Bildungsplans für einen solchen Wirbel sorgte – für eine Sache, die doch „normal sein sollte“.

Schule als "Ort von Toleranz und Weltoffenheit"

Und was steht jetzt drin in Sachen sexuelle Vielfalt? Hauptveränderung: Die entsprechende Leitperspektive wurde verändert und heißt nun „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“, das Wort „Sexualität“ fällt also nicht mehr (und um Sex und sexuelle Praktiken sollte es ja auch nie gehen). LGBT-Themen machen nur einen kleinen Teil aus, und der Verweis auf den „besonderen Schutz von Ehe und Familie“ als Grundlage hat es in die Erklärung dazu geschafft. „Das ist aber der Landesverfassung geschuldet“, erklärt Sattler gegenüber L-MAG. „Das muss berücksichtigt werden.“

Wichtig sei: Die Schule soll ein „Ort von Toleranz und Weltoffenheit“ sein. Dass Schüler bestimmte Kompetenzen erwerben, stehe im Vordergrund. Dazu gehöre eben Unterstützung, so dass Schüler „ihr Leben in der Gemeinschaft selbstbestimmt, sinnerfüllt und verantwortungsvoll gestalten“ können, erklärte Minister Stoch.

Um die Lehrer möglichst gut vorzubereiten, veranstaltet das Kultusministerium am morgigen Mittwoch einen Kongress. 

Die Bildungspläne für die verschiedenen Schulformen stehen hier.

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