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Historische Entscheidung: Homosexualität in Indien legal

Die Kriminalisierung von Homosexualität sei „irrational, willkürlich und unverständlich“ urteilte das Oberste Gericht Indiens und hob den Verbots-Paragrafen 377 auf. An der Diskriminierung von LGBT ändert sich damit aber vorerst vermutlich nichts.

Jesse Rapczak, CC-BY-NC-NDRegenbogenfahne beim ersten CSD in Neu Delhi 2008

Von Michael Lenz

8.9.18 - In einer historischen Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof in Indien am Donnerstag das Verbot von Homosexualität aufgehoben. Der Anti-Homosexuellenparagraf 377 verletze Verfassungsprinzipien, hieß es in dem einstimmig gefällten Urteil über den 150 Jahre alten Paragrafen aus der britischen Kolonialzeit. „Das Gesetz muss gemäß der Anforderungen veränderter Zeiten interpretiert werden.“ Die Kriminalisierung der Homosexualität sei „irrational, willkürlich und unverständlich“.

"Niemand sollte dafür diskriminiert werden, wen man liebt"

Mit dem schlichten Satz „Wir sind frei“ kommentierte Harish Iyer auf Facebook das Urteil. Iyer ist einer der prominentesten LGTB-Bürgerrechtler Indiens. Nach der Urteilsverkündung zogen kleine Gruppen von Lesben und Schwulen mit Regenbogenfahnen durch die Straßen vieler Städte.

Meenakshi Ganguly, Direktorin für Südostasien der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), erklärte in Neu Delhi: „Das Gericht hat bestätigt, dass niemand dafür diskriminiert werden sollte, wen man liebt oder was man in den vier Wänden des eigenen Schlafzimmers macht.“

Sexuelle Orientierung ist Teil der Identität

Die Abschaffung des §377 beschäftigte Politik, Gesellschaft und Justiz in Indien seit Jahrzehnten. Schon 2009 kippte ein Gericht das Gesetz. Eine Reihe hinduistischer, muslimischer und evangelikaler Organisationen klagte jedoch erfolgreich gegen die Entkriminalisierung. 2013 machte das Oberste Gericht die Abschaffung wieder rückgängig. Es sei alleine Sache des Parlaments, den Paragraphen zu ändern oder abzuschaffen, befanden die Richter.

2017 entschied der Oberste Gerichtshof dann, die sexuelle Orientierung sei Teil der Identität eines Menschen und die Rechte Homosexueller seien durch die Verfassung garantiert. Das gestrige Urteil war die logische Folge.

Indische LGBT sind vielen Formen der Gewalt ausgesetzt

Die Abschaffung des §377 wird aber so schnell nichts an der alltäglichen Diskriminierung Homosexueller in Indien ändern. Zwangsverheiratungen, sexuelle Belästigungen und sogenannten korrektive Vergewaltigungen sind Formen der Gewalt, denen Lesben, Schwuler und Transsexuelle in der patriarchalischen Gesellschaft ausgesetzt sind.

Im Juni dieses Jahres hatten sich die 30 Jahre alte Asha Thakor und ihre 28-jährige Lebenspartnerin Bhavna Thakor hatten sich am 10. Juni in dem Fluss Sabarmati ertränkt (wir berichteten). In dem Abschiedsbrief des lesbischen Paares hieß es: „Wir haben diese Welt verlassen, um zusammenleben zu können. Diese Welt hat uns das Zusammenleben nicht erlaubt, weil wir keine Männer bei uns haben.“

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