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Hollywood bleibt hetero

Hollywood hat nicht viel für Lesben und Schwule übrig: eine Studie aus den USA zeigt, dass 2013 nur in 17% aller großen Studiofilme LGBT-Charaktere zu sehen waren - in den meisten Fällen weiße Schwule und selten in ernst zu nehmenden Rollen

Von Karin Schupp

l-mag.de, 27.7.2014 – LGBT-Stories in den Medien fördern nachgewie-senermaßen das Verständnis und die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen - diese Botschaft ist im US-Kino leider noch nicht angekommen: auf der Leinwand sind weiterhin vor allem Heteros zu sehen.

Dass das nicht nur eine Behauptung ist, beweist eine Studie der US-Medienorganisation GLAAD (Gays & Lesbians Alliance Against Defamation), die jährlich die Filme der sechs großen Hollywood-Studios analysiert. Mit enttäuschendem Ergebnis auch für das Jahr 2013:

In 85 von 102 Premieren (=83%) waren ausschließlich Heteros zu sehen, nur 17 Filme, vor allem Komödien, zeigten lesbische, schwule, bi- oder transsexuelle Charaktere.

Dass nur gut ein Drittel dieser Figuren weiblich und nur ein Viertel lesbisch war, ist da schon nicht weiter verwunderlich: auch Heterofrauen sind in der Kinowelt ja immer noch stark in der Minderheit. Dasselbe gilt für nicht-weiße Figuren: sie waren nur zu einem Viertel vertreten.

Cameron Diaz als Klischee-Bisexuelle in "The Counselor" - und dann lief nicht mal was mit Pénelope Cruz... - Foto: 20th Century Fox

Hauptfiguren waren gar keine dabei, die meisten tauchten in nur kleinen und kleinsten Rollen auf und wurden als ärgerliche Stereotype dargestellt.

Nur 7 der 17 Filme zeigten ernst zu nehmende LGBT-Charaktere, darunter nur zwei Filme mit Lesben: Die Komödie Schwiegereltern inklusive (in D nur auf DVD erschienen), die ein Frauenpaar zeigt (allerdings nicht im Trailer), und die mexikanische Tragikomödie Instructions Not Included (noch nicht in D), in der die Ex der männlichen Hauptfigur und Mutter seines Kindes mit ihrer Lebensgefährtin auftaucht (auch hier zeigt der Trailer diesen Aspekt nicht).

Kritisiert wurden lesbische und bisexuelle Frauenfiguren wie Cameron Diaz‘ Rolle in The Counselor, die als Klischee-Bisexuelle angedeutet wird, und Wir sind die Millers, wo die Begegnung mit dem an Gruppensex interessierten Heteropaar vor allem Anlass für „gay panic“-Humor bietet. Enttäuschend war auch Dahl (Katee Sackhoff) in dem Actionfilm Riddick, die zunächst als toughe Lesbe eingeführt wird, dann aber zum Opfer einer Beinahe-Vergewaltigung wird und dem Helden Riddick am Ende offenbar nicht widerstehen kann.

Für die Analyse der Rollen erfand GLAAD den Vito-Russo-Test, benannt nach dem schwulen Filmhistoriker und angelehnt an den Bechdel-Test, der das Rollenverständnis von Frauen in Filmen erhebt. Danach müssen drei Fragen mit Ja beantwortet werden: Zeigt der Film

1) einen Character, der lesbisch, schwul, bisexuell und/ oder trans* ist?

2) Wird diese Figur nicht alleine durch ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität definiert?

3) Und spielt sie eine Rolle für den Fortlauf der Handlung, ist also mehr als ein buntes Einsprengsel oder eine billige Pointe?

Das ist doch gar nicht so schwer, ihr Hollywood-Produzenten!

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