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In der Schwerelosigkeit des Sommers

Der litauische Film „Der Sommer von Sangailé“ erzählt in sinnlichen Bildern vom Abenteuer des Erwachsenwerdens und zeigt: Angst und Mut liegen nahe beieinander. Jetzt in der L-Filmnacht und im März auf DVD.

Foto: Salzgeber Filmverleih

Von Isabel Lerch

l-mag.de, 21.2.2016 – Die schweigsame Sangailé (Julija Steponaitytė) verbringt den Sommer im Ferienhaus ihrer Eltern. Die 17-Jährige ist fasziniert vom Kunstfliegen und den virtuosen Pirouetten und Loopings, welche die Piloten am Himmel vollführen. So oft wie möglich schaut sie sich Flugshows auf dem nahe gelegenen Flugplatz an. Doch ihre Höhenangst hindert sie daran, ihren eigenen Traum vom Fliegen zu verwirklichen.

Zufällig lernt sie die extrovertierte Auste (Aistė Diržiūtė) kennen. In der Schwerelosigkeit des Sommers scheint plötzlich alles möglich: Die beiden ziehen sich gegenseitig an, suchen den Zauber der ersten körperliche Nähe und verlieren sich in einem Strudel aus intensivem sexuellen Begehren füreinander. In Austes Gegenwart erfährt Sangailé eine ihr bis dahin ungewohnte Geborgenheit, die es ihr erlaubt, ihr intimstes Geheimnis preiszugeben…

Federleichter Auftrieb und erdrückende Schwerkraft

Der Film mischt auf poetische Weise die Gegensätze zweier aufeinander bezogenen Kräfte: Angst und Mut. Dunkelheit und Licht. Federleichter Auftrieb und erdrückende Schwerkraft. Es ist dieses Spannungsfeld der gegensätzlichen Pole, das Sommer von Sangailé gekonnt auf mehreren visuellen Ebenen bespielt. Da wäre die Charakterstudie und ihre modische Komponente: Die introvertierte Sangailé trägt Jeans und schlichte Oberteile - die selbstbewusste Auste extravagante, selbstgeschneiderte Kleider.

Die Kameraeinstellungen wechseln zwischen weiten Landschaftspanoramen und sinnlichen Detailaufnahmen. Atmosphärisch kontrastieren Szenen jugendlicher Unbekümmertheit, schmerzhafte Bilder der kühl-erwachsenhaft wirkenden Sangailé. Und auch das Zusammenspiel von Licht und Schatten unterstreicht den allgemeinen Dualismus der Dinge: Das Leichte und das Schwere liegen manchmal sehr nahe beieinander, spiegeln sich und machen den Prozess des Erwachsenwerdens so kompliziert.

Dieser spielerische Wechsel aus metaphorisch-unverbrauchten Bildern macht Der Sommer von Sangailé zu einer besonderen Coming-Of-Age-Geschichte. Die auch ausgezeichnet wurde: Beim Sundance Filmfestival 2015 erhielt die lesbische Regisseurin und Drehbuchautorin Alanté Kavaité den Regie-Preis. Für ein tolles filmisches Werk, das vor berührender Poesie nur so sprüht.

Der Sommer von Sangailé, Litauen u.a. 2015, Regie/ Buch: Alanté Kavaïté, mit Julija Steponaitytė, Aistė Diržiūtė), 88 Min., OmU

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Ab 18. März auf DVD

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