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Internationales Frauen* Film Fest: Lesbische Rebellinnen, queere Wahlfamilien

Endlich zurück im Kino (ab 29.3.): Das Internationale Frauen* Film Fest Dortmund+Köln bleibt seinem feministischen Ansatz treu, bietet interessante lesbische Filme und endlich auch wieder persönlichen Austausch. Viele Filme gibt's auch im Online-Streaming

IFFF „A Wild Patience Has Taken Me Here“ erzählt von einem lesbischen Treffen über eine Generation hinweg

Von Gudrun Fertig

20.3.2022 - „Wir sind endlich wieder im Kino!“, freut sich Stefanie Görtz, Kuratorin für den Spielfilmwettbewerb vom „Internationalen Frauen* Film Fest Dortmund+Köln“. Nachdem das Festival pandemiebedingt letztes Jahr überwiegend online stattfand, wird es dieses Jahr wieder alle Filme und ein Rahmenprogramm live im Kino zu sehen geben.

Die Erfahrungen der letzten beiden Jahre nutzt das Festival aber und zeigt darüber hinaus 20 Filme im Online-Stream auf eigener Plattform (darunter alle hier vorgestellten Filme, außer: A Wild Patience...). Stefanie dazu: „Wir sind angstfreier dieses Jahr, was Online-Formate betrifft.“

Überhaupt hat das Festival, das seit über 30 Jahren besteht, die Coronazeit zu einer Überarbeitung genutzt: Der Name hat ein Sternchen dazubekommen, und Teile des Festivals finden jetzt jedes Jahr in Dortmund und Köln gleichzeitig statt.

Motor für Vernetzung und Sichtbarkeit in der Filmbranche

Dennoch wurde der persönliche Austausch letztes Jahr von den Festivalmacher:innen sehr vermisst. „Zurück im Kino!“ ist deshalb das passende Festivalmotto für dieses Jahr. Denn nach wie vor ist dem feministischen Filmfestival wichtig, neben den Filmen, die gezeigt werden, auch Motor für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen* in der Filmindustrie zu sein, egal ob Regisseur:innen, Kamerafrauen* oder Produzent:innen.

Syndicado „How The Room Felt“: Eine queere Wahlfamilie in Georgien

Neben dem Debüt-Spielfilmwettbewerb und dem Wettbewerb für Bildgestalter:innen sowie anderen thematischen Sektionen gibt es diverse Rahmenveranstaltungen, auch abseits der Festivalzeit. Stolz sind die Festivalmacher:innen zum Beispiel darauf, „Associated Partner“ des European Film Market zu sein. In Kooperation diskutierte man während der Berlinale im Februar auf einem Panel mit drei afghanischen Filme macher:innen.

Queere Filme sind weiterhin fester Bestandteil des Filmfests, etwa der serbische Film Kelti (internat. Titel: Celts, Serbien, 2021), der im Debüt-Spielfilmwettbewerb läuft. Er zeigt in ruhigen, atmosphärischen Bildern die Situation einer Familie und deren Freund:innen mitten im Krieg 1993 in Belgrad. Rund um einen Kindergeburtstag sind Tragik und Lebensfreude nebeneinander anzutreffen. Auch schwule und lesbische Protagonist:innen müssen in dieser schwierigen Zeit klarkommen, was zumindest innerhalb der Familie kein Problem ist.

In der Sektion „begehrt! – filmlust queer“ läuft als echter Geheimtipp Rebel Dykes (GB, 2021). Der bereits letztes Jahr erschienene Dokumentarfilm ist äußerst liebevoll gemacht, lebt von spannenden Protagonistinnen und erzählt von den 80er Jahren in London, wo sich damals die Punk- und die rebellische Lesbenszene mischten.

How the Room Felt (Georgien, 2021) ist ein weiterer, etwas langatmiger Dokumentarfilm, der eine Gruppe lesbischer und queerer Fußballspieler:innen in Georgien zeigt, für die ihr Verein mehr als Sport ist. Die besondere Gemeinschaft, die sie dort finden, ist Raum für Liebe, Affären, Freundschaft, Diskussionen. Eine eigene Welt abseits des Mainstreams, wie sie in vielen Ländern Frauen-Fußballteams darstellen oder einst darstellten.

Juno Films Annie Sprinkle (l.) und Beth Stephens in „Water Makes Us Wet“

Kurz und liebevoll auch der brasilianische Film  A Wild Patience Has Taken Me Here  (Brasilien, 2021), in dem eine ältere lesbische Bikerin und vier junge Queers, die in einer polyamoren Beziehung zusammenleben, ein Wochenende miteinander verbringen. Wirr und überladen dagegen ist Water Makes Us Wet, der neue Film der feministischen Ex-Pornokönigin und Künstlerin Annie Sprinkle und ihrer Lebensgefährtin Beth Stephens über Ökologie, Sexualität und Wasserfreuden.

Internationales Frauen* Film Fest Dortmund+Köln, 29. März – 3. April, viele Filme auch als Video-on-Demand (29. März - 10. April). Das komplette Programm findet ihr auf der Festival-Webseite, und hier geht's direkt zur Ticket-Buchung für Kino-Vorstellungen und Online-Streaming.

 

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