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Kanada entschuldigt sich bei seiner LGBT-Community

„Es tut uns Leid!“ - In einer historischen Rede entschuldigte sich Premierminister Justin Trudeau für die jahrzehntelange Diskriminierung der kanadischen LGBT-Bevölkerung und kündigte konkrete Maßnahmen zur Wiedergutmachung an.

Canadian PM

Von Karin Schupp

29.11.17 - „Mit Scham, Kummer und tiefem Bedauern für die Dinge, die wir getan haben, stehe ich heute hier und sage: Wir hatten Unrecht. Wir entschuldigen uns. Es tut mir Leid. Es tut uns Leid!“ Mit diesen historischen Worten entschuldigte sich Premierminister Justin Trudeau gestern im kanadischen Parlament für die jahrezehntelange Diskriminierung und Ausgrenzung von LGBTQ2 (Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Queere Menschen und Two-Spirits*).

"Hexenjagd"  bis in die frühen 90er Jahre

Im Einzelnen zählte er alle Formen der Gewalt, Unterdrückung und Ungleichbehandlung auf, denen sie auch von staatlicher Seite ausgesetzt waren. „Unsere Gesetze machten privaten und einvernehmlichen Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern zu einer Straftat und führten zu unberechtigten Verhaftungen, Verurteilungen und Inhaftierungen“, sagte er in seiner emotionalen Rede.

Das habe nahezu zu „einer Hexenjagd“ geführt, die bis in die frühen 90er Jahre auch von der kanadischen Regierung unterstützt wurde: Etwa die Verfolgung, Mobbing, Einschüchterung und Kündigung von Angestellten, darunter Beamte, Soldaten und Polizisten, die nicht-heterosexuell waren (oder in Verdacht standen, es zu sein).

GoToVan, CC-BYBesuchte seit seinem Amtsantritt 2015 schon diverse LGBT Pride-Paraden und engagiert sich auch außerhalb von Wahlkämpfen für LGBTQ-Rechte: Justin Trudeau

"Menschen verloren ihre Existenz, ihre Familien, ihr Leben"

„Kanadier, die sich als lesbisch, schwul, bisexuelle, transgender, queer oder two-spirit definieren, wurden wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität ungerecht behandelt – im Job gefeuert oder nicht befördert, überwacht, verhaftet, verurteilt, und boshaft bloßgestellt“, so Trudeau. „Menschen verloren ihre Existenz, ihre Familien und einige sogar ihr Leben. Heute bieten wir allen, denen wir, die Regierung Kanadas, Unrecht angetan haben, unsere längst überfällige Entschuldigung an. Wir hoffen, dass wir mit dem Eingeständnis unserer Fehler den entscheidenden Schritt gehen, den LGBTQ2-Menschen in Kanada verdienen.“

Finanzielle Entschädigung und weitere Bemühungen  

Mit der Entschuldigung ist auch eine finanzielle Entschädigung von Betroffenen verbunden, für die 145 Mio. Dollar (ca. 96 Mio. Euro) bereitgestellt werden. Außerdem kündigte die Regierung mehrere konkrete Maßnahmen an, darunter einen neuen Regierungsberater und eine eigene Abteilung, die Regierungsinitiativen zu LGBTQ2-Themen fördern sollen, die Streichung des Geschlechtseintrags in Formularen und die Einführung eines „X“ in Reisepässen für Menschen, die sich weder als männlich noch als weiblich identifizieren, sowie ein Gesetz, das Menschen vor Diskriminierung und Hass-Verbrechen wegen ihrer Geschlechtsidentität schützen soll.

Von der bundesdeutschen Regierung sind ähnliche Initiativen leider nicht bekannt.

Die komplette Rede zum Nachlesen (auf Englisch) steht hier.

* Two-Spirits sind das so genannte "Dritte Geschlecht", das Teil der Kultur nordamerikanischer Ureinwohner ist.

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