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„Keine Angst, queer sichtbar zu sein“ - Londoner Lesbenpaar lässt sich nach homophobem Überfall nicht einschüchtern

Ein lesbisches Paar, das in einem Nachtbus mitten in London niedergeschlagen wurde, erfährt viel Solidarität, auch aus der hohen Politik – und ruft zu queerer Sichtbarkeit und Wehrhaftigkeit auf.

Melania Geymonat/ Facebook Melania (r.) und Chris nach der Tat

Von Karin Schupp

11.6.2019 - Ein brutaler homophober Angriff auf ein Lesbenpaar in London, der in der letzten Woche durch die Sozialen Medien ging, wird vor Gericht enden: Bis Samstag wurden die mutmaßlichen Täter, fünf männliche Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren, festgenommen. Ihnen wird schwere Körperverletzung und Raub vorgeworfen.

Eine der beiden Frauen, Melania Geymonat (28), hatte den Vorfall selbst auf Facebook öffentlich gemacht und ein Foto online gestellt, auf dem sie und ihre Freundin Chris (29), beide blutig geschlagen, zu sehen sind.

Die beiden saßen im Nachtbus nach Camden Town, als sie auf dem Oberdeck von einer Gruppe männlicher Teenager homophob angepöbelt wurden. „Sie begannen, sich wie Hooligans zu benehmen“, schrieb Melania, hätten sexuelle Positionen beschrieben und sie aufgefordert, sich zu küssen. Obwohl sie versucht habe, die Situation mit Witzen zu entschärfen, wurden sie schließlich niedergeschlagen und ausgeraubt. „Ich erinnere mich nicht, ob ich das Bewusstsein verloren habe“, so Melania. „Plötzlich hielt der Bus, die Polizei war da, und ich war voller Blut.“

Entsetzen und Solidarität 

Die homophobe Gewalttat mitten in London löste inner- und außerhalb Großbritanniens Entrüstung aus. Melanias Facebook-Post bekam über 27.600 Likes und wurde fast 15.000 mal geteilt. Tausende Menschen aus aller Welt drückte ihr Entsetzen und ihre Solidarität aus.

Auch PolitikerInnen äußerten sich erschrocken. „Das war eine abscheuliche, frauenfeindliche Attacke. Hasskriminalität gegen die LGBT+-Community wird in London nicht toleriert“, twitterte Londons Bürgermeister Sadiq Khan am vergangenen Freitag. „Absolut schockierend“ schrieb Labour-Chef Jeremy Corbyn auf Twitter und rief zu Solidarität auf „für Melania und Chris und alle in der LGBT+-Community für alles, was sie ertragen müssen, einfach nur, weil sie sind, wer sie sind.“ Und die (Noch-)Premierministerin Theresa May sagte: „Das war ein widerlicher Angriff, und meine Gedanken sind bei dem betroffenen Paar.“

Chris und Melania lassen sich jedoch nicht einschüchtern. Sie sei zwar „immer noch wütend“, sagte Chris in einem Radiointerview mit BBC World at One, würde aber dennoch nicht zögern, mit ihrer Freundin Hand in Hand zu gehen. „Ich habe keine Angst, sichtbar queer zu sein. Wenn überhaupt, sollte das öfter passieren.“

"Am meisten regt mich auf, dass Gewalt so alltäglich geworden ist"

Am Wochenende meldete sich Melania noch einmal auf Facebook zu Wort, bedankte sich bei der BBC für die „akkurate Berichterstattung“ und schrieb: „Wir werden einen Akt wie diesen in der Zukunft nicht mehr akzeptieren. Danke für die freundliche Untersützung, die wir von allen erfahren.“

In England und Wales ist die Hasskriminalität gegenüber Lesben und Schwulen in den Jahren 2017/18 um 27% gestiegen, allein in London wurden 2018 insgesamt 2.308 ‚Hate Crimes‘ angezeigt. Die Polizei glaubt allerdings, dass die Zahlen höher geworden sind, weil homophobe Vorfälle inzwischen eher angezeigt werden. Die Dunkelziffer wird dennoch nach wie vor als weitaus höher eingeschätzt.

Doch überlassen wir Melania das letzte Wort: „Am meisten regt mich auf, dass Gewalt so alltäglich geworden ist“, machte sie ihrer berechtigten Wut auf Facebook Luft. „Ich bin es müde, als Sexualobjekt behandelt zu weden. (…) Wir müssen verbale Belästigung und chauvinistische, frauenfeindliche und homophobe Gewalt aushalten, denn wenn du dich wehrst, passiert so eine Scheiße wie diese. Übrigens bin ich allen Frauen und Männern in meinem Leben dankbar dafür, dass sie verstehen, dass Eier zu haben, etwas ganz anderes bedeutet. Ich hoffe, dass im Juni, dem Pride-Monat, über diese Dinge laut gesprochen werden kann, damit sie AUFHÖREN!“

In Berlin berät die Anti-Gewalt-Initiative L-Support gewaltbetroffene lesbische, bisexuelle und queere Frauen. Gewaltvorfälle und Übergriffe können bei der Telefonhotline (030-2162299, Sa/So 17-19 Uhr oder Mailbox) oder per Mail gemeldet werden. Mehr Infos auf l-support.net.

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