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Kinotipp „Tove“: Immerzu auf der Suche nach Glück, Bewegung und Ganzheit

Ab 24. März im Kino: Das Biopic „Tove“ über die unkonventionelle, queere Künstlerin Tove Jansson, die mit den Trollfiguren Mumins weltberühmt wurde, stellt ihre Dreiecks-Liebesgeschichte mit einer Regisseurin und einem Politiker ins Zentrum.

Salzgeber Tove (Alma Pöysti, l.) und Vivica (Krista Kosonen)

Von Stephanie Kuhnen

23.3.2022 - Die finnlandschwedische Künstlerin Tove Jansson ist hierzulande vor allem durch ihre Mumin-Trolle bekannt. Mit Tove hat die finnische Regisseurin Zaida Bergroth ihr ein Biopic gewidmet. Das lässt zunächst vermuten, dass es um eine große Gesamtbiografie der Schöpferin der Mumins ginge.

Tatsächlich aber konzentriert sich der Film auf einen Lebensabschnitt Tove Janssons, der voller Wendungen, Brüche und Selbstfindungen ist und in deren Zentrum die Beziehungen zu zwei Menschen stehen: Der Theaterregisseurin Vivica Bandler (Krista Kosonen) und dem Politiker und Autoren Atos Wirtanen (Shanti Roney).

Wir treffen die Protagonistin Tove (Alma Pöysti) im Nachkriegs-Helsinki. Aus einer berühmten Künstler*innenfamilie stammend und selbst als Künstlerin keine Unbekannte mehr, hat Tove einen leichten Zugang zur links-intellektuellen Boheme. Sie ist Anfang dreißig als sie den verheiraten, acht Jahre älteren Sozialisten Atos auf einer Party kennenlernt und zu ihrem Geliebten macht. Dass er verheiratet ist, empfindet sie nicht als ein Hindernis.

Tove entbrennt heillos für Vivica

Kurz darauf, ebenfalls auf einer Party, begegnet Tove der etwa gleichaltrigen Vivica. Sie ist zwar ebenfalls verheiratet, macht aber aus ihrem Begehren gegenüber Frauen kein Geheimnis. Im Gegenteil, sie weiß, wen und was sie will, und das ist die in Frauenliebe noch gänzlichst unerfahrene Tove, die für Vivica heillos entbrennt.

Als Tove Atos die Affäre gesteht, erzählt sie dies in einer der schönsten Metaphern für ihre besondere Liebe: Sie habe in sich einen neuen Raum gefunden. Atos selbst ist zwar besorgt, aber hört doch nur den Satz, dass wenn sie einen Mann heiraten wolle, dann ihn. Er lässt sich für sie scheiden, sie jedoch zieht eine feste Bindung immer nur dann in Betracht, wenn Vivica sie wieder betrogen hat.

Am Ende werden beide nicht die große Lebensliebe Tove Janssons, aber sie sind dennoch ungemein wichtige Personen in ihrem Leben. Beide fördern die Künstlerin und tragen maßgeblich dazu bei, dass Tove ihre weltberühmte Mumin-Welt auf die Bühne bringt und publiziert. Und so ganz en passant in Paris lernt Tove bereits ihre zukünftige Lebensgefährtin, die Grafikerin Tuulikki Pietilä (Joanna Haartti), kennen.

Keine Regeln, kein Stillstand, keine Situiertheit

Dass Tove Jansson in ihrem Leben immerzu nach Glück, Bewegung und Ganzheit suchte, nie aber Regeln akzeptierte, Beständigkeit, Stillstand und Situiertheit mied, wird deutlich, als sie zum Schluss die eingemotteten Leinwände wieder hervorholt und ein Selbstporträt malt, das sie „Die Anfängerin“ nennt. Tuulikki sitzt in Toves Atelier und lächelt. Denn alles ist immer auch Anfang, weil auch das Ende einer ist.

Zaida Bergroth ist ein überraschend komplexer Film gelungen, der nicht auf den ersten Blick sofort zu durchdringen ist. Oberflächlich betrachtet nimmt die Dreiecksgeschichte sehr viel Raum ein und drängt zuweilen auch die Protagonistin an den Rand des Geschehens. Letztlich ist der Schritt, ein Biopic nur ausschnitthaft zu formulieren und sich nicht auf die Konvention einzulassen, auch politisch zu kommentieren, wenn es um Homosexualität geht, mutig und ungewöhnlich, aber folgerichtig.

Um sich einer so vielschichtigen und nie stillstehenden Künstlerin zu nähern, die so dicht mit ihrer Kunst verwoben ist, darf sie als Protagonistin auch gar nicht über das Leben gestellt werden, sondern muss davon umhüllt sein und ihren eigenen Rhythmus finden. Und so endet im Abspann der Film auch in einem realen Archivfilm: Tove Jansson tanzt zu einer Musik, die nur sie hört.

Tove (Finnland/ Schweden 2020), Regie: Zaida Bergroth, Drehbuch: Eeva Putro, 104 min., Kinostart: 24. März 2022

 

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