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Kleidchen für den Adoptivsohn - Homophober Werbespot für Verfassungsänderung in Russland

Ein homophober Online-Clip wirbt in Russland für die geplante Verfassungsänderung, die auch das Ehe-Verbot für homosexuelle Paare verankern wird. Wie Youtube, die Produktionsfirma und der Schauspieler auf Proteste reagierten.

PMG/ Screenshot

7.6.2020 - Am 1. Juli stimmt das russische Volk über die neue Verfassung ab, die Wladimir Putins Macht stärken und seine Amtszeit potenziell bis 2036 verlängern wird.

Nun tauchte letzte Woche ein homophober Werbespot für das Referendum auf, der die „Ja“-Stimme mit einem weiteren Passus schmackhaft zu machen versucht: Die Ehe soll künftig ausdrücklich „als Verbindung aus Mann und Frau“ geschützt werden. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in Russland zwar auch jetzt schon nicht heiraten (und auch nicht adoptieren), doch damit würde das Ehe-Verbot fest in der Verfassung verankern werden.

Schwule Adoptiveltern? Erzieherin reagiert angewidert 

Der Online-Clip zeigt, wie ein Waisenkind seinen neuen Adoptivater kennen lernt, der sich als schwul entpuppt und dem enttäuscht dreinschauenden Jungen seinen Partner als „neue Mutter“ vorstellt. Der feminin gestylte Mann holt freudestrahlend ein Geschenk aus dem Auto: ein Kleidchen. Und die Mundwinkel der zwei eben noch strahlenden Erzieherinnen sinken immer weiter nach unten, eine der beiden spuckt angewidert auf den Boden. „Wollen Sie sich für solch ein Russland entscheiden?“, fragt die Off-Stimme. „Stimmen Sie für die Verfassungsänderung!“

Produktionsfirma will's nicht homophob gemeint haben

Der Werbespot löste innnerhalb Russlands heftige Proteste bei der Opposition und LGBT-Gruppen aus. Die „Patriot Media Group“, die den Clip für das Kreml-freundliche Newsportal RIA FAN produzierte, wehrte sich mit fadenscheinigen Gründen gegen den Vorwurf der Homophobie. „Der Hauptpunkt des Videos ist nicht, die LGBT-Community zu bekämpfen, sondern die Institution der Ehe als Union zwischen Mann und Frau zu verteidigen“, erklärte PMG-Chef Nikolai Stolyarchuk in einem Statement. „Ich bin außerdem der Meinung, dass es gleichgeschlechtliche Partner nicht erlaubt werden darf, Kinder zu adoptieren“

Schauspieler entschuldigt sich

Der Schauspieler Alexander Filimonenko, der den zweiten Vater darstellte, entschuldigte sich inzwischen öffentlich: „Liebe Freunde, ich möchte mein Bedauern über die Situation mit dem Video, das ich gedreht habe, äußern“, schrieb er auf Instagram. „Es tut mir sehr Leid, dass ich damit in die Politik reingezogen wurde. Ich wollte auf keinen Fall jemanden verletzen.“

Gegenüber der Webseite Coda hatte Filimonenko zuvor gesagt, dass er kein Problem mit Homosexuellen habe und nicht wusste, wer der Auftraggeber des Werbespots war. Er selbst werde gegen die Verfassungsänderung stimmen, aber nur aus Ärger über ein Bußgeld wegen eines Verstoßes gegen die Corona-Regeln.

Der restliche Cast wollte sich nicht äußern. Ihnen waren, wie Filimonenko sagte, Interviews untersagt worden, nachdem Kritik an dem Werbespot aufgekommen war.

Auf Youtube gelöscht, aber auf VKontakte noch vorhanden

Die Proteste hatten indes Erfolg: Youtube löschte das Video am Mittwoch von seinen Servern (dort ist nur noch eine kommentierte Fassung zu sehen, siehe unten). Auf der reichweitenstarken (mit Facebook vergleichbaren) Social Media-Plattform VKontakte steht er aber weiterhin und hat dort bereits über eine Million Klicks.

Die Verfassungsänderung wurde vom russischen Parlament Duma bereits im März angenommen. Auch bei der Volksabstimmung, die wegen der Corona-Krise vom 22. April auf den 1. Juli verschoben wurde, wird mit einem „Ja“ gerechnet.

 

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