L-Mag

Knisternde Leidenschaft, verzweifeltes Begehren

Sinnlich, erotisch und bildgewaltig erzählt der Film „The Duke of Burgundy“ von einem Frauenpaar, das sich heiß begehrt, aber an seinen eigenen strengen S/M-Ritualen zu ersticken droht. Jetzt bei der L-Filmnacht und ab 3. Dez. im Kino.

Evelyn (Chiara d'Anna) und Cynthia (Sidse Babett Knudsen) - Foto: Edition Salzgeber

Von Isabel Lerch

l-mag.de, 23.11.2015 - Abgeschieden inmitten einer idyllischen Landschaft leben Cynthia (Sidse Babett Knudsen) und Evelyn (Chiara d’Anna) in einem alten herrschaftlichen Haus. Ihre Tage laufen immer nach dem gleichen Muster ab: Während die strenge Cynthia ihrer Arbeit als Schmetterlingsforscherin nachgeht, kommandiert sie die unterwürfige Cynthia zu entwürdigenden Tätigkeiten ab.

Was zunächst wie ein distanziertes Arbeitsverhältnis wirkt, entpuppt sich bald als das alltägliche erotische Ritual eines außergewöhnlichen Liebespaares. Nach außen hin unauffällig, gehen die beiden Frauen in den vier Wänden des mysteriösen Herrenhauses ihren sexuellen Machtspielchen nach. Doch die Stimmung droht zu kippen, als Cynthia zu zweifeln beginnt und sich eines Tages nicht mehr an das vereinbarte Codewort hält.

Knisternde Erotik und Liebe zum subtilen Detail

Neben der offensichtlichen Erotik erzählt der Film vor allem die Geschichte der tragischen Liebe eines Paares, das sich zwar heiß begehrt, aber zugleich in den selbst auferlegten, strengen Ritualen zu ersticken droht. Die Spannung zwischen den beiden Frauen ist in jeder Szene förmlich zu greifen - knisternde Leidenschaft vermischt sich spielend mit kalter Entfremdung. Dieses Rollenspiel aus Macht, Unterwerfung und Begehren ist unglaublich reizvoll und sexy. Aber auch verstörend und dunkel.

Die sinnliche Faszination des Films entfaltet sich über die Bandbreite an Geräuschen: Das harte Klackern einer Schreibmaschine, das elektrische Knistern der Strümpfe oder das penetrante Surren nachtaktiver Insekten lassen sinnlich am Film teilhaben. Zudem zelebriert The Duke of Burgundy mit malerischen Naturbildern, faszinierenden Nahaufnahmen bunter Schmetterlingsflügel und traumhaften Bildschleifen die Liebe zum visuellen Detail.

Eine betörende filmische Fantasie

Fazit: Es kribbelt heftig zwischen den Beinen. Regisseur Peter Strickland zaubert eine große filmische Fantasie, die vor Erotik, Sinnlichkeit und subtilem Psychothrill nur so sprudelt. Lange gab es keinen Film, der die Geschichte eines fast schon verzweifelten Begehrens so fesselnd erzählt hat. Der Streifen hat das Potenzial zum Kultfilm. Also: Unbedingt anschauen!

Der Film läuft noch bis Ende November bundesweit bei der L-Filmnacht und ab dem 3. Dezember im Kino.

Duke of Burgundy (GB, 2015), Regie: Peter Strickland, mit Sidse Babett Knudsen und Chiara d‘Anna, 106 min., OmU

 


L-MAG.de finde ich gut!

Wir versorgen dich kostenlos mit K-Word, Filmtipps und internationalen News. Obendrauf schenken wir dir während Corona-Krise jeden Samstag eine L-MAG-Ausgabe als E-Paper.

Doch wir wollen auch nach Corona noch da sein und für lesbische Sichtbarkeit sorgen! Der Verlag Special Media, in dem L-MAG erscheint, finanziert sich überwiegend über das kostenlose queere Berliner Stadtmagazin SIEGESSÄULE. Wegen Veranstaltungsabsagen und Schließungen kam es zu einem massiven Einbruch der Anzeigen, die das Heft und den Verlag finanzieren. Die Umsätze von L-MAG reichen leider nur für einen kleinen Teil der Verlagsinfrastruktur aus.

Deshalb brauchen wir deine Hilfe! Spende ganz einfach online: einmalig 1 Euro oder gleich 10 Euro fürs ganze Jahr.

Vielen Dank! Dein L-MAG-Team

L-MAG.de finde ich gut!

Diese Website verwendet Cookies, Google Analytics und den Adserver Google DFP. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, stimmen Sie dem zu.
Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK

L-MAG.de finde ich gut!

Wir versorgen dich kostenlos mit K-Word, Filmtipps und internationalen News. Obendrauf schenken wir dir während Corona-Krise jeden Samstag eine L-MAG-Ausgabe als E-Paper.

Doch wir wollen auch nach Corona noch da sein und für lesbische Sichtbarkeit sorgen! Der Verlag Special Media, in dem L-MAG erscheint, finanziert sich überwiegend über das kostenlose queere Berliner Stadtmagazin SIEGESSÄULE. Wegen Veranstaltungsabsagen und Schließungen kam es zu einem massiven Einbruch der Anzeigen, die das Heft und den Verlag finanzieren. Die Umsätze von L-MAG reichen leider nur für einen kleinen Teil der Verlagsinfrastruktur aus.

Deshalb brauchen wir deine Hilfe! Spende ganz einfach online: einmalig 1 Euro oder gleich 10 Euro fürs ganze Jahr.

Vielen Dank! Dein L-MAG-Team

Nein Danke, möchte ich nicht | Hab schon!

L-MAG.de finde ich gut!
x