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Lebensbejahender queerer Protest gegen den „Marsch für das Leben“

Heute demonstrieren in Berlin wieder die christlich-fundamentalen und LGBTQ-feindlichen „Lebensschützer“. Ihr jährlicher „Marsch für das Leben“ wird von queeren und feministischen Aktionen begleitet.

Siegessäule Abschlusskundgebung des „Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung“, 2016 in Berlin

Von Franziska Schulteß

19.9.2020 - Alle Jahre wieder: am Samstag, den 19. September, wollen wieder selbst ernannte „Lebenschützer*innen“ durch Berlin ziehen. Mit ihrem „Marsch für das Leben“ fordern sie ein komplettes Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Hinter der Demo steht ein breites Bündnis christlicher, konservativer bis reaktionärer und rechter Gruppen, aus deren Umfeld immer wieder auch LGBTI*-feindliche Botschaften verbreitet werden.

Als Protest gegen den „Marsch“ und seine Inhalte sind wieder einige Aktionen geplant.

Queer-feministische „Pro Choice-Rallye“

Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen organisiert das queer-feministische Bündnis „What the fuck?!“ in diesem Jahr, statt einer größeren Straßendemo, eine „Pro-Choice-Rallye“ mit kleineren Kundgebungen und Aktionen, ab 12 Uhr in Berlin-Mitte. Jede der insgesamt sechs Kundgebungen hat ein eigenes Thema, so etwa zu queeren Perspektiven im Gesundheitssystem oder zu Sexarbeit.

Das Bündnis habe sich bewusst für eine „kontaktarme Protestform“ entschieden, sagt Pressesprecherin Lili Kramer. Die Mobilisierung zu dem „Marsch“ zeige, dass es den „so genannten Lebenschützer*innen alles andere als um den Schutz von Leben geht. Sie riskieren, dass Menschen sich mit Corona anstecken, wenn sie dazu aufrufen, massenhaft aus ganz Deutschland nach Berlin anzureisen.” Infos über die Treffpunkte zur Rallye gibt´s auf der Website des Bündnisses.

Kundgebung „Leben-Lieben-Selbstbestimmt“

Unter dem Motto „Leben-Lieben-Selbstbestimmt“ plant auch das „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ eine eigene Kundgebung gegen den Marsch (12 Uhr, Pariser Platz). Gefordert wird unter anderem, den Paragraphen 218 StGB, der Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt, abzuschaffen – auch wenn er nur noch unter bestimmten Bedingungen angewandt wird. Der Paragraph wurde bereits vor knapp 150 Jahren formuliert. „Es ist eine Schande, dass Menschen in Deutschland bereits seit 150 Jahren gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen kämpfen müssen“, sagt Ines Scheibe, Mitbegründerin des Bündnisses. Um etwa 13:15 Uhr startet eine Fotoaktion zur Kampagne „150 Jahre Widerstand gegen §218“.

Queer-feministische Wasser-Demo

Eine „queer-feministische Wasser-Demo“ mit Booten auf der Spree startet um 13 Uhr am Washingtonplatz. „Seit Jahrzehnten kämpfen Frauen* und Queers für ihr Selbstbestimmungsrecht auf Körper und Sexualität und das Recht auf Abtreibung. Diese Kämpfe sind aktueller denn je“, heißt es in einer Pressemitteilung zur Aktion.

Internationaler Safe Abortion Day 2020

Eine Woche später, am 28. September, wird dann noch der Internationale Safe Abortion Day 2020 begangen. Bundesweit rufen dazu über 80 Institutionen, Parteien und Bündnisse auf. Unter dem Motto „Schwangerschaftsversorgung ist Grundversorgung“ wird darauf hingewiesen, dass die Zahl der Arztpraxen und Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, dramatisch gesunken ist. Die Corona-Krise habe die Situation noch einmal verschärft.

 

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