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Lesbische Sportlerinnen in Rio

Bei den Olympischen Spielen sind 53 offen lesbische/ bisexuelle (und 11 schwule) Teilnehmer am Start, darunter drei Deutsche - und ein Ehepaar! Beachvolleyball, Fußball, Hockey, Schwimmen und 15 weitere Sportarten: wir stellen sie alle vor! (Teil 1)

Kish/ Twitter Dieses Fotomotiv bringen sie alle mit nach Hause - hier das kanadische Rugby-Team mit seiner lesbischen Kapitänin Jen Kish (vorne, 2.v.r.)

Von Karin Schupp, l-mag.de, 6.8.2016

MIT AKTUELLEN UPDATES! Hier geht's zu Teil 2.

Mindestens 64 offen lesbische, bisexuelle und schwule Athleten aus fünfzehn Ländern treten bei den Olympischen Spielen 2016 an – so viele wie nie zuvor! (In London 2012 waren es 23, in Peking 2008 nur 12.) Die meisten Lesben und Schwulen stammen aus den USA, Großbritannien und den Niederlanden - und (nur) drei aus Deutschland.

So viele wie nie zuvor - und doch nur 0,5 Prozent

Bei über 10.500 Teilnehmern macht der queere Anteil allerdings nur 0,6 % aus, und wenn wir unseren Gaydar über die Fußballplätze, durch die Stadien und Hallen schweifen lassen, lässt sich wohl zu Recht erahnen, dass tatsächlich noch viel mehr Lesben und Schwule in Brasilien um Medaillen kämpfen. Vielleicht lassen sich einige im Laufe der Spiele noch zu einem Coming Out inspirieren - ein großes Interview ist dafür heutzutage ja gar nicht mehr nötig: Ein Posting bei Facebook oder ein Twitter-Gruß an die Liebste zu Hause genügen völlig. Und 2020 in Tokio können wir dann vielleicht schon über ein L-MAG-Sammelbildchen-Album nachdenken…

Deutlich mehr Frauen als Männer

Die Frauen tun sich mit dem Coming Out ganz offensichtlich leichter als die Männer: 53 offen lesbische und bisexuelle Sportlerinnen in 19 Sportarten treten an, manche schon immer offen lebend, andere erst seit ein paar Tagen.

R. Roletschek,Ailura,B. Stettler,E. v.Leeuwen Nadine Müller, Melanie Strutz, Sunette Viljoen, Caster Semenya (v.l.n.r.) - Fotos: Ralf Roletschek, Ailura, Berend Steller/ alle: CC/BY/SA, Erik van Leeuwen/ GFDL

Leichtathletik:

Diskuswerferin Nadine Müller (30), Vizeweltmeisterin 2011 und WM-Dritte 2015, warf im Vorfeld ihre Saison-Bestweite von 66,84 Meter: Eine Medaille könnte also drin sein. Die Polizistin outete sich Anfang 2014, indem sie ihre Verpartnerung öffentlich machte (K-Word #25). Diesen Weg wählte auch ihre Zimmergenossin bei der WM 2015 in Peking, die Stabhochspringerin Martina Strutz (34). Die amtierende deutsche Meisterin und Vize-Europameisterin 2012 verpartnerte sich im letzten Jahr. Auf Medaillenkurs im Speerwurf geht die südafrikanische Meisterin Sunette Viljoen (32). In London 2012 verpasste sie um nur 0,38 cm die Bronzemedaille, lernte aber in derselben Woche die Frau ihres Lebens, die Journalistin LiMari Louw, kennen, wie sie kurz darauf auf Facebook schrieb. Ihre Familie - auch darüber spricht sie offen - akzeptiert ihre Homosexualität bis heute nicht. UPDATE: Mittlerweile auch offen lesbisch ist ihre Landsfrau Caster Semenya, Silber 2012 im 800 Meter-Lauf, die Ende 2015 ihre langjährige Freundin Violet Raseboya heiratete.

A. Toritsyn/CC-BY-SA, Instagram, F. Frazao Larissa França, Marleen van Iersel und Kira Walkenhorst (v.l.n.r.) - Fotos: Aleksey Toritsyn, CC-BY-SA, Instagram/ van Iersel, Fernando Frazão/ Agência Brasil/ CC-BY

Beachvolleyball:

Larissa França (34) gehört zu Brasiliens Medaillen-Hoffnungen: 2011 war sie Weltmeisterin, in London 2012 gewann sie Bronze. Vor zwei Jahren outete sie sich mit einer Liebeserkärung an ihre Freundin, die Ex-Beachvolleyballerin Lili Maestrini, auf Facebook, ein Monat später heirateten sie.

UPDATE I: Marleen van Iersel (28), Europameistern 2014, tritt für die Niederlande an. Im September heiratet sie ihre Freundin Myrte Ramond.

UPDATE II (25. Aug.): Kira Walkenhorst (25), die mit Laura Ludwig Gold holte, wurde - wie das Hamburger Abendblatt ganz nebenbei berichtete - am Flughafen von ihrer Freundin, der Beachvolleyball-Trainerin Maria Kleefisch, abgeholt und innig begrüßt.

O.Kosinsky/CC-BY-SA,J-C Mouton/CC-BY-NC-ND Anne Buijs, Mélanie Henique, Tessie Savelkouls, Rafaela Silva (v.l.n.r.) - Fotos: Olaf Kosinsky / CC-BY-SA, Jean-Claude Mouton/ CC-BY-NC-ND, Facebook/ Savelkouls, Instagram/ Silva

UPDATE - Volleyball:

Anne Buijs (25) bleibt nach den Olympischen Spielen gleich in Brasilien, wo die holländische Spielerin bei einem Club in Rio unterschrieben hat. Das bedeutet dann wohl weiterhin eine Fernbeziehung mit ihrer Freundin, der deutschen Nationalspielerin Lisa Thomsen, mit der sie Anfang 2012 während ihrer gemeinsamen Zeit beim Schweriner SC zusammenkam.

UPDATE - Judo:

Über Rafaela Silva, die die erste Goldmedaille für Brasilien holte, berichteten alle Medien des Landes – und erwähnten meistens auch ihre Freundin Thamara Cezar, mit der sie seit drei Jahren zusammen ist.

Die holländische Judoka Tessie Savelkouls meldete sich selbst bei der Webseite Outsports, weil sie gerne auf deren Liste der offen LGBT-Olympioniken stehen wollte.

Schwimmen:

Butterfly-Spezialistin Mélanie Henique (23) – sie gewann WM-Bronze 2011 - tritt im 50 m Freistil an. Im letzten Jahr machte die Französin öffentlich, dass ihr bei einem homophoben Angriff in ihrer Heimatstadt Amiens die Nase gebrochen wurde – zugleich ihr öffentliches Coming Out (K-Word #104). Anfang Juli verlobte sie sich mit ihrer Freundin.

UPDATE: Die Italienerin Rachele Bruni (25) widmete am Montag ihre Silbermedaille im 10 km Freiwasserschwimmen ihrer Freundin Diletta Faina, die sie nach Rio begleitet hatte. Das Interview in der großen Tageszeitung Repubblica war zwar ihr öffentliches Coming Out in den klassischen Medien, offen lesbisch lebte die achtfache europäische Meisterin davor aber auch schon. „Ich habe immer ganz normal gelebt, ohne Probleme“, sagte sie in einem anderen Interview. „Ein großes Coming Out hatte ich nie.“

Twitter/ Muskens, Instagram/ Faina Eefje Muskens (l.), Rachele Bruni (ganz rechts) und ihre Freundin Diletta Faina

UPDATE - Badminton:

Auch die niederländische Spielerin Eefje Muskens (27), 2014 EM-Dritte im Doppel, erwähnte in einem Olympia-Interview ihre Freundin, lebte aber auch vorher schon offen lesbisch.

Agencia Brasil Fotografias, CC-BY/ Instagram Júlia Vasoncelos, Meghan O'Leary

UPDATE – Taekwondo:

Júlia Vasconcelos (24) gehört zu den fünf offen lesbischen Brasilianerinnen (plus ein Schwuler) bei den Olympischen Spielen, sportlich rangiert sie eher in der „Dabei sein ist alles“-Liga.

UPDATE – Rudern:

Die US-Amerikanerin Meghan O’Leary (32), die im Doppelzweier antrat, outete sich nach ihrem Wettkampf in Rio in einem Videointerview mit der LGBT-Webseite Advocate.

Karwoski/CC-BY-SA,TonyTheTiger/CC-BY,Instagr. Seimone Augustus, Angel McCoughtry, Elena Delle Donne, Brittney Griner (im Uhrzeigersinn von links oben) - Fotos: Danny Karwoski/ CC-BY-SA (oben), TonyTheTiger/ CC-BY, Delle Donne/ Instagram, Griner/ Instagram

Basketball:

Das US-Team, seit 1996 ungeschlagener Olympiasieger, hat vier lesbische Stars in seinen Reihen. Ganz frisch geoutet: Elena Delle Donne (26), einer der größten und bestverdienendsten Basketball-Stars, die für ein Porträt in der aktuellen US-Vogue ihre Lebensgefährtin Amanda Clifton nicht versteckte. Ihre beste Freundin Brittney Griner (25) outete sich 2013 und war letztes Jahr in den Schlagzeilen, als sie und ihre Verlobte, Basketballprofi Glory Johnson, sich verprügelten, dann heirateten, Johnsons Schwangerschaft mit Zwillingen ankündigten und sich trennten – und all das innerhalb eines Monats (K-Word #104). Seimone Augustus (32), die sich als eine der prominentesten US-Sportlerinnen für die Ehe-Öffnung engagierte, heiratete 2015 ihre Freundin LaTaya Varner. Sie war schon 2012 in London dabei, ebenso wie Angel McCoughtry (29), die im Frühjahr 2015 öffentlich machte, dass sie von ihrem damaligen Club in Istanbul als Lesbe diskriminiert wurde. Seit 2014 ist sie mit Brande Elise verlobt.

Jan Willem/ CC-BY-SA, Nick/ CC-BY Carlien Dirkse van den Heuvel (l.) und Maartje Paumen

Hockey:

Mit fünf lesbischen Spielerinnen liegt das Frauen-Hockey-Turnier auf Platz 2 der olympischen Lesben-Sportarten: Im favorisierten niederländischen Team wollen Teamkapitänin Maartje Paumen und Carlien Dirkse van den Heuvel, die lange ein Paar waren, ihr Olympia-Gold von 2008 und 2012 verteidigen. Da ihre zwei lesbischen Kolleginnen Marilyn Agliotti und Kim Lammers in Rio nicht mehr dabei sind, werden die Holländerinnen in diesem Jahr zahlenmäßig von Team GB überrundet, das zudem das erste homosexuelle Ehepaar, das zusammen bei olympischen Spielen antritt, in ihren Reihen hat:

Twitter, Instagram Susannah Townsend, Helen und Kate Richardson-Walsh (v.l.n.r.)

Kate Richardson-Walsh (36), Kapitänin und Rekordnationalspielerin, und Helen Richardson-Walsh (34), verheiratet seit 2013. Neu in der der britischen Mannschaft (Bronze in London 2012) ist Susannah Townsend (27), deren Freundin Dirkie Chamberlain mit dem südafrikanischen Hockey-Nationalteam leider die Qualifikation für Rio verpasste.

Instagram, Twitter Jen Kish, Kelly Griffin, Jillion Potter (v.l.n.r.)

Rugby:

Im ersten olympischen Rugby-Wettbewerb seit 92 Jahren stehen vier weitere selbstbewusste Lesben auf dem Platz:

Dass die kanadische Team-Kapitänin Jen Kish (28), eine der sieben besten Spielerinnen der Welt, mit Nadene Selewich verlobt ist, steht auf der offiziellen Team-Webseite, in den Social Media zeigt sie sie allerdings nicht vor - genau wie Kelly Griffin (29), Kapitänin von Team USA, die mit ihrer Frau Ashley Griffin zwei Kinder hat. Ebenfalls im US-Team: Jillion Potter (30), die nach einem Genickbruch 2010 auch eine Krebserkrankung überlebte. Mit ihrer Frau Carol Fabrizio tritt sie in einem Olympia-Trailer des US-Senders NBC auf.

UPDATE: Nach dem Finale Australien vs. Neuseeland machte Volunteer Marjorie Enya der brasilianischen Nationalspielerin Isadora Cerullo (25) auf dem Platz einen Heiratsantrag – ein Bild, das dank zahlreicher Fotografen sofort um die Welt ging. Die beiden sind seit zwei Jahren ein Paar.

Instagram, Terry George/CC-BY-NC-SA, Twitter Isadora Cerullo, Nicola Adams, Linda Villumsen (v.l.n.r.)

Boxen:

Als die Britin Nicola Adams (33) bei den Olympischen Spielen in London 2012 als erste Frau eine Goldmedaille im Boxen gewann, war sie schon offen bisexuell. Im selben Jahr wurde sie zur einflussreichsten LGBT-Persönlichkeit in Großbritannien gekürt und einen königlichen Orden bekam sie natürlich auch.

UPDATE - Radrennfahren:

Die gebürtige Dänin Linda Villumsen (31) ist seit 2009 Neuseeländerin und lebt mit der Ex-Radrennfahrerin Emma Trott (GB) zusammen. 2015 wurde sie Weltmeisterin im Einzelzeitfahren, in Rio reichte es leider nur für Platz 6.

Hier geht's zu Teil 2: Noch mehr Lesben, darunter auch das homosexuellste Team der Olympischen Spiele - und weitere Updates!

Anm.: Als “offen lesbisch/ bisexuell” gilt, wer sich in einem Interview geoutet hat oder sich auf seinem öffentlichen Social Media-Profil eindeutig dazu geäußert hat. Fotos von mutmaßlichen Freundinnen und "offene Geheimnisse" genügen nicht.

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