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Lesbenfeindlicher Angriff in Berlin - „Kein dummer Streich, sondern bewusst provoziert“

Bei Dreharbeiten zu einem Pride-Video kam es in Berlin am Wochenende zu einem homophoben Übergriff auf die Geschäftsführerin eines Lesbenvereins. Die richtete jetzt in einem Video einen eindringlichen Appell an die LGBT-Community.

RuT/ FacebookRuT-Mitarbeiterinnen bedanken sich für die Unterstützung in Coronazeiten

Von Karin Schupp

30.6.2020 - In Berlin-Neukölln wurde die Geschäftsführerin der lesbischen Initiative „Rad und Tat e.V.“ (RuT) am Samstag von drei Männern beschimpft und bedroht, als sie vor den Räumen des Vereins für eine Pride-Kampagne der Partei DIE LINKE gefilmt wurde.

„Eigentlich hatte ich mich darauf gefreut, vor laufender Kamera im Schillerkiez ein Statement abzugeben zu queeren Räumen in der Corona-Zeit und über lesbische Sichtbarkeit. Es sollte aber alles ganz anders kommen“, sagte Ina Rosenthal in einem Video-Statement (siehe unten), das sie am nächsten Tag auf Facebook veröffentlichte. Die jungen Männer hätten den Dreh gestört und sie selbst und den Kameramann beleidigt, bedrängt und mit körperlicher Gewalt bedroht. „‘Scheiß-Lesbe‘ und ‚ich mach dich platt‘ waren dabei noch die nettesten Worte“, sagt Rosenthal.

„Schweigen und Wegsehen haben noch nie zu etwas Gutem geführt“

Eine Stunde lang blockierten die homophoben Täter den Dreh, und ganze drei Mal mussten sie die Polizei rufen, bis sie endlich kam. Besonders schockiert war die lesbische Aktivistin aber davon, „dass all das möglich war unter den zahlreichen Blicken von Passanten. Die Menschen haben einfach zugeschaut, sich umgedreht und sind weitergegangen. Das war der Moment, in dem ich tatsächlich Angst bekommen habe. Schweigen und Wegsehen hat noch nie zu etwas Gutem geführt!“

Sowohl Rosenthal als auch der ebenfalls anwesende Daniel Bache, Bundessprecher der Arbeitsgemeinschaft DIE LINKE.queer, sind davon überzeugt, dass der Angriff kein spontaner „dummer Streich“ war.

Gewalt gegen Lesben soll nicht unsichtbar bleiben

„Aus dem Verhalten der Männer ging eindeutig hervor, dass es sich nicht um einen einfachen Dummejungenstreich handelte, sondern um einen bewussten Angriff“, sagte Bache gestern in einer Presseerklärung. „In der jüngeren Vergangenheit ist es vermehrt zu Angriffen auf die Räume des Vereins und seine Mitarbeiterinnen gekommen. Offen sichtbares, lesbisches Leben stellt für rechtsextreme und extrem konservative Kreise verschiedener kultureller und religiöser Prägung offensichtlich eine besondere Bedrohung dar.“

Ina Rosenthal freute sich zwar, „diesmal mit heiler Haut davon gekommen“ zu sein, appellierte aber eindringlich: „Lasst uns dafür sorgen, dass solche ‚diesmals‘ in Zukunft weniger werden. Werdet laut mit mir, mischt euch ein, wenn ihr Unrecht seht!“ Sie habe den Vorfall öffentlich gemacht, „damit ihr davon erfahrt, damit solche Angriffe nicht einfach vergessen werden und somit wieder einmal Gewalt gegen Lesben unsichtbar bleibt. Lasst uns stolz sein und lasst uns laut sein, lass uns nein sagen gegen jegliche Form von Gewalt. Lasst uns sichtbar sein und erzählt eure Geschichte!“

Der Clip der LINKE zum Thema „Queere Freiräume erhalten“ steht seit Montag online. Ina Rosenthal kommt darin ab Min. 2:45 zu Wort, der Angriff ist darin nicht zu sehen.

 

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