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Lesbenpaar in Amsterdam verprügelt

Ein Händchen haltendes Frauenpaar wurde am Pride-Wochenende in Amsterdam angegriffen und verprügelt. „Die Leute fragen manchmal, warum wir noch den CSD feiern. Warum man darüber überhaupt noch reden muss“, sagt eine der beiden Frauen. „Deshalb!"

Victor BS/ CC-BY-NC-ND

Von Karin Schupp

7.8.2019 - Ausgerechnet am Pride-Wochenende in Amsterdam wurde ein lesbisches Paar von zwei Männern verprügelt. Katya Sazanova (29) und ihre Freundin Ana Camboim (26) spazierten am frühen Samstagmorgen gegen 5 Uhr Hand in Hand durch eine Gasse in der Innenstadt, als sie von zwei Männern auf einem Motorroller blöd angemacht wurden. „Oh, ihr seid ja hot, können wir mitmachen?“ rief einer von ihnen, worauf die beiden sie aufforderten, weiterzufahren. Das Gegenteil passierte: Die Männer sprangen vom Roller, schlugen ihnen ins Gesicht, schubsen Sazanova zu Boden und hinterließen sie mit blauen Flecken, einer gebrochenen Nase und einer geschwollenen Lippe.

„Es war so beängstigend. Zu Hause haben wir nur geweint“, sagte Sazanova der Zeitung Het Parool. „Meine Freundin kommt aus Brasilien und ich aus Kasachstan. Wir würden so etwas in unserem eigenen Land erwarten, aber nicht in Amsterdam. Und dann auch noch während des CSD.“ 

Die Polizei habe dem Paar, das in Amsterdam lebt und arbeitet, wenig Hoffnung gemacht, die Täter zu finden. „Es war dunkel, sie hatten einen schwarzen Roller und wir erinnerten uns nicht an das Nummernschild“, so Sazanova.

Polizei sichtet Bilder aus Überwachungskameras

Ein Polizeisprecher widersprach ihr am Montag. „Es ist eine verfrühte Schlussfolgerung, dass die Wahrscheinlichkeit die Täter zu fassen, sehr gering ist“, sagte er gegenüber Het Parool. „Tatsache ist, dass die Spuren derzeit nicht sehr zahlreich sind. Dennoch steht außer Frage, dass wir diese Angelegenheit gründlich untersuchen und die Verantwortlichen unbedingt zur Verantwortung ziehen wollen.“ Derzeit sichte man Kamerabilder von Privat- und Überwachungskameras aus der Gegend.

„Die Leute fragen manchmal, warum wir noch den CSD feiern. Warum man darüber überhaupt noch reden muss. Deshalb!“, sagte Sazanova. „Was uns passiert ist, kann jedem Paar passieren. Es passiert immer noch. Auch in Amsterdam.“

Im Juni ging der Fall eines Frauenpaars durch die Medien, das in einem Londoner Nachtbus verprügelt worden war (wir berichteten). Die Täter, vier männliche Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17, wurden kurz darauf gefasst, ihr Prozess beginnt am 21. August.

Auch in Deutschland ist die Zahl der homo- und transphoben Gewalttaten gestiegen (wir berichteten). Allein in Berlin wurden am vergangenen Wochenende ein trans Mann und seine Freund*innen angegriffen, eine trans Frau wurde an einem U-Bahnhof beleidigt und mit Reizgas bedroht. Im Juni holten zwei Berliner Lesben die Polizei, nachdem sie von einem Mann homophob beschimpft und geschlagen worden waren. 

Bei Gewalterfahrungen könnt ihr euch an das Berliner Projekt L-Support wenden, die einzige Einrichtung in Deutschland, die sich ausdrücklich an lesbische, bisexuelle und queere Frauen wendet.

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