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„Little Women“: Fast ein bisschen lesbisch

Frauenpower vor und hinter der Kamera: Greta Gerwigs historische Romanverfilmung „Little Women“ mit Saoirse Ronan und Emma Watson punktet mit weiblichem Fokus, einer modernen Frauenfigur und einer fast queeren Geschichte. Ab 30. Jan. im Kino.

Sony Pictures Im falschen Jahrhundert geboren: Jo (Saoirse Ronan)

Von Dana Müller

29.1.2020 - Starke Frauen mit einem unbändigen Willen und vier individuelle Lebenswegen: Little Women erzählt die außergewöhnliche Geschichte der Familie March, in deren Zentrum die vier Schwestern Jo, Meg, Amy und Beth stehen, die jede auf ihre Weise eine andere eindrucksvolle Frauenrollen des 19. Jahrhunderts verkörpern.

Und damit nicht genug Female Story: wegweisendes Vorbild in der Familie ist Mutter „Marmee“ March, grandios gespielt von Laura Dern (Marriage Story). Während ihr Mann im amerikanischen Sezessionskrieg (1861-1865) für die Abschaffung der Sklaverei kämpft, versorgt sie Hilfsbedürftige und Kriegsveteranen, wenn es sein muss auch mit ihren letzten Lebensmitteln.

Jo kommt ganz schön queer daher

„Es ist die Geschichte meines Lebens und meiner Schwestern“, erzählt Jo, die rebellische Schwester, authentisch und überzeugend gespielt von Saoirse Ronan (Lady Bird). Sie kämpft für ein unabhängigen Leben als Schriftstellerin und Journalistin. In ihrem Wunsch nach Emanzipation, der Verweigerung von Ehe und Liebe zu einem Mann kommt sie ganz schön queer daher.

„Ich habe es so satt, wenn Leute sagen, dass Liebe das Einzige ist, wozu eine Frau fähig ist!“, schimpft sie wütend. Als lesbische Zuschauerin wartet man die ganze Zeit auf Jos Coming Out… doch leider, leider bleibt die Story (wie auch in der Romanvorlage von 1868), trotz eines gewissen lesbischen Kribbelns, bis zum Schluss hetero.

Ein Bild der Zeit aus weiblicher Perspektive

Im Gegensatz zu der rebellischen Jo brennt ihre Schwester Meg (Emma Watson, Harry Potter) für den traditionellen Weg: Traum-Hochzeit, kitschige Kleider, Kinder, Haushalt. Amy (Florence Pugh) wiederum schwankt zwischen Tradition und eigenen Träumen, sie versucht sich als trotzige Künstlerin in der Pariser Bohème, während die vierte Schwester Beth (Eliza Scanlen, Sharp Objects) als Verständnisvolle und Ausgleichende daherkommt. Die Dynamik der Vier zeichnet eindrucksvoll ein Bild der Zeit aus weiblicher Perspektive.

Und das Drama punktet mit noch einem weiteren eindrucksvollen Charakter. Als Symbol für Tradition und Geschlechter-Rollen erhebt niemand geringeres als Meryl Streep den konservativen Zeigefinger und verkündet als zynische Tante: „Niemand geht seinen eigenen Weg – am wenigsten Frauen.“

Alcott: „Ich habe mich in so viele hübsche Mädchen verliebt“

Vorlage für den Film ist der in zwei Teilen erschienene, teils autobiografische Roman Little Women (1868, 1869). Autorin Louisa May Alcott verarbeitete darin ihre eigene Familiengeschichte und erzielte damit einen großen Erfolg, der ein literarisches Emanzipationszeichen setzte und vor allem männliche Kritiker ihrer Zeit in die Schranken wies.

Alcott selbst blieb bis zu ihrem Tot 1888 unverheiratet und glühende Feministin. Das lässt zumindest US-amerikanische Historikerinnen über ihre sexuelle Identität spekulieren - immerhin wird ihr auch dieses Zitat zugeschrieben: „Ich bin mehr als halbwegs davon überzeugt, dass ich eine Männerseele bin, die aus irgendeiner dubiosen Laune der Natur heraus in den Körper einer Frau gesteckt wurde. Denn ich habe mich in so viele hübsche Mädchen und kein einziges Mal in einen Mann verliebt.“

Für fünf Oscars nominiert, darunter als „Bester Film“

Das Historiendrama entstand mit geballter Frauenpower: Regie führte Greta Gerwig (Lady Bird), die auch das Drehbuch schrieb, Amy Pascal (Die Verlegerin), Denise Di Novi (Crazy. Stupid. Love) und Robin Swicord (Betty und ihre Schwestern) produzierten.

Damit zeigt sich einmal mehr: wenn Frauen hinter den Kulissen an entscheidenden Stellen mitwirken, werden nicht nur weibliche Geschichten adaptiert, sondern auch andere Perspektiven präsentiert. Der Film bringt anmutig und berührend das Leben und den Anspruch von Frauen im 19. Jahrhundert auf die Leinwand - ein wahrlich wichtiger Schritt der Filmgeschichte.

Kurz nach dem Kinostart in Deutschland werden am 9. Februar die Oscars verliehen. Little Women wurde mit sechs Nominierungen belohnt, darunter als „Bester Film“, Saoirse Ronan als beste Haupt- und Florence Pugh als beste Nebendarstellerin. Auch wenn der Film nur fast lesbisch ist: so viel weibliche Power muss dringend belohnt werden! Wir drücken die Daumen!

Little Women (USA, 2019), Regie/ Buch: Greta Gerwig, mit: Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Eliza Scanlen, Meryl Streep, Laura Dern, Timothée Chalamet, 135 min, Kinostart: 30. Januar 2020

 

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