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London: Jugendliche Täter nach homophobem Überfall auf Lesbenpaar vor Gericht

Drei männliche Jugendliche bekannten sich schuldig, in einem Londoner Nachtbus ein Frauenpaar belästigt, geschlagen und ausgeraubt zu haben - der Fall ging im Juni um die Welt. Die Richterin erkannte klar einen homophoben Hintergrund.

Geymonat/ Facebook Christine (l.) und Melania direkt nach dem Überfall

Von Karin Schupp

3.12.2019 - Das Foto ging im Juni durch die Medien: Melania Ramirez* und Christine Hannigan machten damit einen homophoben Überfall öffentlich, den sie in einem Londoner Nachtbus erleben mussten: Mehrere männliche Jugendliche hatten das Paar homophob angepöbelt, mit vulgären Gesten und dem Bewerfen mit Münzen provoziert und sie schließlich, als sie sich wehrten, niedergeschlagen und ausgeraubt (wir berichteten).

Drei der Täter bekannten sich jetzt von einem Jugendgericht im Londoner Stadtteil Highbury als schuldig. Der Älteste, ein 17-Jähriger, bekam am Freitag einen viermonatige Jugendstrafe mit folgenden Auflagen: Er darf in diesem Zeitraum keinen Kontakt zu seinen Mittätern haben und muss 20 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Außerdem verhängt die Richterin eine zweiwöchige abendliche Ausgangssperre und forderte ihn auf, dem Paar einen Entschuldigungsbrief zu schreiben.

Das Urteil für die beiden anderen Beschuldigten (15 und 16 Jahre alt), die zudem Handtasche, Handy und eine Bankkarte des Paars gestohlen hatten, wird am 19. bzw. 23. Dezember verkündet. Die Vorwürfe gegen einen vierten Jugendlichen wurden aus Mangel an Beweisen fallen gelassen.

Einer der Täter will nicht aus Homophobie gehandelt haben

Die drei Täter hatten schon vor der Verhandlung gestanden, das Paar belästigt und bedroht zu haben, aber die beiden Frauen mussten dennoch als Zeuginnen aussagen, weil der 17-Jährige leugnete, aus Homophobie gehandelt zu haben.

Metropolitan Police Die Bilder aus der Überwachungskamera zeigen das Geschehen

„Er war 17 und einfach dumm. Sie haben sich auf kindische, unreife Art in die Tatsache reingesteigert, dass diese Frauen in einer Art Beziehung waren“, sagte sein Verteidiger und wies darauf hin, dass die 9-minütige Aufnahmen einer Überwachungskamera (die die Polizei letzte Woche veröffentlichte) zeigte, dass auch Hannigan zugeschlagen hatte und sie die Abfolge der Ereignisse in ihrer Aussage direkt nach dem Vorfall nicht ganz korrekt dargestellt hatte.

„Der Angriff lässt sich nicht anders als homophob erklären“

Sie seien klar als Paar zu erkennen gewesen, erklärte Hannigan, eine US-Amerikanerin, im Zeugenstand und schilderte die Situation als „angsteinflößend“, obwohl sie „offen gesagt, in London häufig Belästigungen erlebe.“ Ramirez sagte: „Ich komme aus Lateinamerika, wo man an diese Art Benehmen gewöhnt ist. Hier aber fühlte ich mich eingeschüchtert, weil es mehrere waren.“ Sie habe versucht, die Situation zu deeskalieren, damit aber keinen Erfolg gehabt.

Sie sei sich nicht sicher, ob sie die Tat als „Hate Crime“ definieren würde, sagte Richterin Susan Williams im Verlauf der Verhandlung, erklärte aber dennoch vor der Urteilsverkündung: „Es ist völlig eindeutig, dass es ein gleichgeschlechtliches Paar war, das ihr Interesse hervorrief. Der Angriff lässt sich nicht anders erklären. Ich werte das als erschwerenden Umstand, der sich in der Strafe wiederfinden wird.“

In ihrem Urteil wiederholte Williams ihre Überzeugung, dass „die beiden Frauen belästigt, bedrängt und eingeschüchtert“ wurden, weil sie lesbisch sind und betonte: „Ich hoffe doch, dass wir in heutigen Zeiten andere tolerieren können und nicht auf diese Art weitermachen.“

* In früheren Medienberichten wurde Melania Ramirez der Nachname Geymonat zugeschrieben.

 

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