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Lust auf mehr gemeinsame Sache: Feministische Sommeruni in Berlin

Die „Feministische Sommeruni“ am vergangenen Samstag war ein durchschlagender Erfolg und zeigte: Wir können verdammt viel bewegen, wenn wir miteinander reden. Auch Rapperin Sookee, Maren Kroymann und L-MAG diskutierten mit.

Tanja Schnitzler Rapperin Sookee unterhielt sich mit Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch über Feminismus und Sprache

Von Clara Woopen

17.9.2018 – Mit 60 Veranstaltungen, von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends, fand am Samstag ein überwältigendes feministisches Event statt: das erste Revival der einst legendären „Feministischen Sommeruni“ in Berlin. Unter dem Motto „Frauen machen Geschichte“ trafen Feminist*innen aller Generationen und aus dem gesamten deutschsprachigen Raum in der Berliner Humboldt-Universität aufeinander.

Das Programm war in seiner thematischen und methodischen Vielfalt beeindruckend. Man konnte mit der Schauspielerin Maren Kroymann über Sexismus im Film sprechen, Tipps zur Suchmaschinenoptimierung für feministische Webseiten bekommen, die Perspektive von jüdischen Feminist*innen hören oder in der Pause eine Ausstellung zur Frauenbewegung besichtigen. Und natürlich kamen auch drängende Themen auf den Tisch: von Rechtsruck in Deutschland bis zu feministischen Dauerbrennern wie reproduktiver Autonomie, Sexarbeit oder Gleichstellung.

Siebzigjährige und Zwanzigjährige hörten einander zu

Dabei diskutierten Siebzigjährige mit Zwanzigjährigen, nahmen sich ernst und hörten sich zu – was leider auch in feministischen Kreisen eine Seltenheit ist. Selbst bei Reizthemen war die Stimmung wesentlich respektvoller als sie sonst im Netz oder im Gespräch über, aber ohne die andere(n) ist. Die beiden Referent*innen zu intersektionalem Trans*Feminismus, Pum Kommattam und Clara Thoms, überlegten schon in der Pause zwischen den Workshops, wie sie diesen offenen Dialog, der auch Mehrfachdiskriminierungen mitdenkt, in Zukunft weiterführen können.

So wurden innerfeministische Begegnungen geschaffen, die Lust auf mehr gemeinsame Sache machten. Feministische Fans aller Generationen strömten zum Podiumsgespräch über Feminismus und Sprache, zu dem zwei Ikonen der Bewegung, die selbsternannte „Zeckenrapperin“ Sookee und die Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch, geladen waren.

Das L-MAG-Panel mit (v.l.n.r.) L-MAG-Chefin Manuela Kay, Chantal Louis (Emma), Mary Amable (queerfeministische Bloggerin), Sharon Adler (Aviva), Birgit Bosold (Schwules Museum) und Lea Susemichel (an.schläge)

Als Feministinnen auch über Rassismus sprechen

Zur Sache ging es auch auf dem Podium "Wo Frau draufsteht, ist feministisch drin? Feministische Medien auf dem Prüfstand", moderiert von L-MAG- und Siegessäule-Herausgeberin Manuela Kay. Unter anderem konfrontierte das Publikum die Emma-Redakteurin Chantal Louis mit dem Vorwurf, ihre Zeitschrift würde sich zu wenig gegen Rassismus positionieren bzw. diesen aktiv befeuern. Anlass war ein kürzlich auf emma.de erschienener Artikel zu Chemnitz, in dem - anstatt der rechtsradikalen Ausschreitungen - die Angst der Chemnitzerinnen vor Männern „aus Nordafrika, Syrien und dem Irak“ in den Vordergrund gestellt wurde.

Louis brachte den Gegenvorwurf, andere feministische Medien hätten einen „blinden Fleck für Islamismus“. Das Thema Islamismus brauche Raum, aber ohne Rassismus zu befeuern, betonten daraufhin Menschen aus dem Publikum und auch andere PodiumsteilnehmerInnen. Vor allem sei es höchste Zeit, als Feministinnen sowohl über Rassismus als auch über Antisemitismus und Rechtsradikalismus in Deutschland zu sprechen.

Den Anlass zur Sommeruni hatte ein weiteres feministisches Großprojekt, der Launch des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF) am vorhergehenden Donnerstag, gegeben (wir berichteten). Als sich die ersten Besucherinnen am Samstagabend mit einem Wein im Hof der Humboldt-Uni einfanden, um den Tag ausklingen zu lassen, fragten wir Susanne Diehr aus der DDF-Geschäftsstelle nach ihrem Eindruck. „Die Referentinnen haben sich über ihr Publikum gefreut, das interessiert und sehr divers war“, erzählt sie. „Von allen Seiten haben wir positive Rückmeldungen bekommen. Nach den Veranstaltungen gingen die Menschen richtig zufrieden aus den Räumen.“

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