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Malaysia: Scharia-Gericht verurteilt lesbisches Paar zur Prügelstrafe

Für „den Versuch, Sex miteinander haben zu wollen“, landeten zwei Frauen in Malaysia vor Gericht. Der streng islamische Staat hat gerade eine regelrechte Hetzjagd auf Homosexuelle eröffnet – auch um von einem anderen kontroversen Thema abzulenken.

CJF20/ CC-BY-SA

Von Michael Lenz

19.8.18 - Ein Scharia-Gericht im malaysischen Bundesstaat Terengganu hat zwei lesbische Frauen für „den Versuch, Sex miteinander haben zu wollen“ zu einer Prügelstrafe und einer Geldstrafe verurteilt. Terengganu wird von der islamischen Partei PAS regiert.

Die Strafe soll „euch und der Öffentlichkeit eine Lehre sein“, hieß es laut malaysischen Medienberichten im Urteil des Scharia-Gerichts. Die Frauen waren im April diesen Jahres von der Scharia-Polizei festgenommen worden. Im Auto der Frauen seien zudem Sexspielzeuge gefunden worden, hieß es in den Medien.

Homosexualität ist in Malaysia verboten

Amnesty International Malaysia nannte die Prügelstrafe „Folter“ und forderte von der Regierung die Abschaffung aller Gesetze, durch die Minderheiten diskriminiert und kriminalisiert werden. Malaysische Bürgerrechts- und Frauenorganisationen betonten in einer gemeinsamen Erklärung, einvernehmlicher Sex zwischen Erwachsenen sei „kein Verbrechen“.

Homosexualität ist in Malaysia verboten. Anwar Ibrahim, Chef der Partei PKR, wurde schon zweimal in politischen Prozessen wegen angeblicher Homosexualität zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Als erste Amtshandlung nach seinem Wahlsieg am 9. Mai 2018 ließ der neue Premierminister Mohammed Mahathir seinen einstigen Erzfeind Anwar Ibrahim frei. Die PKR ist Teil der Regierungskoalition, in der Anwars Ehefrau Wan Azizah Wan Ismail den Posten der stellvertretenden Premierministerin inne hat.

Ablenkungsmanöver vom Thema "Kinder-Ehe"

Im mehrheitlich islamischen Malaysia findet seit der Machtübernahme der Reform-Regierung von Mahathir eine Hetze gegen Homosexuelle statt. Politische Beobachter in Malaysia sehen darin ein Manöver konservativer islamischer Kräfte zur Ablenkung vom Thema „Kinder-Ehe“, das seit Wochen für Schlagzeilen sorgt, nachdem die Medien über die Eheschließung zwischen einem 11 Jahre alten muslimischen Mädchens und einem 41 Jahre alten Mann berichteten.

Statt sich über Kinder-Ehen aufzuregen, sollte die Regierung lieber gegen LGBT vorgehen, forderte Amar Nik Abdullah, der stellvertretende Ministerpräsident des seit Jahrzehnten von der islamistischen PAS regierten Kelantan, Malaysias konservativstem Bundesstaat. Die Durchsetzung islamischer Gesetze geht in Kelantan so weit, dass Männer und Frauen getrennt an Supermarktkassen anstehen müssen.

Gesundheitsminister hält Homosexualität für eine "Krankheit"

Homophobe Ausfälle von Ministern sind nach Ansicht von Kennern der malaysischen Politik der Preis, den die Mahathir-Regierung zahlt, um den islamistischen Widerstand gegen ein gesetzliches Verbot von Kinder-Ehen klein zu halten. So hält der stellvertretende Gesundheitsminister Lee Boon Chye Homosexualität für eine „organische Krankheit“. Auf eine Anfrage der islamischen PAS im Parlament sagte der studierte Arzt kürzlich: „Die Forschung hat auch gezeigt, dass da etwas in ihren Gehirnwellen ist, durch das sie sind, was sie sind.“

Mitte August wurden in einer Kunstausstellung in Penang auf Weisung von Religionsminister Mujahid Yusof Rawa Porträts von prominenten malaysischen Homosexuellen-Aktivisten entfernt. Aus Protest gegen diese Zensur forderte Marina Mahathir die Ausstellungsmacher auf, auch ihr Porträt aus der Ausstellung zu entfernen. Die Tochter von Premierminister Mahathir ist seit Jahrzehnten eine streitbare Frauenrechtlerin, Aids-Aktivistin und Streiterin für die Rechte von Lesben, Schwulen und Transsexuellen.

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