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„Master of None“, Staffel 3: Szenen einer lesbischen Ehe

Neu bei Netflix: Die dritte Staffel von „Master of None“ rückt die lesbische Nebenfigur Denise und ihre Ehe(krise) in den Mittelpunkt. Eine ungewöhnliche und mit entschleunigtem Tempo erzählte Serie mit Lena Waithe und Naomi Ackie in den Hauptrollen.

Lena Waithe (l.) und Naomi Ackie

Von Karin Schupp

23.5.2021 - Ein gemütliches Cottage im ländlichen New York. Ein Ehepaar, das sich dem entschleunigten Tempo auf dem Land angepasst zu haben scheint. Wir sehen den beiden zu, wie sie Wäsche zusammenlegen, den Müll rausbringen, die Hühner füttern, die Zähne putzen, im Bett lesen.

Die Liebe zwischen Denise (Lena Waithe) und Alicia (Naomi Ackie) lodert nicht mehr, sondern ist in ein warm prasselndes Kaminfeuer übergegangen. Dass ihre Karrieren ins Stocken geraten sind - Denise ist Bestseller-Autorin und steckt in einer Schreibblockade, Alicia arbeitet in einem Antiquitätenladen, wäre aber lieber Innenausstatterin – ist zwar kein Thema, lässt aber kleine Risse in der Idylle vermuten.

„Szenen einer Ehe“ statt Regenbogenfamilien-Glück

Und dann kommt Alicia mit ihrem Kinderwunsch um die Ecke und das nicht zum ersten Mal - aber zur ihrer Freude ist Denise endlich mit im Boot. Statt nun aber die „Momente einer Liebe“, so der Untertitel der dritten Staffel von Master of None, als Regenbogenfamilien-Glück weiterzuerzählen, kommt alles ganz anders: Die Serie nimmt eine andere Abzweigung und wird eher zu „Szenen einer Ehe“.

Parallelen zum schwedischen Klassiker (1973) über ein Muster-Ehepaar, dessen harmonische Fassade zu bröckeln beginnt, sind – bis hin zur letzten Folge - nicht zu übersehen, nur dass es 2021 eben ganz zeitgemäß um die Beziehungskrise eines Lesbenpaars geht.

Nebenfigur Denise rückt zu Recht in den Mittelpunkt

Denise war bisher in Master of None nur hin und wieder als beste Freundin von Hauptfigur Dev (Aziz Ansari) zu sehen, nur in der Folge „Thanksgiving“ (Staffel 2) stand sie mit ihrer lesbischen Coming Out-Geschichte schon einmal im Mittelpunkt - für das halbautobiografische Drehbuch der Folge, das Waithe mit Serienschöpfer Ansari schrieb, wurde sie 2017 mit einem Emmy ausgezeichnet.

Dass Ansari, der sich schon in der zweiten Staffel vom konventionellen Beziehungsdramedy-Konzept verabschiedet hat, seine Hauptrolle mit Denise tauschte und als Dev nur in zwei Folgen auftaucht, war eine gute Idee. Nicht nur, weil er Boden gutzumachen hatte, nachdem sein Umgang mit Frauen im Rahmen der #MeToo-Debatte kritisiert worden war, sondern auch, weil es wahrlich genug Serien über Heteromänner gibt, die Liebe und Sinn im Leben suchen - selbst über PoC-Männer wie Ansari -, was schwarze Lesbenpaaren nicht für sich behaupten können.

Und Waithe zur Co-Autorin zu machen, war nur konsequent, ist sie doch selbst lesbisch und konnte (vermutlich) persönliche Erfahrungen ihrer – gescheiterten – Ehe mit der TV-Producerin Alana Mayo einfließen lassen.

Das gebremste Erzähltempo ist gewöhnungsbedürftig

Zwar fühlt das Ergebnis jetzt eher nach einem Spin-Off an, doch dafür eignet sich die Staffel jetzt problemlos für Neueinsteigerinnen. Aber egal, ob neu dabei oder nicht: Die fünf Folgen (mit sehr unterschiedlichen Längen zwischen 20 und 55 Minuten) werden sicherlich so manche Publikumserwartungen enttäuschen:

Zu gebremst und elegisch ist das Erzähltempo, zu quälend lange sind manche Einstellungen (will man wirklich sehen, wie Denise gemächlich ein ganzes Sandwich verspeist?), und zu wenig efahren wir zugleich über das Innenleben der beiden Protagonistinnen. Dass die beiden nicht über ihre Beziehung sprechen und Denise allgemein eher der schweigsame Typ ist, ist zwar ein Problem in ihrer Beziehung - für uns vor den Bildschirmen wäre es aber befriedigender, hin und wieder zu erfahren, was in ihnen vorgeht und warum sie gerade so reagieren, wie sie es tun.

Doch wem es gelingt, sich auf den gewöhnungsbedürftig langsamen Rhythmus einzulassen, erlebt eine inhaltlich wie stilistisch ungewöhnliche Serie und eine letzte Folge, der es dann doch noch gelingt, eine Art Happy End zu erzählen.

Master of None, Staffel 3, Regie. Aziz Ansari, Buch: Aziz Ansari/ Lena Waithe, mit Lena Waithe, Naomi Ackie u.a. – ab 23. Mai bei Netflix

 

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