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Mehr LGBTQ-Vielfalt in Hollywood-Filmen!

22 Hollywood-Filme zeigten im letzten Jahr LGBTQ-Charaktere, aber oft nur in winzigen Parts. Der US-Medienverband GLAAD fordert größere Rollen und mehr Diversität: Lesben kamen nur in neun Filmen vor, trans und nichtbinäre Fiugren gar nicht.

Shanna Besson/ Studiocanal Seltene Repräsentation von Bisexualität: Anna (Sasha Luss) und Maude (Lera Abova) in „Anna“

Von Karin Schupp

2.8.2020 - Hollywood soll queerer werden: Das fordert der US-Medienverband GLAAD schon lange und nannte vor zwei Jahren eine konkrete Zahl: Die acht großen Studios sollen bis 2021 in 20 Prozent ihrer Filme LGBTQ-Charaktere zeigen, bis 2024 soll ihr Anteil auf stolze 50 Prozent steigen.

LGBTQ-Figuren in 22 von 108 Filmen, aber oft nur Kleinstrollen

Und tatsächlich geht's voran: Bereits 2018 wurde die geforderte Quote mit 18,2 Prozent fast erreicht (wir berichteten), 2019 setzte sich der Trend einen Hauch weiter fort: Der LGBTQ-Anteil von 18,6 Prozent ist der höchste seit Beginn der Zählung, die GLAAD seit 2013 in seinem jährlichen „Studio Responsibility Index“ veröffentlicht. Konkret bedeutet das: In 22 der 108 Filme der Major-Studios gab es insgesamt 50 LGBTQ-Charaktere.

Allerdings erweisen sich die guten Zahlen bei genauerem Hinschauen überwiegend als Mogelpackung: Wie auch in den Vorjahren waren viele Rollen so klein, dass man sie leicht übersehen konnte, und einige hatten nicht einmal einen Namen.

Über die Hälfte der 50 LGBTQ-Charaktere waren nur weniger als drei Minuten im Film zu sehen, 21 sogar unter einer Minute. Mehr als zehn Minuten Leinwandzeit waren nur neun Charakteren vergönnt.

Weltkino/ Screenshot Die einzige Liebesszene in „Booksmart“ ist lesbisch: Amy (Kaitlyn Dever, r.) und Hope (Diana Silvers)

Hollywoodfilme zeigen vor allem weiße Schwule

Die großen Hollywoodfilme repräsentieren zudem nicht die Vielfalt der LGBTQ-Community: Nur 16 der 50 gezählten LGBTQ-Charaktere waren Frauen, 34 waren Männer.

Zwei Drittel waren weiß, nur eine Figur war behindert, und auch was die sexuellen Identitäten angeht, gab es eine Schräglage: Stark unterrepräsentiert waren die Bisexuellen - nur drei bisexuelle Frauen und keine Männer wurden gezählt -, und trans oder nonbinäre Charaktere kamen (wie auch in den zwei Vorjahren) überhaupt nicht vor.

Auch für Lesben war das Filmjahr eine Enttäuschung: Während es 2018 erstmals genauso viele lesbische wie schwule Charaktere gegeben hatte (jeweils 11 Filme), waren Lesben nur noch in 8 Produktionen, Schwule aber in 15 Filmen zu sehen.

Da sind die US-Serien wesentlich weiter: Dort tummeln sich aktuell fast 500 LGBTQ-Charaktere, knapp die Hälfte davon sind lesbische/ bisexuelle Frauen, und 38 Charaktere sind trans und/ oder nichtbinär (wir berichteten).

Filme mit homosexuellen Hauptfiguren sind kein Kassengift

Dabei gibt es immer wieder Kino-Hits mit homosexuellen Hauptfiguren: 2019 waren das beisielsweise Rocketman mit Taron Egerton - das Elton John-Biopic spülte über 200 Millionen Dollar in die Kassen von Paramount – und Booksmart (unsere Filmkritik): Die Highschoolkomödie mit zwei weiblichen Hauptfiguren, eine lesbisch (Kaitlyn Dever) und eine hetero, spielte 25 Mio. Dollar und damit ein Vielfaches ihres bescheidenen 6 Mio. $-Budgets ein.

Paramount Pictures Einer von 34 schwulen Charakteren in Hollywood-Filmen 2019: Elton John (Taron Egerton) in „Rocketman“

Daumen hoch: Gelungene Filme mit queeren Frauenfiguren

Lobenden Erwähnungen bekamen auch der #MeToo-Film Bombshell (unsere Filmkritik), in der Margot Robbie eine Affäre mit einer lesbischen Kollegin, gespielt von der lesbischen Schauspielerin Kate McKinnon, hat (die leider allzu schnell in Vergessenheit gerät), der Actionthriller Anna von Luc Besson, in dem ein bisexuelles Model/ KGB-Agentin (Sasha Luss) anfangs eine Loverin (Lera Abova) hat, unddie Romantic Comedy Last Christmas: Darin outet die weibliche Hauptfigur (Emilia Clarke) ihre lesbische Schwester (Lydia Leonard) bei ihren Eltern, entschuldigt sich aber später dafür (und ein lesbisches Pärchen-Happy End gibt’s auch).

In der Komödie Good Boys über drei 12-jährige Jungs, die sich auf eine „Kussparty“ vorbereiten wollen, outet sich eine ihrer Klassenkameradinnen als queer, und eine Pärchen-Montage am Ende zeigt auch zwei händchenhaltende Mädchen. Viel ist das nicht, aber GLAAD lobt, dass die queeren Identitäten der Kids mehr als nur zwischen den Zeilen zu lesen sind und als ganz selbstverständlich präsentiert werden.

Großzügig durchgewunken wurde auch 3 Engel für Charlie (unsere Filmkritik), obwohl Kristen Stewarts interessierter Blick auf eine andere Frau nur megakurz ist. Hier würdigt GLAAD zumindest die - immer noch revolutionäre Idee - einer queeren Hauptfigur (noch dazu von einer queeren Schauspielerin gespielt) in einer Actionkomödie.

Sony Queer, aber ohne Liebesleben - reicht uns das auf Dauer? Kristen Stewart (M.) und ihre Ko-Engel in „3 Engel für Charlie“

Fails 2019: Die Enttäuschungen

Die größte Enttäuschung war wohl Star Wars: Episode IX: Nachdem im Vorfeld hohe Erwartungen geschürt worden waren – „Im Fall der LGBTQ-Community war es mir wichtig, dass sich Leute, die sich diesen Film ansehen, darin repräsentiert fühlen“, sagte Regisseur J.J. Abrams vor der Premiere – gab es nur eine winzige lesbische Szene: Zwei Widerstandskämpferinnen küssen sich während der Siegesfeier gegen Ende des Films. Solch ein „Queerbaiting“ ( = das LGBTQ-Publikum mit falschen Versprechungen umwerben) sollte man Studios in Zukunft nicht mehr durchgehen lassen!

Walt Disney/ Screenshot Da musste man schon genau hinschauen: Der 2-Sekunden-Kuss in „Star Wars: Episode IX“

Ebenfalls viel zu kurz war ein lesbischer Moment zu Beginn von Toy Story 4: Hier sind im Hintergrund zwei Frauen zu sehen, die sich vorm Kindergarten von ihrem Kind verabschieden. Wenn die homophobe Gruppe „One Million Mom“ deswegen nicht zum Boykott des Films aufgerufen hätte, wäre die Regenbogenfamilie vermutlich kaum jemandem aufgefallen. Der Protest hatte übrigens keinen Erfolg: Toy Story 4 war der dritterfolgreichste Film 2019.

Eine Rüge bekam auch Glam Girls mit Anne Hathaway und Rebel Wilson als Trickbetrügerinnen: Anstatt Hathaways Figur und ihre Mitbewohnerin (Ingrid Oliver) einfach als Paar zu präsentieren, bot die Komödie nur blöde lesbische und schwule Anspielungen.

Auch dass sich die beiden weiblichen Hauptfiguren im Horrorfilm Ma – Sie sieht alles betrunken küssen, ohne tatsächlich sexuell oder romantisch aneinander interessiert zu sein, braucht nun wirklich niemand mehr!

Concorde Filmverleih The Adjudicator (Asia Kate Dillon) in „John Wick: Kapitel 3“

Und von der nichtbinären Genderidentität von „The Adjudicator“ in John Wick: Kapitel 3 erfuhr man nur aus Interviews mit Asia Kate Dillon, nichtbinäre_r Darsteller_in der Rolle: Im Film selbst weist nämlich rein gar nichts darauf hin.

Auch das Hetero-Publikum stört sich nicht an LGBTQ-Charakteren

Fazit: Wir brauchen nicht nur mehr LGBTQ-Rollen, sondern sie müssen auch größer und diverser sein. Ängste vor einer Ablehnung durch das Mainstream-Hetero-Publikum sind dabei völlig unbegründet: Die Mehrheit stört sich nicht an LGBTQ-Charakteren in Filmen, Serien und Werbespots, wie kürzlich eine GLAAD-Untersuchung ergab (wir berichteten). 

„GLAAD Studio Responsibility Index 2020“ hier als PDF.

 

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