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Oh je, verliebt in die beste Freundin

Ab 17. Nov. im Kino: In „Ungesagt“ kommen sich zwei Freundinnen beim Urlaub auf La Palma näher und kriegen das nicht auf die Reihe. Kein Coming Out-Film, sondern ein Drama um große Gefühle zwischen verspielter Freundschaft und brennendem Verlangen.

Michael Gautsch Gefühlsverwirrung: Sarah (Sophie Charlotte Conrad) und Marie (Felicia Ruf)

Von Manuela Kay

l-mag.de, 16.11.2016 - Eigentlich ist alles ganz einfach: Die guten Freundinnen Marie (Felicia Ruf) und Sarah (Sophie Charlotte Conrad) aus Berlin-Prenzlauer Berg fahren zusammen in den Sommerurlaub auf die malerische kanarische Insel La Palma. Marie freut sich, ein wenig Urlaub von ihrer angespannten Beziehung mit dem langweiligen, besitzergreifenden Ben zu machen. Sarah freut sich, rauszukommen aus ihrer undefinierten Situation – ohne klare Zukunft nach dem Studium.

"Ich liebe dich, so wie ein Mann dich lieben würde"

Bis Sarah eines Tages im gemeinsamen Ferienzimmer und Bett den folgenschweren Satz sagt: „Ich liebe dich, so wie ein Mann dich lieben würde“. Klar, da muss jede gestandene Lesbe eigentlich kotzen. Aber verwirrten Frauen, die sich ihre Zuneigung und Geilheit aufeinander nicht anders erklären können, entfährt so eine Undifferenziertheit schon mal. Was folgt, ist ein Drama um große Gefühle auf dem schmalen Grat zwischen kindlich-verspielter Körperlichkeit und Freundschaft einerseits und brennendem Verlangen nach Tiefe, Nähe und Sex andererseits.

Von Männern gelangweilt, aber auch nicht lesbisch

Marie und Sarah bekommen es nicht auf die Reihe und dürften damit durchaus realistische Figuren sein. Junge Frauen auf der nächsten Stufe ihres Lebens, mit Heterosexualität überfordert, von Männern gelangweilt, aber auch nicht wirklich lesbisch, im Strudel von sexueller Verirrung und Verwirrung. Die beste Freundin plötzlich mit anderen Augen zu sehen, zu begehren, aber auch abwägen zu müssen zwischen eigenen Bedürfnissen und Scham vor Grenzüberschreitung, das kennen viele – wenn vielleicht auch nicht mehr mit Ende 20. Dennoch kommt es einem selbst so vor, viele Marias und Sarahs aus Prenzlauer Berg zu kennen, die nicht so richtig wissen, wohin mit sich und ihren Gefühlen.

Selbstfindung in intensiver Vulkanlandschaft

Ungesagt ist aus lesbischer Sicht unbefriedigend, ja taugt nicht einmal als Coming-out-Film. Ist aber dennoch immerhin ohne jede öffentliche Filmförderung, von einer mutigen Regisseurin in der intensiven, symbolisch eingeflochtenen Vulkanlandschaft La Palmas gedreht – ein interessanter Ansatz, junge Frauen bei der Selbstfindung zu zeigen. Ein Film für das zweite „Q“ in der Megaabkürzung LGBTIQQA*, was „questioning“, also „fragend, (noch) unsicher“ bedeutet. Auch wenn die Protagonistinnen im Film ohne Antwort bleiben, kommen sie zumindest dem ein Stück näher, was sie nicht möchten.

Ungesagt, Deutschland 2016, Regie/ Buch: Claudia Boysen, mit: Felicia Ruf und Sophie Charlotte Conrad, 94 Min., Kinostart: 17. November

Mehr Rezensionen zu aktuellen Filmen und DVD-Premieren findet ihr in der aktuellen Ausgabe der L-MAG (hier erhältlich).

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