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Plüsch und Geigen statt Power und Profil

In "The Danish Girl", ab heute im Kino, spielt Eddie Redmayne die weltweit erste Transfrau, die sich operieren ließ. Ein hochaktuelles Thema, aber leider allzu brav inszeniert. Dabei war die wahre Geschichte so viel spannender - und weniger hetero.

Alicia Vikander (l.) und Eddie Redmayne - Foto: Universal Pictures Germany

Von Karin Schupp

l-mag.de, 7.1.2016 - Eine Seidenstrumpfhose ist es, die etwas in Einar Wegener (Eddie Redmayne) auslöst, das sich nicht mehr wegdrücken lässt: in ihm steckt Lili. Was für ihn und seine Frau Greta (Alicia Vikander) als Spaß und Fetisch beginnt - Einar geht als Frau gekleidet zu einer Party und trägt beim Sex ein Kleid -, führt bald zu einer schweren Ehekrise und schmerzhaften Prozeduren, die Einar das Frausein austreiben sollen. Aber Lili drängt immer stärker nach außen, und eine geschlechtsangleichende Operation, auch wenn sie noch nie zuvor gelungen war, wird zu ihrer letzten Hoffnung. Lilis Geschichte ist wahr und ihr Ende tragisch: Einige Monate nach dem dritten Eingriff in Dresden starb sie und ging als weltweit erste operierte Trans*-Person in die Geschichtsbücher ein (heute weiß man, dass sie intersexuell war).

Die echte Greta lebte überwiegend lesbisch

Tom Hooper („The King’s Speech“) inszeniert die Bohème der Zwanziger Jahre routiniert, aber altmodisch-brav und mit dramatischem Geigen-Einsatz. Und selten war die Wirklichkeit so viel spannender als die Verfilmung: Dass das dänische Künstlerpaar eine offene Ehe führte und Greta, eine erfolgreiche Malerin, überwiegend lesbisch lebte, wollte der britische Regisseur dem Publikum wohl nicht auch noch zumuten: Seine Greta ist stockhetero, seine Lili eine unsichere, asexuelle Teenagerin, die romantisch von Mann und Babys träumt. Aus ihr einen dreidimensionalen Charakter zu machen, gelingt da selbst Oscar-Gewinner Eddie Redmayne nicht. So wird Greta mit ihrem Hadern zwischen Liebe und Verzweiflung zur spannenderen Figur - der Filmtitel „Two Danish Girls“ wäre tatsächlich passender gewesen.

Um so neugieriger hätte da eine frühere Version gemacht, deren Realisierung 2012 kurz vor Drehstart platzte: Darin hätten zwei Frauen, Nicole Kidman als Einar/ Lili und Rachel Weisz als Gerda, die Hauptrollen gespielt.

Inzwischen ist das Trans*-Thema in der Öffentlichkeit angekommen, und kürzlich erst wurde bekannt, dass im letzten Jahr weltweit mindestens 271 Menschen wegen ihrer Geschlechtsidentität ermordet wurden. „The Danish Girl“ hätte der richtige Film zur richtigen Zeit sein können, stattdessen erzählt er die Geschichte wie eine plüschige Episode aus lange vergangenen Zeiten: Eine verschenkte Gelegenheit.

The Danish Girl, GB/ D/ USA 2015, Regie: Tom Hooper, mit Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Amber Heard u.a., 120 min.

Hier verlosen wir 3x das Buch "Das dänische Mädchen", auf dem der Film basiert.

Diese und weitere Filmkritiken stehen in der aktuellen Ausgabe der L-MAG, die ihr hier kaufen oder bestellen könnt.

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