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Queeres Online-Filmfestival über Weihnachten

„QueerScope“ präsentiert vom 17. bis 27.12. auf seiner Streamingplattform sieben Langfilme und drei Kurzfilmprogramme zu lesbischen, schwulen und trans Themen. Tickets gibt's für nur 5 Euro, solange der Vorrat reicht.

Nushi Film „Comets“ (Georgien, 2019)

Von Anja Kümmel

12.12.2020 - Nachdem dieses Jahr viele LGBT-Filmfestivals pandemiebedingt ausfallen mussten oder ins Virtuelle verlagert wurden, gibt es über Weihnachten noch ein Schmankerl der besonderen Art: „QueerScope“, eine Kooperation von 19 unabhängigen queeren Filmfestivals in Deutschland und einem Schweizer Festival, präsentiert auf ihrer Streamingplattform vom 17. bis 27.12. sieben Langfilme und drei liebevoll kuratierte Kurzfilmprogramme.

Das „Queerscope“-Programm:

Absolute Highlights des Online-Festivals sind zwei Dokumentarfilme zur LGBTIQ-Historie: Phillip Pikes‘ Our Dance of Revolution erzählt die generationenübergreifende Geschichte Schwarzer, queerer Aktivist_innen in Toronto, die seit den 70er Jahren für Gleichberechtigung, mehr Sichtbarkeit und gegen Polizeigewalt kämpfen. Dass der Aufbau sicherer Räume und Strukturen für die Schwarz-queere Community maßgeblich lesbischen und queeren Frauen zu verdanken ist, zeigt der Film eindrücklich. Es wird aber nicht nur nostalgisch auf deren Mut, Entschlossenheit und Kreativität zurückgeblickt, sondern auch gefeiert und getanzt – und immer wieder die Brücke zur heutigen „Black Lives Matter“-Bewegung geschlagen.

„Wenn ich nicht tanzen kann, ist es nicht meine Revolution“ könnte auch das Motto von Barbara Wallbrauns Zeitdokument Uferfrauen sein, das sich mit der Geschichte lesbischer Frauen in der DDR befasst. Sechs Protagonistinnen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen, manche aus der Großstadt, andere aus dem ländlichen Raum, erzählen von ihren Erfahrungen im sozialistischen Regime. Wallbraun begleitet sie in ihrem gegenwärtigen Alltag und an erinnerungsträchtige Orte der Vergangenheit – Isolation, Einsamkeit und staatliche Repressionen werden thematisiert, aber auch erste Verliebtheiten, die Bedeutung von Wahlfamilien und unerwartete Freiräume, die sich an den Rändern der Gesellschaft auftun. Lest hier auch unser Interview mit der Regisseurin und unsere Filmkritik.

Eine weitere Perle des Festivals ist der georgische Spielfilm Comets über eine nach drei Jahrzehnten wieder aufflammende lesbische Liebe. Ganz anders als jede konventionelle Romanze inszeniert Tamar Shavgulidze ihren zweiten Langfilm als melancholisch-märchenhaftes Gedicht: Zwei Frauen treffen sich im Garten eines Sommerhauses nahe Tiflis, und während sie einander über den Tisch hinweg lange Blicke zuwerfen, schieben sich Vergangenheit und Gegenwart übereinander wie halbtransparente Folien. Comets ist ein flirrendes Spiel aus Licht und Schatten, intensiven Blicken und elliptischen Dialogen, teils spröde und rätselhaft, aber auch sehr sinnlich – und weckt mit Sicherheit Erinnerungen an die eigene erste Liebe.

Jenseits explizit lesbischer Inhalte seien die Spielfilme The Garden Left Behind und Lingua Franca (Trailer) empfohlen: Hier kämpfen zwei junge trans Frauen, die ohne Papiere in den USA leben, um Anerkennung und ein selbstbestimmtes Leben – und stolpern dabei auch noch durch allerlei Liebeswirren. Authentisch und empowernd!

Wer es in der dunklen Jahreszeit gerne düster und gruselig mag, könnte Gefallen finden an dem kanadischen Horrorstreifen Spiral über ein schwules Vorzeigepaar, das mit seiner Tochter aufs Land zieht – und dort allmählich merkt, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmt …

Mehr fürs romantische Gemüt ist hingegen der chinesische Spielfilm Suk Suk, der subtil und einfühlsam von zwei älteren schwulen Männern und deren Suche nach dem spätem Glück erzählt (Trailer).

Last but not least bietet „QueerScope“ drei abwechslungsreich zusammengestellte Kurzfilmprogramme, die sich aus multikultureller Perspektive mit so diversen Themen wie Transidentität, Coming Out, Sex im Alter, Trauma und Gedächtnis, Kink und Konsens befassen.

Ticket nur, solange der Vorrat reicht

Die Filme und Kurzfilmblöcke kosten jeweils 5 Euro und können per Kreditkarte oder Gutscheincode auf der Festival-Website erworben werden. Tickets gibt es nur, solange der Vorrat reicht – also am besten gleich die Favoriten buchen und dann ab Donnerstag in Ruhe schauen, wenn die ausgeliehenen Filme für jeweils 72 Stunden freigeschaltet werden.

QueerScope, 17.-28. Dezember 2020

 

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