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Schirmherrin des CSD Stuttgart legt sich mit konservativen Christen an

In Stuttgart hat Regionalbischöfin Gabriele Arnold die Schirmherrschaft über den CSD übernommen und sich für die Ehe-Öffnung der Kirche ausgesprochen. Damit löste sie beim konservativen Flügel der Protestanten im Ländle einen kleinen Eklat aus.

CSD Stuttgart CSD Stuttgart 2016

Von Kerstin Fritzsche

l-mag.de, 25.7.2017 - Schon seit Anfang Juli lädt der CSD-Verein in Stuttgart zum „Perspektiv-Wechsel“ ein – so das Motto des diesjährigen Christopher Street Day in der baden-württembergischen Landeshauptstadt und eine Einladung zum gemeinsamen Dialog. Rund 100 Veranstaltungen gab es seitdem in ganz Stuttgart. Höhepunkt ist die Parade am Samstag mit 80 Zugnummern und 5000 Aktiven, mit rund 200.000 Zuschauern wird gerechnet. Sie mündet in ein Straßenfest mit Bühnenprogramm auf dem Marktplatz, gefolgt von der sogenannten Hocketse, dem schwäbisch-gemütlichen Zusammensitzen, am Sonntag.

In Sachen Ehe-Öffnung hat ja inzwischen ein Perspektiv-Wechsel stattgefunden. Aber immer noch gibt es viel zu tun für Gleichstellung. Im Ländle heißt das konkret: Die Evangelische Kirche in Württemberg soll sich der Segnung von lesbischen und schwulen Paaren öffnen. Und da wurde es im Vorfeld des CSDs ganz und gar nicht gemütlich.

Prälatin fordert Ehe-Öffnung der Kirche und löst Empörung aus

Im Mai hatte die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold in einem Interview mit der örtlichen Zeitung die Trauung gefordert. Sonst würde die Kirche beschädigt - so viele seien schon ausgetreten oder hätten sich abgewandt. Es folgte ein Sturm der Entrüstung, sowohl von Seiten der Kirchenleitung als auch in sozialen Medien und Mails. Arnold wurde beschimpft und bedroht, ihre Amtsenthebung wurde gefordert.

Kurz darauf gab Landesbischof Frank Otfried July bekannt, dass Arnold die Schirmherrschaft über den CSD zu übernehme, auch wenn sie das zuvor nicht mit der Kirchenleitung abgesprochen hatte. Es war der Versuch, die Wogen wieder zu glätten und zu einer konstruktiven, internen Diskussion zurückzukehren. Aber die Aufregung blieb.

Arnold: "Den Weg der Freiheit tapfer weiter beschreiten"

„Mit der Schirmherrschaft der Regionalbischöfin im 500. Jahr der Reformation wird unserer Einladung zum Dialog auch mit der Kirche ganz besonderer Nachdruck verliehen“, so CSD-Geschäftsführer Christoph Michl. Das Motto der Reformations-Feierlichkeit in Baden-Württemberg lautet „...da ist Freiheit“.

Aber die scheint schwer zu erreichen für christliche Lesben und Schwule. „Da es eben in unserer Landeskirche einen konservativen Flügel gibt, dauert es lange, bis Überzeugungsarbeit geleistet ist. Wir brauchen keine neue Reformation“, sagte Gabriele Arnold gegenüber L-MAG. „Aber wir müssen die Reformation ernst nehmen und den Weg der Freiheit tapfer weiter beschreiten.“

Die Evangelische Kirche in Württemberg führt die Diskussion über eine mögliche Segnung in der Tat schon recht lange. „Viel länger als Prälatin Arnold im Amt ist“, betont Pressesprecher Oliver Hoesch. Anfang der 2000er-Jahre hat sich die Landessynode erstmals mit dem Thema beschäftigt und mit einem Positionspapier klargestellt, dass „gleichgeschlechtlich liebende Menschen in der Kirche genauso willkommen sind“.

Der Bischof hat das Thema schon 2009 behutsam angestoßen

2009 hat Bischof July in den Regionen Pfarrerinnen und Pfarrer für das Thema Kirche und Homosexualität beauftragt, außerdem es gibt eine „Initiative Regenbogen“, der sich 26 von 1300 Gemeinden angeschlossen haben. „Bischof July hat in den vergangenen Jahren einen behutsamen und konstruktiven Diskussionsprozess angestoßen“ , so Hoesch. Jetzt gelte es, diesen Prozess auch behutsam zu Ende zu führen.

Denn das Thema Segnung steht in Württemberg in Zusammenhang mit der Erneuerung der kirchlichen Trauagenda für 2017/18. Und da ist die nächste Sitzung der Landessynode erst wieder im Herbst. Die Kirchenleitung will sich nicht durch einzelne Führungspersonen oder die politisch veränderte Agenda drängen lassen. Vielleicht fühlen sich einige der Bedenkenträger in den Gemeinden aber durch den CSD daran erinnert, dass auch die Reformation vor 500 Jahren erst einmal unbequem war, bevor sie Freiheit brachte.

CSD Stuttgart: Samstag, 29. Juli, 15:30 Uhr, ab Böblinger Straße

Alle weiteren Infos: www.csd-stuttgart.de

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