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Serientipp „High School“: Smells Like Lesbian Teen Spirit

Die neue Serie „High School“ über die Jugend des lesbischen Popduos Tegan and Sara ist eine authentisch erzählte Zeitreise in die 90er mit queerer Coming-of-Age-Geschichte und hohem Wiedererkennungswert. Ab 13. Jan. kostenlos bei Amazon Freevee.

Amazon Freevee Railey und Seazynn Gilliland als Tegan and Sara

Von Karin Schupp

12.1.2023 - Grunge, Raves, Karohemden, Festnetztelefone: Wir befinden uns in den Neunzigern, genauer gesagt: Mitte der 90er Jahre in einem Vorort im kanadischen Calgary, wohin die Zwillinge Tegan und Sara Quin (gespielt von Railey und Seazynn Gilliland) gerade mit ihrer Mutter und deren Lebensgefährten gezogen sind.

Dass die Schwesternbeziehung schon bessere Tage gesehen hat, wird gleich in der ersten Szene etabliert: Bei einem heftigen Streit über zu laute Musik verpasst Tegan Sara ein Veilchen (was den Vorteil hat, dass die Zwillinge in den ersten Folgen gut auseinander zu halten sind!), und in der neuen Schule gehen die beiden betont ihre eigenen Wege und pflegen ihre eigenen Freundinnenschaften. Bis sie sich im Laufe der Serie wieder einander annähern, als sie im Keller die Gitarre ihres Stiefvaters entdecken...

Erste Platte mit 18, heute Kanadas prominenteste Lesben

Mit anderen Worten: Wir sehen die Anfänge des Indiepop-Duos Tegan and Sara, wie sie sie bereits in ihrer Autobiografie „High School“ (leider noch nicht bei uns erschienen) schilderten. Die heute 42-Jährigen, die mit 15 ihre ersten Songs schrieben und 1999 ihr Debütalbum veröffentlichten (im vergangenen Herbst erschien ihr elftes Album „Crybaby“), gehören schon lange zu Kanadas erfolgreichsten Pop-Exporten und sind die bekanntesten lesbischen Promis ihres Landes.

Den Trailer gibt's leider nur im englischen Original:

Und so ist High School nicht nur ein Biopic und eine Zeitreise in die Neunziger (mit dem entsprechenden Soundtrack: Nirvana, The Smashing Pumpkins, Tori Amos etc.), sondern auch eine gelungene queere Coming-of-Age-Serie. Schon in Folge 1 kommt raus, dass die Ursache für den schwesterlichen Zwist Saras erste - heimliche – Beziehung mit Phoebe (Olivia Rourye) ist, die zuvor eine gemeinsame Freundin der beiden war: Um ihre Liebe auch vor Tegan geheim zu halten, schließt Sara ihre Schwester aus dem bisherigen Trio aus, ohne dass die versteht, was hier überhaupt los ist.

Eine queere Jugend vor und nach dem Coming-out

Während Sara bereits weiß, dass sie auf Mädchen steht, erleben wir mit der eher introvertierten Tegan eine queere Jugend vor dem eigentlichen Coming-out (das sie nämlich erst nach ihrer Schulzeit erlebte) mit - in einer Zeit, in der es wohlgemerkt kaum lesbische Vorbilder gab und homophobe Sprüche viel selbstverständlicher waren, worüber der beneidenswert genderfluide Look (auch wenn es den Begriff noch nicht gab!) dieser Ära nicht hinwegtäuschen sollte.

Die echten Tegan and Sara in einem kanadischen TV-Beitrag 1998:

Tegan and Sara entdeckten Railey (als Tegan) und Seazynn (als Sara) Gilliland auf TikTok, als die Suche nach queeren Zwillingen für die Hauptrollen zur größten Hürde für ihre Serie zu werden schien. „Wir haben einfach keine Zwillinge gefunden, die das Wesen von Tegan und Sara verkörperten und beide queer waren“, sagte Clea DuVall (Happiest Season), die die Serie mit dem Duo entwickelte und bei sechs der acht Folgen Regie führte, dem Magazin Nylon. „Es war, als müssten wir ein Einhorn finden - und wir fanden zwei.“

Eine Erinnerungsreise in die eigene Jugend

Tatsächlich spielen die kalifornischen Schwestern trotz fehlender schauspielerischer und musikalischer Erfahrung die realen Vorbilder glaubwürdig und authentisch mit dem nötigen „Teen Spirit“ der Neunziger.

Die Serie,die übrigens auch dann überzeugen kann, wenn man Tegan and Sara gar nicht kennt. verzichtet auf große Dramen und schickt uns stattdessen auf eine Erinnerungsreise in die eigene Jugend, selbst wenn die in einem anderen Jahrzehnt stattfand. Freundschaften, Partys, queeres Erwachen, Liebeskummer, Eifersucht, erste Alkohol- und Drogenerfahrungen und zähes Aushandeln der Regeln mit den Eltern (die dann doch überschritten werden): Das kennen wir doch alle.

Nach den acht Folgen würde man die Zwillinge gerne weiter auf ihrer Suche nach Identität und Liebe und ihren ersten Schritten als Musikerinnen begleiten. Ob es eine zweite Staffel geben wird, steht aber leider noch nicht fest.

High School (USA, 2022), von Clea DuVall, Tegan Quin und Sara Quin, 8 Folgen à 20-30 Minuten, ab 13. Jan. kostenlos auf Amazon Freevee. Für den kostenlosen, werbefinanzierten Streamingdienst von Amazon benötigt ihr ein Benutzerkonto, aber kein Prime-Abo.

 

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