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Sexuelle Orientierung im Job immer noch ein Tabu

Nur vier von zehn jungen LGBT-Berufstätigen in Deutschland sind an ihrem Arbeitsplatz geoutet - und etwa genauso viele lügen, wenn sie danach gefragt werden. Damit landen sie in einem Zehn-Länder-Vergleich auf dem letzten Platz.

Showtime/ Screenshot Bei ihr wussten es alle: Bette (Jennifer Beals) in "The L Word"

Von Julius Brockmann

30.1.19 - Im Job zur eigenen sexuellen Orientierung zu stehen, dürfte heutzutage kein Problem mehr sein. Oder etwa doch? Eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG) legt genau das jetzt nahe! Denn in Deutschland sprechen nur 37 Prozent junger LGBT gegenüber ihren Arbeitskolleginnen und -kollegen offen darüber, welches Geschlecht sie anziehend finden.

Hauptgrund für die Verschwiegenheit ist die Angst, im Unternehmen als Lesbe oder Schwuler keine Karriere machen zu können: 22 Prozent äußerten diese Sorge.

42 Prozent der Befragten gaben sogar an, im Gespräch mit Vorgesetzten zu lügen, wenn sie danach gefragt werden, ob sie eine Beziehung gefragt werden. Dennoch würden nur vier Prozent der deutschen LGBT unter 35 Jahre in einem Land arbeiten, in dem Homosexualität strafrechtlich verfolgt wird.

Höhere Arbeitszufriedenheit bei offenen Umgang im Job

Die Studie zeigt aber auch, dass 85 Prozent aller „LGBT-Talente“ (wie die BCG die Gruppe junger Berufstätiger nennt) in Deutschland theoretisch bereit wären, sich im Job „zu outen“. 38 Prozent glauben, dass sie es so leichter bei der Arbeit hätten.

Kein Wunder, wenn man aufpassen muss, was man den Kolleginnen und Kollegen erzählt, leidet man unter der Situation. Davon ist auch die Studienautorin Annika Zawadzki überzeugt. Sie sagt: „Das Thema sexuelle Orientierung ist nach wie vor ein Tabu in vielen deutschen Unternehmen. Damit schaden sich die Unternehmen vor allem selbst: Denn häufig ist ein offener Umgang im Job mit einer höheren Arbeitszufriedenheit verbunden.“

In Großbritannien fast zwei Drittel am Arbeitsplatz "out"

Die BCG befragte aber nicht nur junge Deutsche, sondern weltweit mehr als 4.000 Berufstätige und Studierende unter 35 Jahren. Viel offener im Job zeigten sich die Menschen in Großbritannien, Brasilien und USA/ Kanada. Hier geben jeweils 63, 60 und 55 Prozent der LGBT-Talente auch im Berufsleben an, dass sie nicht heterosexuell sind.

Übrigens sind Männer häufiger bei der Arbeit geoutet als Frauen oder Personen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen wollen.

Auf den hinteren Rängen, aber immer noch vor Deutschland landen Italien (46 Prozent), die Niederlande (43 Prozent) und Spanien (42 Prozent).

Um mehr Offenheit und Gelassenheit im Job zu erreichen, sieht Annika Zawadzki vor allem die Unternehmen in der Pflicht: „Viele Unternehmen haben sich das Thema Diversity bereits auf die Fahnen geschrieben. Sie müssen aber noch besser darin werden, ein sicheres und unterstützendes Umfeld für LGBT-Mitarbeiter zu schaffen, wenn sie diese Talente künftig gewinnen und halten wollen“, erklärt sie.

Hier steht die Studie "Out @ Work Barometer - The Paradox of LGBT+ Talent" (in englischer Sprache)

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