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Sexuelle Vielfalt in immer mehr Lehrplänen

Bayern hat es einfach gemacht, Hessen und Thüringen auch: Immer mehr Bundesländer verankern Aufklärung über sexuelle Vielfalt in ihren Lehrplänen. Die konservativ-homophobe "Demo für alle" macht mal wieder dagegen mobil: diesmal in Wiesbaden.

Metropolico, CC-BY-SA Gegendemo zur "Demo für alle" in Stuttgart 2014

Von Kerstin Fritzsche

l-mag.de, 5.10.16 - Eigentlich sollen Lehrpläne regelmäßig überarbeitet werden. Das funktioniert aber nicht in allen Ländern und Bereichen gleich gut. So mussten Schüler/innen in Bayern bis April warten, um im Unterricht Antworten auf Lebens- und Familienmodelle jenseits der Hetero-Kernfamilie zu bekommen. Immerhin: Selbst das CSU-geführte Kultusministerium unter Ludwig Spaenle hat eine 15 Jahre alte Richtlinie zur Familien- und Sexualerziehung reformiert – und sich anschließend vom Protest der evangelikal-homophoben „Demo für alle“ nicht beeindrucken lassen.

Spaenle hat jedoch letztens auch „Demo für alle“-Vertreter empfangen, und mit den „Besorgten Eltern“ am Erzbistumssitz Augsburg und der AfD-nahen „Elternaktion Bayern“ von Entwicklungshelfer Wilhelm Seefried aus Freising sind immer noch starke Gegner der angeblichen „Frühsexualisierung“ aktiv. Deren größte Kritik, immer: Die Veränderungen werden über die Köpfe der Eltern umgesetzt, ohne öffentliche Diskussion.

CDU-Sprecher: „Die Angst einer Frühsexualisierung ist unbegründet“

Allerdings: Dazu ist die Politik nicht verpflichtet. Letztes Jahr setzte so Rot-Rot-Grün in Thüringen entgegen der CDU-Opposition ihre neuen Lehrpläne durch. In Baden-Württemberg wurde im Herbst 2013 nur deshalb ein Fiasko draus, weil eine frühe Version eines Arbeitspapiers öffentlich wurde (zum neuen Schuljahr 2016/17 trat der überarbeitete Lehrplan endlich in Kraft, s. unser Artikel). Seither setzen die Gegner der Aufklärung alles daran, überall früh von Veränderungen zu erfahren.

In Hessen ist ihnen das nicht gelungen. Da trat der neue "Lehrplan Sexualkunde" Mitte August in Kraft. Bis auf den Landeselternbeirat tragen ihn alle mit – und selbst in der Eltern-Vertretung gibt es auch Pro-Stimmen. Dennoch ein Wunder, dass das unter Schwarz-Grün möglich war. Für Armin Schwarz, den bildungspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion in Hessen, kein Problem: „Nicht-eheliche Partnerschaften, Patchwork-Familien und gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind nicht nur gesellschaftliche Realität, sondern werden vom Staat rechtlich anerkannt. Dieser Entwicklung tragen wir mit dem neuen Lehrplan nun in der schulischen Lebenswelt Rechnung. Die vorgetragene Angst einer Frühsexualisierung ist unbegründet.“

Wiesbaden: Demo und Gegendemo am 30. Oktober

Dennoch haben „Demo für alle“-Vertreter zu einer Demo in Wiesbaden am 30. Oktober aufgerufen. Ein breites Bündnis rund um „Warmes Wiesbaden“ will sich dagegen stellen, darunter auch die Grünen, denn „'Demo für alle' operiert bewusst mit Lügen, um zu verunsichern. Jeder, der den Lehrplan liest, erkennt das sofort“, sagt deren queerpolitischer Sprecher Kai Klose.

Demo "Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt - gegen Diskriminierung und Ausgrenzung": Sonntag, 30.10., 12 Uhr in Wiesbaden. Infos: hier.

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