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Späte Entschädigung für verfolgte Homosexuelle

Homosexualität stand vor dem Mauerfall in beiden Teilen Deutschlands unter Strafe. Jetzt sollen die Betroffenen endlich rehabilitiert werden. Und das Thema beschäftigt nicht nur die Politik: Eine Doku will das Leben von Lesben in der DDR beleuchten.

KayVee.INC, CC-BY-ND-SA

Von Isabel Lerch

l-mag.de, 3.5.2017 – Es soll geschehenes Unrecht wieder gut machen: Bundesjustizminister Heiko Maas hat ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Menschen, die wegen Homosexualität in beiden deutschen Staaten verurteilt wurden, rehabilitieren und finanziell entschädigen soll. Am vergangenen Freitag wurde das geplante Gesetz in erster Lesung im Bundestag beraten. Laut SPD soll es noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden.

Das Gesetz soll Verurteilte in beiden deutschen Staaten - der BRD und der DDR – rehabilitieren und entschädigen. Während in der alten Bundesrepublik der §175 (der erst 1994 vollends gestrichen wurde!) nur schwule Männer betraf, verurteilte die DDR nach §151 des Strafgesetzbuchs auch Lesben. Nach Schätzungen der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld wurden auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik etwa 64.000 Männer, in der DDR etwa 4.300 Männer und Frauen verurteilt.

Viele Betroffenen leben versteckt - oder sind bereits verstorben

Die Bundesstiftung berät das Justizministerium und sucht nun die Betroffenen. Ihr Vorsitzender Jörg Litwinschuh sieht darin eine enorme Herausforderung, denn: „Viele dieser Menschen leben versteckt und haben auch durch unterschiedliche Lebenserfahrungen nicht das Selbstbewusstsein, zu ihrer Homosexualität zu stehen.“

Zudem kommt für viele die Rehabilitierung wohl zu spät. Denn die meisten Verurteilungen stammen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit bis Mitte der 1970er-Jahre. Die Hirschfeld-Stiftung geht deshalb nur von insgesamt 4.000 bis 5.000 Betroffenen aus, die für eine Entschädigung infrage kommen.

Lesbische Protagonistinnen für DDR-Doku gesucht

Das Thema beschäftigt nicht nur die Politik: Die Filmemacherin Barbara Wallbraun arbeitet seit Jahren an einem Dokumentarfilm über lesbische Frauen in der DDR. Um ihre Geschichten aufzuspüren, recherchiert die Leipzigerin in den Akten der Staatssicherheit. Denn Homosexualität war in DDR nicht nur gesellschaftlich tabuisiert, sondern stand auch unter Strafe und staatlicher Beobachtung.

Aufgrund von krankheitsbedingten Absagen sucht Wallbraun aktuell noch nach zwei Protagonistinnen, die bereit sind, „ihre fesselnde und abwechslungsreiche Geschichte vor der Kamera zu erzählen und in ihrem momentanen Lebensumfeld porträtiert werden können.“ Die Frauen können zu DDR-Zeiten offen lesbisch und parteiverbunden gewesen sein oder auch nicht geoutet, verheiratet und mit Kind(ern). Zudem sucht Wallbraun ein Pärchen, das seit DDR-Zeiten zusammen ist oder sich zumindest seitdem kennt.

Wer Interesse hat, kann auf www.uferfrauen.de mehr erfahren oder Barbara Wallbraun direkt per Mail an barbara@uferfrauen.de kontaktieren.

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