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Lesben auf dem Laufsteg: Die Top 10 der queeren Supermodels

Noch nie sah man in der Model-Branche so viele offen lesbische und bisexuelle Frauen wie heute. Anlässlich der Fashion Week in Paris präsentieren wir die Top 10 der weltweit erfolgreichsten queeren Models.

Erika Linder (r.) in einer Werbung für Lippenstifte (2014)

Von Karin Schupp

l-mag.de, 3.10.2016 - Was sind typische Lesbenberufe? Wem da spontan nur Butch-Klischees wie Truckerin oder Kfz-Mechanikerin einfallen, sollte mal den Blick in die Model-Welt lenken. „Heute gibt es unter den berühmten Topmodels sehr viele Lesbierinnen“, sagte Karl Lagerfeld auf seine altmodische Art schon 2011 bei Markus Lanz (ZDF). Ja, genau: ausgerechnet die Branche, in der sich erwachsene Frauen als „Mädchen“ bezeichnen lassen und sich einem strikten Schönheits- und Schlankheitsbild unterwerfen müssen!

Immer mehr selbstbewusst queere Models

Vielleicht war das ja auch schon früher so, dann aber als gut gehütetes Geheimnis: Bis in die 80er Jahre gab es nur "das erste Supermodel" Gia Carangi, die offen bi war, in den 90ern wurden die Kurzhaarlesben Jenny Shimizu (CK One) und Gaultier-Muse Ève Salvail zu den Aushängeschildern der neu entdeckten Androgynität.

Heute hingegen lassen sich ohne große Mühe Dutzende von Models finden, die selbstbewusst lesbisch, bisexuell und sonstwie queer leben – jenseits der schon immer akzeptierten „Mädchen-Kuschelei“ (die armen jungen Dinger haben doch sonst niemanden, wenn sie so alleine durch die Welt reisen…), das ja auch gerne vor der Kamera inszeniert wird.

Die zehn derzeit erfolgreichsten Topmodels stellen wir hier vor.

D. Jackson für H&M, Instagram Milou Van Groesen für H&M 2011 und im Selfie 2016

Platz 10: Milou Van Groesen, 28, Niederlande

Berufliches: Hatte ihren Durchbruch mit der H&M-Kampagne 2011, modelte seitdem unter anderem für Louis Vuitton, Armani und Diesel und hat einen Stammplatz in den Modemagazinen, vor allem in der holländischen Vogue.

Queeres: „Haha, nein. Ziemlich lesbisch“, beantwortete Milou schon 2009 die Interview-Frage, ob sie einen Freund habe, und schwärmte von The L Word-Star Kate Moennig: „Die schärfste Frau der Welt!“ Ihre prominenteste Ex ist Supermodel Catherine McNeil (s. unten).

Used Magazine, Instagram Erika Linder auf dem Cover der "Used" (2012) und privat (2016)

Platz 9: Erika Linder, 26, Schweden

Berufliches: Posiert für Frauen- und Männermode und spielte 2014 im Werbespot einer schwedischen Jeansmarke gleich beide Rollen. Zurzeit wirbt Erika für Louis Vuitton und Margaret Howell und spielt ihre erste Hauptrolle in dem erotischen Lesbenfilm Below Her Mouth (s. K-Word #164), der im September beim Filmfestival in Toronto Premiere hatte.

Queeres: Ihr Frauentyp ist, wie sie in Galore verriet, der "natürliche Girl Next Door"-Look à la Gisele Bündchen. Zu ihren Verflossenen gehören Heather Kemesky (s. unten) und Katy Perrys Assistentin Tamra Natisin (die auch schon mit Kristen Stewart techtelte) - das Paar trennte sich in diesem Jahr.

Ruby Rose früher und heute: 2003 im Model Contest der Zeitschrift "Girlfriend" und in einer Werbekampagne 2016

Platz 8: Ruby Rose, 30, Australien

Berufliches: Sie wurde mit 15 Jahren Zweite in einem Model-Contest, schuf sich aber schnell weitere Standbeine: Sie war MTV-Moderatorin, ist ein gefragter DJ und jetzt auch als Schauspielerin (Orange is the New Black und diverse Actionfilme, die 2017 starten) erfolgreich. Mittlerweile ist der Tomboy-Look Rubys Markenzeichen, in diesem Jahr wirbt sie damit für Ralph Lauren und die Kosmetikmarke Urban Decay.

Queeres: Die Australierin mit deutscher Mutter war immer offen lesbisch und versteckte auch ihre (zahlreichen) Beziehungen – meistens mit Kolleginnen - nie. Mit Catherine McNeil (s. unten) und mit der Modedesignerin Phoebe Dahl war sie verlobt, ihre letzte Affäre mit Model/ Unternehmerin Harley Gusman überdauerte den Sommer nicht.

Tasha Tilberg in ihrer erste Covergirl-Kampagne (2003) und mit ihren Zwillingen auf dem Cover der italienischen "Marie Claire" (2015)

Platz 7: Tasha Tilberg, 37, Kanada

Berufliches: Modelte schon als Teenie erfolgreich, stieg aber mit 17 aus und zog aufs Land, bevor sie im Jahr 2000 so richtig durchstartete und mit Tattoos, Piercings und manchmal auch kurz geschorenem Haar den Weg für unkonventionelle Models à la Ruby Rose ebnete. Unter anderem warb sie für Jil Sander, Karl Lagerfeld und Biotherm und war zehn Jahre lang das Gesicht der US-Kosmetikmarke Covergirl. Nach einer Babypause ist sie auch im „hohen“ Model-Alter immer noch gut im Geschäft.

Queeres: Tasha brachte schon immer ihre Freundin mit zu ihren Shootings und sagte 2010 auf After Ellen: „Ich finde es toll, wenn die Leute merken, dass wir kein Klischee und überall sind.“ 2009 heiratete sie Laura Wilson, eine Schauspieleragentin, Ende 2012 brachte sie Zwillinge zur Welt.

 

Platz 6: Tamy Glauser, 31, Schweiz

Berufliches: Ihre Karriere startete - ungewöhnlich spät - erst vor vier Jahren, seitdem posiert sie für Frauen- und Männermode, darunter für Louis Vuitton und Jean-Paul Gaultier. Ihr größter Fan ist aber Vivienne Westwood, die die Ex-Soziologie-Studentin mit schweizerisch-nigerianischen Wurzeln 2012 als erste auf den Laufsteg holte. In diesem Herbst buchte sie sie für ihre neue Kampagne "Buddhist Unisex" und lud sie im Juni in Mailand spontan zum "Final Walk" - die größte Ehre für jedes Model - ein (siehe Clip).

Queeres: „Girls and cigarettes“ stand mal in ihrem Instagram-Account: „Zwei Dinge, ohne dich ich nicht leben kann“, wie Tamy dem Magazin i-D erklärte; wer aktuell ihr Herz erobert hat, verrät sie aber nicht.

M. Alas/M. Piggott für Tom Tailor, N. Hudson Heather Kemesyk für Tom Tailor (2015) und auf dem Cover der "Spur" (2016)

Platz 5: Heather Kemesky, 27, USA

Berufliches: Im Geschäft ist sie schon lange, aber erst eine Louis Vuitton-Kampagne 2015 katapultiere sie in die „Hot List“ der Aufstiegskandidatinnen in die Internationale Top 50-Liga (diese Liste erstellt das Branchenmagazin models.com). 2016 wurde die Kalifornierin unter anderem für Armani, Wolfgang Joops Wunderkind und die aktuelle H&M-Kampagne fotografiert.

Queeres: „Das Lächeln und Lachen meiner Freundin lässt mich immer wieder schmelzen und lächeln“, schwärmte sie vor drei Jahren im After Ellen-Interview. Ob sie damit Erika Linder (s. oben) meinte, ist nicht bekannt, aber die beiden waren einmal ein Paar.

Instagram Selena Forrest mit dem Cover der "i-D" (Sommerausgabe 2016)

Platz 4: Selena Forrest, 17, USA

Berufliches: Die Senkrechtstarterin wurde erst letztes Jahr an einem kalifornischen Strand entdeckt und allein im September für mehr als 40 Fashionshows gebucht; auf der Pariser Modewoche lief sie über neun Laufstege, darunter Dior, Paco Rabanne und Yves Saint-Laurent. Auch in Werbeanzeigen von DKNY und Proenza Schoeler ist sie aktuell zu sehen.

Queeres: Das Magazin The Cut fragte im September nach, nachdem sie auf Instagram einen lesbischen Spruch gepostet hatte („Heteras lieben es, mit Lesben zu flirten. Bitch, du wirst neben mir aufwachen. Das ist kein Spiel.“). Ihre Antwort: „Ich liebe Mädchen. Oder besser: Ich mag Menschen. Wenn ich eine Schublade wählen müsste, wäre ich wahrscheinlich bisexuell. Aber ich war noch nie mit einem Kerl zusammen.“

Dario Catellani für Esprit, Instagram Catherine McNeil in Esprit-Werbung (2013) und privat 2016

Platz 3: Catherine McNeil, 27, Australien

Berufliches: Nachdem sie 2003 einen Model-Wettbewerb der Zeitschrift Girlfriend gewonnen hatte (ja: derselbe Contest, in dem Ruby Rose Zweite wurde!), schaffte sie es in die Riege der Top 30-Supermodels und hat inzwischen den Status der „Industry Icon“ (Branchen-Ikone). In Paris lief sie gerade für Isabel Marant und Lanvin, in diesem Jahr werben die Parfüms Jimmy Choo und Narciso Rodriguez mit ihrem Gesicht.

Queeres: Die bisexuelle Australierin gilt als eine der größten Womanizerinnen der Modelwelt. Vor ihrer Beziehung mit Ruby Rose, die 2010 auseinander ging (ihr „RR“-Tattoo ist inzwischen weggelasert...), war sie unter anderem mit Freja Beha Erichsen zusammen, danach mit Milou Van Groesen (alle drei ebenfalls auf dieser Liste), dem Männermodel Miles Langford und dem britischen Model/ Fotografin Emily Hope. Zurzeit soll mit ihrer australischen Kollegin Kye Howell liiert sein.

It's yours so own it @puma #DoYou #PUMAWomen

Ein von Cara Delevingne (@caradelevingne) gepostetes Foto am

 

Platz 2: Cara Delevingne, 24, Großbritannien

Berufliches: Obwohl sich Cara inzwischen stärker ihrer Filmkarriere (Suicide Squad, Pan) widmet, gehört sie immer noch zu den bestverdienendsten Models der Welt. Nach fast zwei Jahren als „Karteileiche“ wurde sie 2011 von Burberry für ihre erste Kampagne gebucht, posierte seitdem von Chanel bis Yves Saint-Laurent für alles, was Rang und Namen hat, und wurde zu einer von Karl Lagerfelds Musen; 2014 besetzte er sie in seinem Kurzfilm Reincarnation. In diesem Herbst wirbt sie für PUMA Women.

Queeres: Um die feierfreudige Britin rankten früher viele Boyfriend-Gerüchte (Harry Styles, Justin Bieber, Prinz Harry…), die sich aber meist als falsch herausstellten. Ihre enge Freundschaft mit Sängerin Rita Ora 2013 wurde noch unter „bi-kurioses Party-Geflirte“ verbucht, mit Schauspielerin Michelle Rodriguez hatte sie 2014 hingegen unverkennbar eine Affäre, und ab Ende 2015 war sie mit der US-Musikerin St. Vincent zusammen, kürzlich trennte sich das Paar aber. Der Vogue sagte sie im August: „Wenn mich die Leute als gay bezeichnen wollen, ist das wunderbar."

Freja Beha Erichsen auf dem Cover der "Numéro" in Korea (Sept. 2008) und in der aktuellen Werbeanzeige von Karl Lagerfeld

Platz 1: Freja Beha Erichsen, 28, Dänemark

Berufliches: Die „amtierende Königin der androgynen Coolness“ (Models.com) gehörte lange zur Top 3 im Model-Olymp, hat mittlerweile den „Ikonen-Status“ erreicht und ist eine von Karl Lagerfelds Lieblings-Musen: Unvergessen sein Kurzfilm The Tale of a Fairy  (2011) in dem sie als Oben-ohne-Fee eine Frau küsst. Auch wenn sie in Paris gerade für Yves Saint-Laurent lief: Auf dem Laufsteg macht sich Freja inzwischen rar. Dafür ist sie 2016 in acht Werbekampagnen zu sehen, darunter für Prada, H&M, das Parfüm von Hugo Boss und das US-Modelabel rag & bone (siehe Clip).

Queeres: Die Dänin ist zwar offen lesbisch, aber öffentlichkeitsscheu: Sie meidet Paparazzi-Events und hat keinen Social Media-Account. Hinter den Kulissen hat sie aber den Ruf des "notorious modelizer" (= kriegt jedes Model rum), und es gilt als offenes Geheimnis, dass Karl Lagerfeld über sie sprach, als er 2011 bei Markus Lanz erzählte: „Da ist ein Model, die bricht die Herzen aller Mädchen. (…) Die hat Ehen gebrochen und alles.“ Freja war (vor Ruby Rose) mit Catherine McNeil liiert, soll Affären mit den Supermodels Irina Lazareanu, Abbey Lee Kershaw und Arizona Muse gehabt haben und wurde zuletzt - das war aber schon 2012 - mit der Sängerin Anna Calvi in Verbindung gebracht. Nichts davon ist offiziell: Freja genießt und schweigt...

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